Benjamin Göller: Eisbrecher Teambuilding

Im Sport erleben wir immer wieder Veränderung. Ob es neue Mannschaftsmitglieder sind, ein neues Trainerteam oder die neu Zusammenstellung der Sportler in der Schule, Universität oder der Sportgruppe. Veränderung und Wechsel gehören zu unserem Leben. Vor allem in den Mannschaftsspielen erfolgen Trainer- und Spielerwechsel in regelmäßigen Abständen. Für Trainer, Funktionäre und Betreuer sowie Sportler stellt sich die wichtige Frage der Integration. 

Zum Thema: Welche Möglichkeiten bietet die Sportpsychologie, möglichst zeitnah ein gesundes und intaktes Gruppengefühl entstehen zu lassen?

Sport besteht nicht nur aus motorischen Aufgaben, sondern auch aus psychosozialen Anforderungen, die zu einem erfolgreichen Spielen führen (Sygusch & Kolodziej, 2006). Dabei zeichnet sich der Mannschaftssport durch gegenseitige Unterstützung und aufeinander abgestimmtes Handeln aus (Baumann, 2002). In der Sportwissenschaft wird hierfür der Begriff Gruppenzusammenhalt genutzt. Gruppenzusammenhalt beschreibt das Bestreben einer Gruppe, zusammen zu halten und zum Zweck der Erreichung ihrer Ziele und Zwecke vereint zu bleiben (Caroon et al., 2005; Wilhelm, 2001). Gruppenzusammenhalt kann durch Teambuilding–Maßnahmen und Interventionen gefördert und unterstützt werden. Dabei ist es sinnvoll, dass Trainer und Team durch einen Sportpsychologen angeleitet bzw. unterstützt werden. Zusätzlich zu den direkten Teambuilding-Interventionen sind beziehungsfördernde Maßnahmen wie Grillabende, Outdoor‐Ausflüge oder alternative Trainingsformen zu empfehlen, da sie Gruppenprozesse beschleunigen und fördern können. Das folgende konkrete Beispiel für eine Teambuilding-Intervention soll eine Möglichkeit zur Förderung des Gruppenzusammenhalts aufzeigen:

Zu Beginn einer neuen Gruppenzusammenkunft bietet es sich an, an den interpersonellen Beziehungen der Mannschaftsmitglieder zu arbeiten. Die Mannschaftsmitglieder werden in Paare eingeteilt und bekommen die Aufgabe, sich im Laufe des Tages gegenseitig zu interviewen. Bei einem gemeinschaftlichen Mannschaftabend wird jeder Spieler von seinem Partner der Mannschaft vorgestellt. (Auch im Rahmen einer neuen Sportgruppe ist dies im Sinne einer Vorstellungsrunde in einem kürzeren Rahmen umsetzbar). Die Mannschaft hat anschließend die Möglichkeit, den Spieler weitere offen gebliebene Fragen zu stellen, um so noch mehr Informationen über seine Person zu erhalten.

Kennenlernen und kooperieren 

Durch das Interview erhalten Mannschaftsmitglieder schnelle und interessante Informationen über ihre Mitspieler. Die Kommunikation zwischen den Spielern wird geschult, so dass sie eine gemeinsame Sprache entwickeln können. Erste Rollen bilden sich heraus und es kommt zur ersten Kooperation zwischen den Mannschaftsmitgliedern. Da die Spieler oft ihre peinlichsten Momente, aber auch persönlichsten Erfolge berichten, bleibt solch ein Abend oft noch lange in den Köpfen der Spieler. Auf Grundlage dieses ersten Kennenlernens und Kooperierens lassen sich weitere nützliche Interventionen anleiten.

Um noch einmal die Bedeutung und Wichtigkeit der Zusammenarbeit mit einem Sportpsychologen zu verdeutlichen, möchte ich Aristoteles zitieren, der einst sagte: „Ich würde alles noch einmal so machen, wie ich es getan habe. Bis auf eine Ausnahme: Ich würde früher bessere Berater suchen.“

 

Literatur:

Baumann, S. (2002). Mannschaftspsychologie: Methoden und Techniken. Aachen: Meyer und Meyer.

Carron, A. V., Hausenblas, H. A. & Eys, M. A. (2005). Group dynamics in sport. Morgantown: Fitness Information Technology.

Sygusch, R. & Kolodziej, C. (2006). Persönlichkeits- und Teamentwicklung. Förderung psychosozialer Ressourcen im Handball. Hrsg. Deutsche Sportjugend (dsj) / Deutsche Handballjugend, Frankfurt am Main.

Wilhelm, A. (2001). Im Team zum Erfolg. Ein sozial- motivationales Verhaltensmodell zur Mannschaftsleistung. Lengerich: Pabst.

 

Ich möchte darauf Hinweisen, dass das Verwenden der männlichen Form nur zum Zwecke der einfacheren Lesbarkeit dient. Die Bezeichnungen sind nicht geschlechtsspezifisch zu betrachten.

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