Christian Hoverath: Den Match-Tie-Break meistern

„Ich verliere im Match-Tie-Break immer“ – so, oder so ähnlich lautet zur Zeit eine wachsende Zahl an Nachfragen, die mich erreichen. Die Ursachen sind so vielfältig wie die Lösungsansätze, und so möchte ich im Folgenden exemplarisch auf zwei Gedankengänge eingehen. Einer betrifft unsere Sprache, der andere unsere Konzentration. Gemeinsam haben sie, dass sie in aller Regel effektiv wirken. 

Zum Thema: Einfache Techniken für entscheidende Spielsituationen 

Sprachlich ist das Wort „immer“ eine Wucht. Dieses immer ist dann angebracht, wenn man einen groben Überblick geben will. Der Nachteil ist allerdings, dass das Problem durch dieses kleine Wort größer erscheint als es tatsächlich ist. Im Falle eines Tennisspielers, der den Match-tie-Break „immer verliert“, kann dies problematisch werden.

Was macht also dieses Wort immer? Probleme, die man immer hat, erlebt man schwerwiegender als Probleme, die man hin und wieder hat und in der Vergangenheit schon bezwingen konnte. Mehr noch: Probleme, die man immer hat, sind schlimmer als Probleme zu bestimmten Zeiten bei bestimmten Themen. Das kleine Wort „immer“ macht das Problem somit größer als es tatsächlich ist. Hinzu kommt, dass es auch für die Zukunft eine Lösung quasi ausschließt.

Gegen die Schwere ankommen

Unsere Aufgabe ist es nun, zu relativieren: Um das Problem auf seine tatsächliche Größe herunter zu brechen, empfiehlt es sich dabei, mit Differenzierungen zu reagieren und Ausnahmen zu finden. So könnte man sich die Frage stellen: „Ich habe also in der Vergangenheit schon oft einen Match-Tie-Break verloren. Wann denn und wann nicht?“ Durch diese Frage, wie es in der Vergangenheit war, hält man sich Optionen für die Zukunft offen. Zudem hilft die Frage nach Ausnahmen, um gegen die Schwere anzukommen.

Eine weitere Möglichkeit ist es, über die Ausrichtung der Konzentration nachzudenken, denn der Match-Tie-Break ist nun einmal etwas Besonderes. Das Spiel nähert sich einer Entscheidung. Durch die veränderte Zählweise verändert sich die Wahrnehmung. Häufig verändert sich aufgrund der veränderten Situation auch der Konzentrationsfokus. Es kommen Gedanken auf wie „mach jetzt keinen Fehler“ oder dergleichen. Es entstehen lebendige Bilder von dem, was man nicht will, anstelle sich einen Film von dem zurechtzulegen, was man erreichen möchte. Was will ich denn statt des Fehlers machen?

Kreative und individuelle Lösungen

Zuschauer können in dieser Situation häufig Spieler beobachten, die sich verstärkt über ihre Fehler aufregen. Bliebe man beim Spiel „Punkt für Punkt“, dann ist es weiterhin Tennis. Der Ball muss übers Netz und wer den Ball einmal häufiger fehlerfrei ins Feld des Gegenübers spielt, der bekommt den Punkt. Deswegen lohnt es sich, ins Training der Konzentrationsfähigkeit zu investieren und zu lernen, die Konzentration auf das Ziel zu lenken. Empfehlenswert sind Visualisierungen vom Erwünschten und Konzentrationsroutinen, um zielführend mit dieser Ressource umzugehen.

Christian Hoverath: Die Pausen im Tennis

Übrigens, da ich gerade schrieb, dass sich mit der veränderten Zählweise auch die Wahrnehmung verändert, lässt sich natürlich auch mit dieser Wahrnehmung spielen: Ein Tennisspieler fand, dass alle Punkte wie gelbe Luftballons seien und der Match-Tie-Break dann wie rote. Also bliesen wir ganz viele gelbe auf und 18 rote und diskutierten darüber, wie sie sich unterschieden. Was will ich mit diesem Beispiel sagen? Ganz einfach: Die Antworten und Techniken auf die jeweilige Problemstellung, die euch plagt, können sehr, sehr verschieden sein. Ich freue mich also, mit euch kreativ zu werden und lade zur Kontaktaufnahme ein. Zum Profil von Christian Hoverath.

Literatur

Prior, Manfred & Tangen, Dieter (2016). MiniMax-Interventionen: 15 minimale Interventionen mit maximaler Wirkung. Heidelberg: Carl-Auer Verlag GmbH.

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