Mariel Geppert ist meistens nahezu unsichtbar. Erst auf den zweiten Blick fällt die Frau im Trainingsanzugsoberteil, Polo und Jeans auf, die bei der U19 WM der Frauen in Italien zum Staff der deutschen U19 Floorball-Nationalmannschaft zählt. “Sportpsychologin” steht auf ihrer Akkreditierung und genau das ist sie: Eine, die sich um die mentale Ebene von sportlicher Leistung und Wohlbefinden kümmert. Bei der WM im italienischen Badeort Lignano Sabbiadoro ist sie sofort gefragt.
Dabei ist es ein eher großer Zufall oder sogar das Ergebnis eines sportlichen Dramas, dass Mariel Geppert in Italien dabei ist. Denn eigentlich betreut sie vor allem das Männerteam von Alba Berlin. Die Basketball-Profis sind trotz eines “Monster-Comebacks”, wie der Streaming-Dienst Dyn meinte, Anfang April im Achtelfinale der Champions League ausgeschieden. “Dadurch bekam ich für die WM freie Bahn. Und durch den Umstand, dass sich Floorball Deutschland und mein Netzwerk Die Sportpsychologen beim Final4 in Zwickau über die Details unserer Kooperation verständigt haben, konnte ich gleich loslegen”, sagt Geppert, die im Floorball kein unbeschriebenes Blatt ist. Seit mehreren Monaten betreut sie das Damen-Bundesligateam BB United. Für deren Trainer Niklas Wagnet “die beste Entscheidung, die ich meiner Laufbahn getroffen habe. Sie hat als Mannschaft und als Gruppe so viel besser gemacht.”
Bei der WM hat Mariel Geppert von Minute eins mehr als gut zu tun. Denn im Auftaktmatch gegen Japan bleibt die deutsche Mannschaft hinter ihren Erwartungen zurück. Gegen die Asiatinnen reicht es nur zu einem 4:4-Unentschieden. Ein unglücklicher Start, der auch davon beeinflusst wurde, dass sowohl Trainer Kevin Buckermann als auch Leistungsträgerinnen wie Michele Siedenberg aus Wernigerode, Linnea Könnecke von den Frankfurt Falcons oder Felina Weber vom SC Potsdam wegen der bundesweiten Mathematik-Abiturprüfung im Aufgebot fehlten. Mariel Geppert über ihre Eindrücke nach dem Remis zum Auftakt: “Im ersten Moment waren sie natürlich etwas geknickt, doch schon beim gemeinsamen Mittagessen war die Stimmung wieder deutlich gelöster – es wurde gelacht und wir konnten auch über andere Themen sprechen. Am Abend haben wir uns dann nochmal als Gruppe zusammengesetzt und uns gemeinsam ausgetauscht. Dabei lag der Fokus vor allem auf den Dingen, die beeinflussbar sind und die für die Spielerinnen persönlich wichtig bleiben.”
Sportliche Ziele und Druck
Das sportliche Ziel der deutschen Mannschaft ist der Sprung unter die Top Acht-Nationen. Allerdings führt der Weg dorthin ausschließlich über den ersten Platz in Vorrundengruppe C. Der Druck nach dem verpassten Sieg im ersten Spiel gegen Japan ist also immens. Spannend: U19 Bundestrainer Kevin Buckermann formulierte einen besonderen Arbeitsauftrag an Sportpsychologin Mariel Geppert. Sie solle ihn insbesondere in der Vorbereitung und im Umgang mit Spielen unterstützen, in dem die deutsche Mannschaft als Favorit aufläuft.
Im zweiten WM-Spiel gegen Kanada muss die deutsche Mannschaft also liefern. Und die Spielerinnen liefern am Donnerstagabend: Kanada wird mit 14:0 besiegt. Der Showdown in der Gruppe, so wollen es die kreativen Spielplan-Architekten, findet am Freitagabend gegen die Gastgeberinnen aus Italien statt. Wieder eine besondere Konstellation. Mariel Geppert zu dem Spiel, welches die deutsche Mannschaft nun gewinnen muss, um Gruppenerster zu werden: „Italien erweist sich als stärkerer Gegner, auch weil sie die Mannschaft vor der WM nochmal verstärkt haben. Das Ziel ist klar formuliert, deshalb sind alle Spiele von Bedeutung – und ein Sieg gegen Italien notwendig, um dieses Ziel zu erreichen. Das wirkt natürlich auf die Spielerinnen, weil jede um ihre Verantwortung weiß, sie sich gleichzeitig aber auch als Team stützen und stärken können, besonders in schwierigen Phasen.”
Sollte Deutschland mit einem Sieg gegen Italien tatsächlich Gruppenerster werden, steht am Samstag ein Playoff-Match gegen ein Team aus den beiden Top-Gruppen an. Die nächste Herausforderung für die junge deutsche Mannschaft. Sportpsychologin Mariel Geppert relativiert: “Natürlich werden solche großen Momente oft an Ergebnissen festgemacht. Gleichzeitig geht es bei einer WM aber auch um die Freude und die Liebe zum Sport – um gemeinsame Erfahrungen, Erinnerungen und das, was über das Spielfeld hinaus verbindet. Die Teilnahme prägt Spielerinnen darin, mit Drucksituationen und den Erwartungen von außen, aber auch den eigenen Ansprüchen umzugehen. Besonders wichtig ist dabei das Erleben von Selbstwirksamkeit – also die Erfahrung, schwierige Situationen aus eigener Kraft bewältigen zu können. Gleichzeitig wachsen viele persönlich daran, Verantwortung im Team zu übernehmen und sich auch in stressigen Momenten selbst zu vertrauen.”
Alle WM-Spiele werden über die App des Weltverbandes per Livestream übertragen: www.floorball.sport – alle Links und Spielpläne finden sich auf der Eventseite des Ausrichters: https://www.italiafloorball.it/
Weitere Zusammenarbeit mit Die Sportpsychologen
Nach der Weltmeisterschaft wird Mariel Geppert weiter für Floorball Deutschland tätig bleiben. Die Berlinerin ist Teil des Teams von Die Sportpsychologen, welches Floorball Deutschland in den kommenden Jahren begleiten wird. Sebastian Blink, Sportdirektor von Floorball Deutschland: ”Wir haben ein umfangreiches Konzept beim DOSB eingereicht, welches bewilligt wurde. Entsprechend haben wir für die sportpsychologische Betreuung der Nationalteams eine bislang nie vorhandene finanzielle Mittel zugesagt bekommen.”
Das sportpsychologische Konzept für Floorball Deutschland hat Prof. Dr. Oliver Stoll, einer der bekanntesten deutschen Sportpsychologen und früherer Präsident von Floorball Deutschland, entwickelt. Die Umsetzung, so einer der Köpfe des Netzwerkes Die Sportpsychologen, wird Neuland: “Wir haben durch die Offenheit und das Vertrauen von Floorball Deutschland ein hoch innovatives Programm entworfen, welches es in dieser Form bei keinem anderen deutschen Spitzensportverband gibt. Mit dem Netzwerk freuen wir uns sehr, die Idee Stück für Stück umzusetzen.”
In den kommenden Monaten werden wir, auch mit der Unterstützung von Floorball Deutschland Nationalteam-Sponsor Nordic Minds, regelmäßig von der sportpsychologischen Arbeit bei Floorball Deutschland berichten. Wir setzen den Fokus dabei auf die Nationalteams, die WM-Endrunden und das Pokalfinalwochenende Final4. Prof. Dr. Oliver Stoll: “Beim Final4 werden wir Angebote an Trainer und Trainerinnen, Eltern sowie Spieler und Spielerinnen machen. Die Floorballszene kann gespannt sein.”

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Fotos: Virginia Kunkel
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