Björn Korfmacher: Eishockey-Nationalmannschaft – Mega-Stars, Mega-Enttäuschung

Für die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft war bei den Olympischen Winterspielen 2026 im Viertelfinale Ende. Im Grund genommen kein Drama. Viel höher sind die Ziele in der Regel nie. Doch diesmal war es anders. Diesmal erwartete die Öffentlichkeit eine Medaille. Der Grund allein: sieben NHL-Spieler.   

Zum Thema: Was wir vom Misserfolg der Eishockey-Nationalmannschaft lernen können

Auch wenn es vermessen klingt oder die Redewendung „Hinterher weiß man immer mehr“ klischeemäßig bedient, sage ich trotzdem: Ich habe es gewusst. Das enttäuschende Abschneiden unserer Eishockey-Nationalmannschaft hat mich nicht überrascht. Am liebsten hätte ich bereits im Vorfeld, als man die Mannschaft schon feierte, bevor es überhaupt losging, gebrüllt „Haltet mal den Ball flach!“ Jetzt, nach dem Turnier-Aus ist man demütiger. Der Trainer, die Spieler, die Fans, die Presse. Das vorab als Übermannschaft dargestellte Team bekommt jetzt von allen Seiten die Flügel gestutzt. Erst jetzt beginnt die realistische Einordnung. 

Ich war beim Turnier nicht dabei und hatte auch zu keiner Person aus dem Team oder dem Umfeld Kontakt. Ich will also keine Ferndiagnose vornehmen. Aber ich habe mir Gedanken gemacht, was wir im Sport, insbesondere im Mannschaftssport, vom sportlichen Auftreten des deutschen Eishockey-Nationalteams lernen können. Einfach, um unseren Teams ein solches unbefriedigendes Erlebnis bei einem wichtigen Turnier zu ersparen. Ich habe also mal fünf freche Regeln formuliert, die garantiert das Schiff in die falsche Richtung lenken:

Die fünf Regeln zum Misserfolg:

Baue Druck auf! 

  • Am besten, indem du der Mannschaft klar machst, wie hoch die Erwartungen sind. Etwa durch Aussagen wie: “Das ist die beste Mannschaft, die wir je hatten.” 

Unterschätze jeden Gegner!

  • Das funktioniert zum Beispiel, wenn man so tut, als sei man das einzige Team mit ein paar herausragenden Spielern. 

Sorge innerhalb der Mannschaft für Frust und Missgunst!

  • Tipp: Degradiere etablierte und verdiente Spieler zugunsten einer kleinen Gruppe aus „Stars“. 

Lass gar nicht erst Teamspirit aufkommen!

  • Dazu gibt man am besten ein paar wenigen Spielern enorm viel Spielzeit, während die anderen auf der Bank sitzen – so machst du klar, dass für den Erfolg nur ein paar Auserwählte wichtig sind.

Sorge dafür, dass niemand Verantwortung übernimmt!

  • Mach deinem Team klar: Große Namen können Großes leisten. Die Topstars werden es schon richten.

Fazit

Wenn man einigen Spielern das Vertrauen entzieht und anderen zugleich übermäßig viel Verantwortung und Last aufbürdet, leidet die Mannschaftsmoral – das Prinzip „Einer für alle, alle für einen“ geht dabei verloren. Ungleich verteiltes Vertrauen und Verantwortung untergraben die Mannschaftsmoral. Teamgeist entsteht so nicht. Zumindest gilt das allgemein als eine der Grundregeln für erfolgreichen Mannschaftssport.1,2,3

Zurück zur deutschen Eishockey-Nationalmannschaft: Ich wünsche ihr, dass sie aus den gemachten Erfahrungen die richtigen Schlüsse zieht und bei der kommenden Weltmeisterschaft geschlossen und erfolgreich auftritt.

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Quellen

  • Carron, A. V., Bray, S. R., & Eys, M. A. (2002). Team cohesion and team success in sport. Journal of Sports Sciences, 20(2), 119–126. 
  • Mullen, B., & Copper, C. (1994). The relation between group cohesiveness and performance: An integration. Psychological Bulletin, 115(2), 210–227. 
  • Grossman, R., et al. (2021). The team cohesion–performance relationship: A meta-analysis exploring measurement approaches and the changing team landscape. Organizational Psychology Review, 12, 20413866211041157.

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