Markus Gretz: Ein paar Gedanken zur Basketball-WM 2019

Die deutsche Basketball Nationalmannschaft ist mit viel Spott und Häme schon in der Vorrunde der Weltmeisterschaft in China aus dem Turnier ausgeschieden. Auch die großen Favoriten USA und Serbien sind früher gescheitert als gedacht. Einmal mehr hat die Sportart Basketball gezeigt, dass Tugenden wie Einsatz und Teamplay essentiell für den Erfolg einer Mannschaft sind und nicht allein die Individuelle Klasse einzelner Akteure ausreicht, um eine Mannschaft zum Erfolg zu führen.

Zum Thema: Einstellung als Schlüssel zum Erfolg

Besonders der Mangel an Intensität, Teamplay und Einsatz wurde nach dem Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft in der Vorrunde gegen die Dominikanische Republik von der Presse und in den sozialen Medien bemängelt. Die „talentierteste deutsche Mannschaft aller Zeiten“ scheidet schon in der Vorrunde gegen den Underdog aus der Karibik aus. Auch die Serben und die US-Amerikaner scheiterten an vermeintlich schwächeren Gegnern. Natürlich spielt im Sport auch immer die Tagesform oder Zufall sowie Glück eine Rolle. Aber wenn man die betreffenden Spiele genau beobachtet hat, konnte man beim Underdog eine deutlich stärkere Intensität und mehr Einsatz in entscheidenden Situationen sehen. 

Intensität und Einsatz sind immer mit der Einstellung verknüpft, mit der man in ein Spiel geht. Als Favorit muss man sich die Einstellung, vollen Einsatz und hohe Intensität zu gehen, bewusst hervorrufen. Denn wir dürfen eines nicht vergessen: Es ist eine ganz natürliche menschliche Eigenschaft, nur das nötigste zu investieren, um zum Erfolg zu kommen. Ein Underdog hat vor dem Spiel automatisch und oft sogar unbewusst die Einstellung: „Um dieses Spiel gewinnen zu können, muss ich alles geben.“ Ein Favorit muss diese Einstellung bewusst und gezielt herstellen, um sich nicht auf seiner Stärke auszuruhen. 

Teamplay als wichtiger Faktor 

Genauso sieht es mit dem Teamplay aus. Bei den Favoriten mit herausragenden Individualisten verlässt sich die Mannschaft zu oft auf einzelne Spieler, wie zum Beispiel bei Deutschland auf den NBA Star Dennis Schröder. Dabei wird dann teilweise das Teamplay vernachlässigt und der Individualist nimmt alleine schwierige Würfe, anstatt mit der gesamten Mannschaft einen einfachen Wurf zu erarbeiten. Wenn die Einstellung aber vorher bewusst hergestellt wird, dass man das Spiel nur als Team gewinnen kann und die eigene Leistungsfähigkeit zwar selbstbewusst eingeschätzt aber nicht überschätzt wird, dann kann offensiv ein Teamplay entstehen, dass nur schwer zu verteidigen ist. So haben es auch die Überraschungsteams aus Argentinien, Tschechien und Polen eindrucksvoll gezeigt, die zwar auch überragende Einzelakteure haben und trotzdem vor allem als Team zusammen spielten.

Markus Gretz

Einer unserer Basketballexperten im Netzwerk ist ein echter Teamplayer. Holt ihn euch für Vorträge zu Themen wie Konfliktmanagement in Sportmannschaften, Wettkampfangst oder zum Pausenverhalten von Trainern ins Boot.

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Umgang mit Kritik

Natürlich ist es keine leichte Aufgabe, mit heftiger und teilweise ungerechtfertigter Kritik umzugehen. Spieler wollen ihren Selbstwert schützen und Trainer und Funktionäre wollen ihre Spieler und teilweise auch ihr Produkt schützen. In der Öffentlichkeit ist dies noch viel schwieriger. Wenn man von den Medien starke Kritik erfährt, steht man erst mal in der Defensive und ist es als Sportler gewohnt, abzuwehren. Gibt man dann, wie Dennis Schröder die Kritik öffentlich an seine Teamkollegen (die zu wenig angefeuert haben sollen) weiter, kann dies erstens zu Konflikten innerhalb der Mannschaft führen und zweitens ist die Wirkung nach außen eher unsympathisch, arrogant und führt zu noch mehr Kritik. 

Für die eigene Entwicklung und die öffentliche Anerkennung ist es deshalb deutlich zielführender, Schwächen und Missstände erst einmal offen anzunehmen. Demütige Spieler und eine Mannschaft, die sich der Kritik stellen und nicht sofort abwehren, werden dann öffentlich deutlich positiver wahrgenommen. Als nächster Schritt sollte man sich intern, mit sich selbst und innerhalb der Mannschaft, intensiv mit der Kritik beschäftigen. Manche Kritik erweist sich dann als richtig und der Spieler und die Mannschaft kann daraus lernen. Andere Kritik ist in der Innenansicht schlicht falsch und kann vernachlässigt werden. Auch wenn man nach guter Überlegung zu diesem Schluss gekommen ist, wäre es ratsam sich zu überlegen, ob man die Kritik im Nachhinein öffentlich abwehren muss, oder ob dies immer noch eine falsche defensive Wirkung nach außen haben kann. Wohl dosiert mit einer Mischung aus Kritik eingestehen und abwehren, kann die Wirkung aber deutlich verändert werden. Auch beim Umgang mit Kritik einem eine vorher erlernte Einstellung helfen. Wenn man Kritik als Geschenk und nicht als Angriff sieht, ist man nicht direkt in der Defensive und kann die Kritik viel besser zur eigenen Entwicklung nutzen.

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