In den Sand gesetzt: Kopfarbeit oder WM-Vorrunden-Aus? (von Dr. Hanspeter Gubelmann)

Eine sportliche Binsenwahrheit besagt: An einem WM-Fussballturnier kann man den Titel im ersten Spiel nicht gewinnen – diesen aber sehr wohl verlieren. Mit dieser Erkenntnis dürfte sich aktuell die deutsche Nationalmannschaft nach der Auftaktniederlage gegen Japan konfrontiert sehen. Zum sportlichen Ungemach gesellt sich zum allgemeinen Überdruss auch noch jede Menge sportpolitische Störaktionen im Umfeld. Schliesslich muss die Elf von Hansi Flick auch den Niederlagenfluch bei den vergangenen zwei Endrunden mit verdauen, was mediales Salz in die mentale Wunde der Spieler ist. Folge: eine Negativspirale beginnt zu drehen. (Zu) Viel Druck laste jetzt auf dem Team, so die Meinung aller. Nationalspieler Kai Havertz meinte dazu: „Jetzt zählt vor allem der Kopf!“

Diese „Kopfarbeit“ meint Erfolgstrainer Flick auch, wenn er von der notwendigen tiefgreifenden Spielanalyse spricht. Das ist gut und sinnvoll, wird aber nicht reichen, zumal die Quintessenz schnell gefunden ist: Hinten die individuellen Fehler abstellen und vorne mehr Effizienz! Nur so kann es am Sonntag gegen Spanien gelingen. Einverstanden! Noch mehr „Kopfarbeit“ auf den bereits überlasteten Denkapparat in den drei Tagen Vorbereitung erscheint jedoch wenig ratsam. Am Sonntag wird Deutschland auf ein junges, hungriges und spielfreudiges «Espana… con alegría y mucho gusto» treffen. Dem ein „wir sind spielstark“ und „hinten dicht und vorne Chancen nutzen“ entgegenzusetzen ist schlicht zu wenig. Flick dürfte gut beraten sein, auf ein anderes mentales Pferd zu setzen und dieses in intensiven, kurzen Einzelgesprächen zu satteln. Es gilt, JEDEN in seiner inneren Bereitschaft zu packen, Emotionen zu schüren, Energie und Stärke zu spüren, innere Haltung und Leidenschaft zu wecken – eben auch deutsche Tugenden in die Spieltaktik zu integrieren. Und: Der „70-Mio-Mann“ Havertz muss neben der Kopfarbeit noch eine andere Frage für sich geklärt haben. Wie viel bin ich MIR wert? Und bereit, leidenschaftlich zu leisten, um zum Sieg gegen Spanien beizutragen?

Bleibt die Gretchenfrage: Wer wird am Sonntag gewinnen? Offenes Spiel, würde ich sagen und mit einer Gegenfrage antworten: Wer hat mehr Bock auf den Kick? Deutschland oder Spanien?

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Dr. Hanspeter Gubelmann
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