Johanna Constantini: Die Verschiebung der Fußball-EM – schlägt der Geschäftssinn die gesellschaftliche Verantwortung?

Im internationalen Fußball wird der mit der Verlegung der Fußball-Europameisterschaft auf den Sommer 2021 vor allem eines gemacht: Der Weg frei für eine mögliche Beendigung der nationalen Ligen und der europäischen Vereinswettbewerbe bis Ende Juni. Zur Not mit ungeliebten Geisterspielen. Warum? Weil eben von diesen Einnahmen aus den Ligen und den Europapokal-Events sichergestellt werden soll, dass zumindest die meisten Vereine überleben können. 1:0 in der Verlängerung für das Business? Wäre es aber nicht viel eher angesagt, alles abzusagen? Zumindest für diese Saison? Johanna Constantini wirft auf dieser Grundlage spannende Fragen auf, die mehr denn ja uns alle angehen…

Zum Thema: Sport und gesellschaftliche Verantwortung

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Natürlich sind Geisterspiele nicht angenehm. Womöglich erfordert es auch noch mehr mentale Stärke vor leeren Rängen zu spielen, als der Konkurrenz unmittelbar ausgesetzt zu sein. Und selbstverständlich bedeuten fehlende Titelvergaben auch fehlende Motivation, werden abgebrochene Meisterschaften den Leistungen vieler Athleten schlichtweg nicht gerecht. Weil auch sie viel Zeit und Mühe in ihr sportliches Tun stecken. 

All das darf und soll nicht bagatellisiert werden und doch geht es in diesen Zeiten um etwas ganz anderes. Nämlich um die Gesellschaft. Viel mehr noch: Es geht darum, die Alten und die Kranken zu schützen. Man könnte fast sagen, es gehe um Leben und Tod. Und wiederum argumentieren, das Unheil der Welt auch sonst nicht eindämmen zu können, wenn Sportveranstaltungen in widrigen Gegenden, in ärmsten Ländern und in gefährlichen Vierteln ausgetragen werden.

Johanna Constantini, die-sportpsychologen.at

Johanna Constantini

Sportarten: Pferdesport, Laufsport, Wintersport, u.a.

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Ein Appell 

Richtig, und vielleicht sollten wir aktuelle Entwicklungen zum Anlass nehmen, um uns auch darüber mehr Gedanken zu machen. Über die Maschinerien, die hinter unserem Leistungsstreben stecken. Über die Massen, die dadurch bewegt und manches Mal auch unterdrückt werden. Auch über die Chancen – ja – aber ebenso und viel mehr noch über die Risiken, die unsere liebsten Beschäftigungen mit sich bringen. Weil kaum eine andere Welt ein höheres Maß an Verantwortung mit sich trägt als jene, in der Wirtschaftlichkeit auf unsere größten Leidenschaften trifft. 

Nun tun wir also gut daran, uns jener Pflicht umso bewusster zu werden. Die Stadien leer zu lassen, die Titel ein anderes Mal zu vergeben und die Meisterschaften erst dann fortzusetzen, wenn jene Leidenschaften wieder angemessen gelebt werden können.

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