Katharina Petereit: Andrea Petkovics Teufel

Seit 2007 ist  Andrea Petkovic, die zu Jahresbeginn auf Platz 13 der Weltrangliste gesetzt war, international erfolgreich. Immer wieder stoppten Verletzungen ihre sportliche Karriere, wie Anfang 2008 bei den Australian Open in Melbourne – Kreuzbandriss, acht Monate Verletzungspause. Vor wenigen Tagen eben bei diesem Grand-Slam-Turnier: Petkovic trainierte, die negativen Erinnerungen kehrten zurück, die großen Selbstzweifel kamen wieder und ließen sie nicht mehr los. Die taz und FAZ online berichteten von Petkovics Kampf gegen die kleinen Teufel in ihrem Kopf, „… die zu einer großen Plage werden können …“ (taz, 19.01.2015) und zur Niederlage in der ersten Runde führten.  

Zum Thema: Aufarbeitung negativer Erfahrungen und Umbewertung bedrohlicher Wettkampfsituationen

Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner verlangt nach den Niederlagen der deutschen Tennisfrauen bei den Australian Open eine Aufarbeitung und kritische Auseinandersetzung der Fehler. Andrea Petkovic selbst konnte ihr Scheitern mit zu wenig Selbstbewusstsein in den „… entscheidenden Momenten …“ (kicker, 20.01.2015) erklären. Im Oktober 2014 brach sie in einem Interview nach der Erstrunden-Niederlage bei einem WTA-Turnier in Luxemburg in Tränen aus. Bereits zu diesem Zeitpunkt läuteten aus sportpsychologischer Sicht die Glocken. Sie berichtete von gesundheitlichen und privaten Problemen, durch die sie sich zu kraftlos fühlte, um Tennis zu spielen. Die ständigen Verletzungen, ihre negativen Gedanken, die sie immer wieder einholen und die Trennung von ihrem Trainer Eric van Harpen belasten die emotionale Tennisspielerin, wie es in Interviews und Berichten zu lesen ist. In dem Artikel der taz wird ein entscheidender Aspekt genannt – Petkovic habe längst begriffen, dass sie die Teufel nicht bekämpfen dürfe, sondern akzeptieren müsse. Doch das alleinige Erkennen einer Problematik und das wirkliche aktive Handeln sind zwei unterschiedliche Dinge. Petkovic ist zuvor bei den Turnieren in Brisbane und Sydney jeweils in der ersten Runde gescheitert, hat diese negativen Gedanken mit ins Training genommen und konnte sie bis zum Grand-Slam-Turnier nicht ablegen. Es lassen sich mehrere belastende Faktoren herausstellen, die eine grundsätzliche Aufarbeitung der negativen Gedanken und Ereignisse unumgänglich machen sollten.

Bewältigung negativer und leistungshemmender Erlebnisse

Wenn bestimmte negative Ereignisse den Athleten über lange Zeit verfolgen und der damit verbundene enorm negative Gefühlszustand bei ähnlichen Situationen wiederkehrt, kann von einem psychischen Trauma gesprochen werden (Baumann, 2011). Hieraus kann sich eine Hilflosigkeit entwickeln, die sowohl einen emotionalen als auch kognitiven Kontrollverlust hervorrufen. In Hinblick auf Petkovic ist zunächst die Aufarbeitung der ständigen Verletzungen und den damit einhergehenden Niederlagen wesentlich, um ein Großereignis wie die Australian Open nicht als Bedrohung, sondern als Herausforderung bewerten zu können. Diese Aufarbeitung kann beispielsweise mithilfe eines Stressimpfungstrainings stattfinden, welches eine Informationsphase (Bewusstwerden der kritischen Situationen), eine Übungsphase (Erlernen von Bewältigungsstrategien/Selbstinstruktionen) und eine Anwendungsphase (Bewältigungsstrategien praktisch umsetzen) umfasst (Meichenbaum, 1979; Ziemainz, 1999). Es geht vor allem um die Kontrolle von dysfunktionalen Selbstgesprächen und die Veränderung dieser in eine positive Bewertung der Anforderungen.

Ursachenzuschreibung und Neubewertung

Im Fall Petkovic ist zudem eine Ursachenzuschreibung, die so ähnlich auch Barbara Rittner fordert, notwendig. In dem Bericht der taz erklärt Petkovic, dass sie sich bereits im Training über jeden Fehler und jede misslungene Aktion Gedanken mache und bis ins Kleinste analysiere. Diese Gedanken sind ohne Frage nicht förderlich und machen die talentierte Tennisspielerin für den Wettkampf psychisch instabil. Durch eine funktionale Ursachenzuschreibung und das Abschließen mit einer Niederlage, kann ein Sportler sich ungehemmt auf neue Anforderungen vorbereiten, welche durch die Neubewertung der bisher bedrohlichen Situationen als Herausforderungen eingeschätzt werden sollten. Diese Neubewertung findet im Rahmen des Stressimpfungstrainings statt, welches die Bewältigungsressourcen stärken und den Sportler wieder handlungsfähig machen soll.

Dies sind nur einzelne Ansätze zur Auseinandersetzung und Bewältigung der belastenden Faktoren. Fest steht, dass jahrelang aufgestaute Ängste, Selbstzweifel und Verletzungspausen auch eine längere Aufarbeitungs- und Bewältigungsphase benötigen. Andrea Petkovic hat bereits 2010 mit einem Sportpsychologen zusammengearbeitet. Bleibt nur zu hoffen, dass sie diese Unterstützung immer noch oder erneut in Anspruch nimmt und somit auch vor wichtigen Ereignissen nicht mehr gegen die „kleinen Teufel“ kämpfen muss.

 

Weiterführende Literatur:

Baumann, S. (2011). Psyche in Form. Sportpsychologie auf einen Blick. Aachen: Meyer & Meyer Verlag.

Nittinger, N. (2008). Psychologisch orientiertes Tennistraining. Stuttgart: Neuer Sportverlag.

Ziemainz, H. (1999). Handlungskontrolle und Stressintervention im Triathlon. Aachen: Meyer & Meyer Verlag.

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