Kaum ist der Schlusspfiff ertönt, beginnt die Suche nach Erklärungen. Spieler, Trainer, Medien und Fans versuchen einzuordnen, was sie gerade gesehen haben. War der Gegner mutiger? Wurden taktische Fehler gemacht? Fehlte in einzelnen Situationen die Konsequenz? Oder war es schlicht die Qualität des Gegners? Nach wenigen Minuten entstehen viele Deutungen, obwohl alle dieselben neunzig Minuten verfolgt haben. Ein perfektes Beispiel: Das letzte Gruppenspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der WM 2026 gegen Ecuador.
Zum Thema: Zwischen Wahrnehmung und Wissenschaft – Warum ein Fußballspiel selten nur eine Erklärung kennt
Nach dem WM-Spiel zwischen Deutschland und Ecuador konnten die Beobachtungen kaum unterschiedlicher sein. Nationalstürmer Deniz Undav beschrieb Ecuador nach dem Spiel als „aggressiver“. Bundestrainer Julian Nagelsmann betonte dagegen, seiner Mannschaft könne man „den Willen nicht absprechen“. Ecuadors Nationaltrainer Sebastián Beccacece sprach hingegen weniger über das Ergebnis als über die Entwicklung seiner Mannschaft, das Vertrauen in den gemeinsamen Weg und die Bedeutung, die Spieler zu erreichen.
Drei Aussagen. Drei Perspektiven. Drei Menschen, die dasselbe Spiel erlebt haben.
Aus sportpsychologischer Sicht ist weniger entscheidend, welche Einschätzung „richtig“ ist. Interessanter ist die Frage, warum ein und dieselbe Begegnung zu unterschiedlichen Wahrnehmungen führt, und welche wissenschaftlichen Perspektiven helfen können, sichtbare Verhaltensweisen einzuordnen. Genau hier setzt dieser Beitrag an. Das Spiel zwischen Deutschland und Ecuador soll weder nachträglich erklärt noch bewertet werden. Ebenso wenig geht es darum, einzelnen Spielern oder Trainern Eigenschaften zuzuschreiben, die sich aus einer Fernsehübertragung nicht ableiten lassen. Die Begegnung dient vielmehr als Fallbeispiel: Was kann die Sportpsychologie an einem Fußballspiel beobachten? Welche Schlüsse sind zulässig? Wofür braucht es ergänzende Perspektiven aus Morphologie, Kognitionspsychologie und Trainingswissenschaft?
Beobachtung und Erklärung
Eine zentrale Unterscheidung zieht sich dabei durch den gesamten Beitrag: Beobachtbares Verhalten und seine Erklärung sind nicht dasselbe. Fernsehbilder zeigen Laufwege, Zweikämpfe, Kommunikation, Raumaufteilung oder Reaktionen auf Ballverluste. Sie zeigen jedoch nicht unmittelbar Motivation, Emotionen oder Gedanken. Wissenschaftliche Analysen beginnen zunächst mit einer möglichst präzisen Beschreibung der beobachtbaren Ereignisse und Verhaltensweisen. Erst anschließend werden mögliche Erklärungen entwickelt und anhand theoretischer Modelle eingeordnet (Meinel & Schnabel, 2007; Williams & Ford, 2008).
In der sportpsychologischen Praxis bedeutet dies, Beobachtungen zunächst konsequent von ihrer Interpretation zu trennen. Erst wenn das Verhalten systematisch beschrieben und im jeweiligen Spielkontext betrachtet wurde, können theoretisch begründete Hypothesen entwickelt werden. Diese Vorgehensweise trägt dazu bei, vorschnelle Schlussfolgerungen zu vermeiden und sportliche Leistungen differenzierter zu beurteilen.
Was sehen wir eigentlich?
Wer ein Fußballspiel verfolgt, entwickelt oft schon nach wenigen Minuten einen Eindruck. Eine Mannschaft wirkt dominanter, der Gegner entschlossener oder das Spiel besonders intensiv. Solche Eindrücke gehören zum Fußball. Aus wissenschaftlicher Sicht stellt sich jedoch zunächst eine andere Frage: Worauf stützt sich dieser Eindruck? Ein Beispiel aus dem Spiel zwischen Deutschland und Ecuador verdeutlicht dies. Ein langer Ball wird in den freien Raum gespielt. Zwei Spieler starten nahezu gleichzeitig. Der Angreifer erreicht den Ball einen Augenblick früher als sein Gegenspieler. Für viele Zuschauer scheint die Situation eindeutig: Er war schneller. Aus wissenschaftlicher Sicht beginnt die Analyse jedoch erst an diesem Punkt.
Morphologie: Warum körperliche Voraussetzungen allein Fußball nicht erklären
Die morphologische Bewegungsanalyse beschreibt zunächst die äußere Form einer Bewegung, bevor nach möglichen Ursachen gefragt wird. Bereits Karl Meinel betonte, dass wissenschaftliche Analysen mit einer sorgfältigen Beobachtung beginnen sollten und nicht mit vorschnellen Erklärungen (Meinel & Schnabel, 2007). Im Fußball unterscheiden sich Spieler unter anderem hinsichtlich ihrer Körpergröße, ihrer Hebelverhältnisse, ihres Körperschwerpunktes oder ihrer Körperzusammensetzung. Solche Merkmale beeinflussen die biomechanischen Voraussetzungen einer Bewegung und können bestimmte Handlungsmöglichkeiten begünstigen. Ob daraus tatsächlich ein Vorteil entsteht, hängt jedoch immer von der jeweiligen Spielsituation ab. Aktuelle Untersuchungen zeigen ebenfalls, dass anthropometrische Merkmale zwar positionsspezifische Unterschiede beschreiben können, sportliche Leistung jedoch erst im Zusammenspiel mit Technik, Wahrnehmung, Erfahrung und taktischen Anforderungen entsteht (Bush et al., 2015; Slimani & Nikolaidis, 2019). Morphologische Merkmale allein erklären den Ausgang eines Zweikampfes nicht. Sie erweitern vielmehr den Blick auf die Bedingungen, unter denen Verhalten auf dem Spielfeld entsteht. Um zu verstehen, weshalb sich zwei Spieler in derselben Situation unterschiedlich verhalten, genügt der Blick auf körperliche Voraussetzungen allein jedoch nicht. Ebenso bedeutsam ist die Frage, wie Spieler Informationen wahrnehmen, verarbeiten und unter Zeitdruck Entscheidungen treffen.
Warum sehen zwei Spieler dieselbe Situation unterschiedlich?
Körperliche Voraussetzungen bilden den Rahmen sportlicher Handlungen. Sie erklären jedoch noch nicht, weshalb zwei Spieler in derselben Situation unterschiedlich entscheiden. Hier richtet sich der Blick auf Wahrnehmung und Antizipation. Im Spiel zwischen Deutschland und Ecuador war mehrfach zu beobachten, wie sich Spielsituationen innerhalb weniger Sekunden veränderten. Ein zunächst freier Raum schloss sich wieder, ein Passweg wurde zugestellt oder ein Mitspieler bot sich in einer neuen Position an. Für die Spieler bedeutet dies, fortlaufend Informationen aufzunehmen, zu bewerten und ihre Entscheidungen an die sich verändernde Spielsituation anzupassen. Erfolgreiches Spielverhalten lässt sich als Zusammenspiel körperlicher Voraussetzungen, Wahrnehmung, Antizipation, Entscheidungsprozesse und der jeweiligen Spielsituation verstehen. Entscheidend ist dabei die Fähigkeit, relevante Informationen frühzeitig wahrzunehmen, Spielsituationen zu antizipieren und unter Zeitdruck angemessene Entscheidungen zu treffen (Williams & Ford, 2008). Erfahrene Spieler unterscheiden sich häufig weniger durch ihre körperlichen Voraussetzungen als durch die Qualität ihrer Wahrnehmung und ihrer Entscheidungsprozesse.
Ein Beispiel verdeutlicht diesen Zusammenhang. Nach einer Balleroberung entschied sich ein deutscher Spieler gegen den direkten Vertikalpass und verlagerte das Spiel zunächst auf die gegenüberliegende Seite. Von außen lässt sich nicht beurteilen, welche Informationen für diese Entscheidung ausschlaggebend waren. Beobachtbar ist lediglich die Handlung. Ob freie Räume erkannt, Mitspieler wahrgenommen oder gegnerische Laufwege antizipiert wurden, bleibt offen. Hinzu kommt, dass einzelne Spielszenen nur begrenzte Rückschlüsse auf überdauernde Verhaltensmuster eines Spielers zulassen. Wissenschaftlich belastbare Aussagen entstehen in der Regel erst dann, wenn vergleichbare Verhaltensweisen über mehrere Situationen hinweg systematisch beobachtet werden. Erst die wiederholte Beobachtung ermöglicht es, zwischen zufälligen Ereignissen und konsistenten Verhaltensmustern zu unterscheiden. Gerade deshalb sollte die Bewertung einzelner Entscheidungen mit wissenschaftlicher Zurückhaltung erfolgen. Daraus lässt sich eine wichtige Schlussfolgerung ableiten. Beobachtbares Verhalten ist nicht auf den Moment einer einzelnen Aktion beschränkt, sondern entsteht im fortlaufenden Zusammenspiel von Wahrnehmung, Informationsverarbeitung und situativen Anforderungen. Gleichzeitig verändern sich mit jeder Aktion die Bedingungen für die nächste Entscheidung. Verhalten sollte daher nicht losgelöst von seiner jeweiligen Spielsituation betrachtet werden.
Verhalten entsteht immer im Kontext
Wer ein Fußballspiel analysiert, kennt die Versuchung, einzelne Aktionen isoliert zu betrachten. Ein Fehlpass erscheint als technische Ungenauigkeit, ein verlorener Zweikampf als individuelles Defizit oder eine verpasste Torchance als falsche Entscheidung. Betrachtet man dieselben Situationen im Zusammenhang mit dem Spielverlauf, entsteht häufig ein anderes Bild. Auch im Spiel zwischen Deutschland und Ecuador veränderten sich die Anforderungen fortlaufend. Räume öffneten und schlossen sich innerhalb weniger Sekunden, Pressingphasen wechselten sich mit längeren Ballbesitzsequenzen ab und jede Aktion beeinflusste die Handlungsmöglichkeiten der nächsten. Entscheidungen entstanden somit nie unter identischen Bedingungen.
Aus trainingswissenschaftlicher Sicht wird dieser Gedanke durch Ansätze der Ecological Dynamics aufgegriffen. Verhalten entwickelt sich nicht unabhängig von der Situation, sondern aus der Wechselwirkung zwischen Person, Aufgabe und Umwelt (Davids et al., 2013; Araújo & Davids, 2016). Dieselbe Entscheidung kann deshalb in einer anderen Spielsituation sinnvoll oder weniger sinnvoll erscheinen.
Sichtbare Aktionen sollten stets im Kontext der jeweiligen Spielsituation betrachtet werden. Ein Spieler entscheidet nicht unter idealen Bedingungen, sondern unter Zeitdruck, Gegnerdruck und sich kontinuierlich verändernden Informationen. Die Qualität einer Entscheidung lässt sich deshalb nur begrenzt anhand ihres Ergebnisses beurteilen. Kommunikation, gegenseitiges Absichern oder das Verschieben einer Formation lassen sich häufig als aufeinander bezogene Anpassungsprozesse beobachten. Sie entwickeln sich als gemeinsame Anpassung an die Anforderungen des Spiels. Hier richtet sich der Blick auf die Interaktionen zwischen den Spielern.
Wie beobachten Sportpsychologinnen und Sportpsychologen ein Fußballspiel?
Aus wissenschaftlicher Sicht beginnt eine Spielanalyse nicht mit der Frage, warum sich ein Spieler auf eine bestimmte Weise verhält, sondern damit, was tatsächlich beobachtet werden kann. Zunächst werden beobachtbare Verhaltensmerkmale beschrieben. Dazu gehören beispielsweise Laufwege, Blickverhalten, Kommunikation, Körperorientierung, Abstände zu Mitspielern oder Reaktionen auf Ballverluste. Erst im nächsten Schritt wird der situative Kontext berücksichtigt. Unter welchem Gegnerdruck entstand die Handlung? Welche taktische Aufgabe hatte der Spieler? Welche Informationen standen ihm in diesem Moment vermutlich zur Verfügung? Erst auf dieser Grundlage lassen sich theoretisch begründete Hypothesen entwickeln. Aussagen über Motivation oder Emotionen bleiben ohne zusätzliche Informationen spekulativ.
Wenn aus Einzelspielern eine Mannschaft wird
Nach dem Spiel sprach Sebastián Beccacece, Ecuadors Trainer, weniger über einzelne Spieler als über den gemeinsamen Entwicklungsprozess seiner Mannschaft. Unabhängig davon, wie diese Aussage sportlich einzuordnen ist, lenkt sie den Blick auf eine Frage, die seit vielen Jahren Gegenstand der Sportpsychologie ist: Wie entsteht aus einer Gruppe von Einzelspielern eine Mannschaft? Bis zu diesem Punkt stand vor allem der einzelne Spieler im Mittelpunkt. Im Fußball entscheidet jedoch selten eine einzelne Handlung über den Verlauf eines Spiels. Mannschaftsleistung lässt sich unter anderem dadurch beschreiben, dass individuelle Entscheidungen in gemeinsame Handlungen eingebettet werden. Im weiteren Spielverlauf zwischen Deutschland und Ecuador ließ sich beobachten, wie häufig sich Spieler nach Ballverlusten neu orientierten. Räume wurden geschlossen, Laufwege angepasst und Mitspieler durch kurze Zurufe oder Gesten auf freie Gegenspieler aufmerksam gemacht. Nach gelungenen Aktionen waren immer wieder kurze Formen gegenseitiger Bestätigung zu erkennen, etwa durch Blickkontakt, ein Abklatschen oder ein kurzes Schulterklopfen. Solche Verhaltensweisen dauern oft nur wenige Sekunden und gehen im Tempo eines Fußballspiels leicht unter. Welche Gedanken, Absichten oder Emotionen diese Handlungen begleitet haben, lässt sich aus einer Fernsehübertragung nicht ableiten. Dennoch können wiederkehrende Verhaltensmuster Hinweise darauf geben, wie sich Zusammenarbeit innerhalb einer Mannschaft organisiert. Seit der klassischen Arbeit von Carron und Kolleginnen beziehungsweise Kollegen wird Teamkohäsion als Zusammenspiel einer gemeinsamen Zielorientierung und des sozialen Zusammenhalts innerhalb einer Mannschaft verstanden (Carron et al., 2002). Aktuelle Metaanalysen zeigen, dass Teamkohäsion in einem positiven Zusammenhang mit der Mannschaftsleistung steht. Dieser Zusammenhang ist jedoch von verschiedenen Rahmenbedingungen abhängig und stellt keine Garantie für sportlichen Erfolg dar (Carron et al., 2002; Grossman et al., 2022).
Ein besonders aufschlussreicher Moment ist der Augenblick unmittelbar nach einem Ballverlust. Während Zuschauer verständlicherweise häufig dem Ball folgen, richtet sich der sportpsychologische Blick auf die übrigen Spieler. Wer übernimmt Orientierung? Wer fordert Mitspieler zum Verschieben auf? Wer sichert Räume? Wer bietet sich unmittelbar wieder an? Genau solche Verhaltensweisen lassen sich beobachten, dokumentieren und im Training reflektieren. Aussagen über Motivation oder mentale Stärke einzelner Spieler wären dagegen wissenschaftlich nicht begründbar. Für Trainerinnen und Trainer können solche Beobachtungsfragen eine hilfreiche Grundlage für Videoanalysen oder Nachbesprechungen sein, weil sie den Blick zunächst auf sichtbare Verhaltensweisen lenken, bevor mögliche Erklärungen diskutiert werden. Ebenso wichtig ist, was nach der Analyse folgt. Beobachtungen sollten nicht dazu dienen, vergangene Fehler immer wieder zu durchdenken, sondern konkrete Ansatzpunkte für die nächste Trainingseinheit und das kommende Spiel zu entwickeln. Aus sportpsychologischer Sicht kann eine lösungsorientierte Nachbesprechung dazu beitragen, die Aufmerksamkeit auf veränderbare Handlungen und zukünftige Aufgaben zu richten, anstatt in vergangenen Fehlern oder Enttäuschungen zu verharren. Ziel ist nicht, Niederlagen auszublenden, sondern sie zu reflektieren, aus ihnen zu lernen und den Blick bewusst auf das nächste Verhalten zu richten.
Führung im Mannschaftssport
In den vergangenen Jahren hat sich auch das Verständnis von Führung im Mannschaftssport verändert. Führung wird heute zunehmend als gemeinsamer Prozess verstanden und nicht ausschließlich als Aufgabe des Trainers oder des Mannschaftskapitäns. Forschung zu Shared Leadership weist darauf hin, dass Orientierung, Kommunikation und Verantwortung häufig von mehreren Spielern übernommen werden und mit Teamkohäsion, kollektiver Selbstwirksamkeit und Rollenklarheit zusammenhängen können (Fransen et al., 2016,2020; Piasecki et al., 2025).
Für Trainerinnen und Trainer ergibt sich daraus zugleich eine praktische Konsequenz. Führung sollte nicht ausschließlich anhand spektakulärer Aktionen oder lautstarker Kommunikation beurteilt werden. Häufig übernehmen Spieler Verantwortung durch unscheinbare Verhaltensweisen wie Orientierung, Absicherung, gezielte Kommunikation oder das Schaffen von Handlungsmöglichkeiten für Mitspieler. Auch kleine Verhaltenssignale verdienen in diesem Zusammenhang Aufmerksamkeit. Ein kurzer Blickkontakt, ein ausgestreckter Arm, eine Handbewegung zum Verschieben der Abwehr oder ein aufmunterndes Klatschen wirken für Außenstehende häufig unscheinbar. Innerhalb einer Mannschaft können solche Signale jedoch Orientierung schaffen, Aufmerksamkeit lenken oder Abstimmungsprozesse unterstützen. Dass nonverbale und verbale Kommunikation eine wichtige Rolle für die Koordination gemeinsamer Handlungen spielen, wird jedoch seit vielen Jahren in der Teamforschung beschrieben (Eccles & Tenenbaum, 2004).
Weniger Wertung, bessere Beobachtung
Die unterschiedlichen Aussagen von Deniz Undav, Julian Nagelsmann und Sebastián Beccacece erscheinen vor diesem Hintergrund weniger widersprüchlich. Vielmehr spiegeln sie verschiedene Blickwinkel auf dieselbe Begegnung wider. Während Spieler einzelne Spielsituationen erleben, richten Trainer ihren Blick häufig auf taktische Prozesse oder die Entwicklung einer Mannschaft. Fundierte Spielanalysen versuchen nicht zu entscheiden, welche Perspektive richtig ist, sondern unter welchen Voraussetzungen sie nachvollziehbar wird.
Vielleicht verändert genau diese Perspektive unseren Blick auf den Fußball. Nicht jede Szene braucht sofort eine Erklärung. Manchmal beginnt ein besseres Verständnis damit, zunächst genauer hinzusehen.
Gute Spielanalyse beginnt nicht mit einer Erklärung, sondern mit der Bereitschaft, genau hinzusehen.
Beobachtungshilfe für Trainerinnen und Trainer
Die wissenschaftliche Analyse eines Fußballspiels beginnt mit einer möglichst präzisen Beschreibung des beobachtbaren Verhaltens. Erst anschließend sollten mögliche Erklärungen diskutiert werden. Die folgenden Reflexionsfragen können dabei helfen, Beobachtung und Interpretation bewusst voneinander zu trennen:
- Welche Verhaltensweisen habe ich heute tatsächlich beobachtet?
- Welche meiner Interpretationen werden durch diese Beobachtungen gestützt?
- Wo habe ich möglicherweise vorschnell Motive, Emotionen oder Absichten zugeschrieben?
- Welche Verhaltensmuster traten wiederholt auf?
- Welche Beobachtungen möchte ich im nächsten Training gezielt aufgreifen?
Wir von Die Sportpsychologen (zur Übersicht) helfen euch als Trainerinnen und Trainer gern – auch ich stehe für Rückfragen und eine Zusammenarbeit gern zur Verfügung (zum Profil von Prof. Dr. René Paasch).

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Literatur
Araújo, D., & Davids, K. (2016). Team synergies in sport: Theory and measures. Frontiers in Psychology, 7, Article 1449. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2016.01449
Bush, M., Barnes, C., Archer, D. T., Hogg, B., & Bradley, P. S. (2015). Evolution of match performance parameters for various playing positions in the English Premier League. Human Movement Science, 39, 1–11. https://doi.org/10.1016/j.humov.2014.10.003
Carron, A. V., Colman, M. M., Wheeler, J., & Stevens, D. (2002). Cohesion and performance in sport: A meta-analysis. Journal of Sport and Exercise Psychology, 24(2), 168–188. https://doi.org/10.1123/jsep.24.2.168
Davids, K., Araújo, D., Vilar, L., Renshaw, I., & Pinder, R. (2013). An ecological dynamics approach to skill acquisition: Implications for development of talent in sport. Talent Development & Excellence, 5(1), 21–34.
Eccles, D. W., & Tenenbaum, G. (2004). Why an expert team is more than a team of experts: A social cognitive conceptualization of team coordination and communication in sport. Journal of Sport and Exercise Psychology, 26(4), 542–560. https://doi.org/10.1123/jsep.26.4.542
Fransen, K., Decroos, S., Vande Broek, G., & Boen, F. (2016). Leading from the top or leading from within? A comparison between coaches‘ and athletes‘ leadership as predictors of team identification, team confidence, and team cohesion. International Journal of Sports Science & Coaching, 11(6), 757–771. https://doi.org/10.1177/1747954116676102
Fransen, K., Mertens, N., Cotterill, S. T., Vande Broek, G., & Boen, F. (2020). From autocracy to empowerment: Teams with shared leadership perceive their coaches to be better leaders. Journal of Applied Sport Psychology, 32(1), 5–27. https://doi.org/10.1080/10413200.2019.1617370
Meinel, K., & Schnabel, G. (2007). Bewegungslehre: Sportmotorik. Abriss einer Theorie der sportlichen Motorik unter pädagogischem Aspekt (11., überarb. und erw. Aufl.). Meyer & Meyer.
Piasecki, P. A., & Filho, E. (2025). The influence of social and task peer leaders on team cohesion and collective efficacy in sports: A meta-analytical review. Sport Sciences for Health, 21(3), 1349–1362. https://doi.org/10.1007/s11332-025-01375-0
Slimani, M., & Nikolaidis, P. T. (2019). Anthropometric and physiological characteristics of male soccer players according to their competitive level, playing position and age group: A systematic review. The Journal of Sports Medicine and Physical Fitness, 59(1), 141–163. https://doi.org/10.23736/S0022-4707.17.07950-6
Williams, A. M., & Ford, P. R. (2008). Expertise and expert performance in sport. International Review of Sport and Exercise Psychology, 1(1), 4–18. https://doi.org/10.1080/17509840701836867
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