Elvina Abdullaeva: Saisonvorbereitung für Gewinner

Anfang Juli startet für die Fußball-Bundesligisten die Saisonvorbereitung – eine der wichtigsten Phasen der ganzen Saison, die leicht unterschätzt werden kann. Insbesondere von denjenigen, die eine gute Saison hinter sich und vielleicht sogar einen Titel geholt haben.

Zum Thema: Wie bereitet man die Gewinner auf die neue Saison vor?

Diejenigen, die aus einer schlechten Saison kommen, haben es im Vergleich in der Regel leichter. denn schlechte Zeiten sind die effizientesten Zeiten. In einer sportlichen Krise hat man nichts zu verlieren. Sportler, Trainer oder gesamte Vereine beginnen nach neuen Wegen zum Erfolg zu suchen, probieren ganz andere Dinge als gewöhnlich aus, werden kreativer und mutiger. Im Gegenteil dazu, wenn die Leistung der Vorsaison zufriedenstellend war oder sogar das Prädikat „besser geht’s nicht“ verdiente, wie es international z.B. auf Real Madrid zutrifft, ist die Gefahr groß, dass Sportler oder die Funktionsträger im Verein die neue Serie zu entspannt angehen. Denn in dem Moment hat man keine Not, um mehr an sich zu arbeiten, man ist voller Selbstvertrauen und denkt, dass es von allein so weiter geht. Dafür kann man jedoch sehr teuer bezahlen.

Also: Wie können denn die Gewinner die erreichte Leistung konservieren? Unter uns: Das kann niemand. Die einzige Möglichkeit ist, in Bewegung zu bleiben. Sonst wird es schwierig.

Die Saisonvorbereitung ernst nehmen

In der Fussballgeschichte gibt es viele Beispiele, dass auf eine sensationelle eine katastrophale Saison folgte. Und oft war dies schon am Saisonanfang klar. Wichtig: Oft spielen die ersten Partien für das Selbstvertrauen des Teams eine entscheidende Rolle. Es ist enorm wichtig, allen und sich selbst zu zeigen, dass die Meister noch alles drauf haben. Alle Mannschaften treten gegen den Meister höchst mobilisiert an, gleichzeitig haben sie aber Angst von dem starken Gegner. Und andererseits speist sich die Angst oder auch die Kampfbereitschaft des Gegners von der Spielqualität des Champions. Und dies wiederum hängt wesentlich von dessen Einstellung ab. Ein paar zufällige Niederlagen sind oft genug, damit jeder einzelner Spieler unsicher und nicht mehr zuversichtlich agiert. Dies überträgt sich rasch innerhalb des Teams. Und auf einmal treten die Spieler nervöser auf und vergessen daran zu denken, dass sie eigentlich an sich starke Spieler sind und was sie kurz davor schon alles erreicht haben. Denken wir nur an Borussia Dortmund im letzten Jahr unter Jürgen Klopp. Damit so etwas mit Ihrer Mannschaft nicht passiert, sollten sie der Saisonvorbereitung viel Aufmerksamkeit schenken und das effizient ausnutzen. Ihr Ziel ist es, dass die Mannschaft wieder fleißig trainiert, und von Anfang an motiviert spielt.

Was ist aus sportpsychologischer Sicht in der Saisonvorbereitung zu machen?

  • Realitätscheck

Es geht darum, die Spieler spüren zu lassen, dass Ihre Überlegenheit zerbrechlich ist. Das lernt man nur in Niederlagen. Sie wollen aber nicht, dass diese auf Kosten von Punkten gehen, wenn die Saison schon läuft. Deswegen suchen Sie sorgfältig die Vorbereitungsgegner aus. Es wirkt sich positiv aus, wenn die Mannschaft gegen einen starken Gegner verloren hat. Nicht gegen einen schwachen! Denn in diesem Fall können die Spieler sich immer sagen: „Wir haben uns einfach nicht genug angestrengt.“ Es geht aber darum, ihr „Können“ einem Realitätscheck zu unterziehen und sich bewusst zu machen, dass es immer Luft nach oben gibt. Derjenige, der auf Kosten von alten Siegen lebt, hat keine Zukunft im Leistungssport.

  • Die Herausforderung, sich wieder neu zu finden

Die sportpsychologische Arbeit rund um das Setzen von Zielen spielt hier eine enorme Bedeutung. Die Menschen mit sogenannter Siegermentalität schaffen über lange Zeit, der Beste zu bleiben, weil sie immer wieder einen neuen Vorsatz finden und sich darauf konzentrieren. Seien Sie sich bewusst, dass die Ziele wichtiges Werkzeug ihrer Arbeit sind. Genauso wie ein Navi, der das Auto zum Wunschpunkt bringt, führen die richtige Ziele Ihre Mannschaft zum Erfolg. Überlegen Sie mit dem Team in der Saisonvorbereitung, was das sein könnte, welche neuen Herausforderungen die Mannschaft für sich setzen kann? Auch individuelle Ziele der Spieler sollten sorgfältig durchgesprochen werden. Je individueller und zielführender ein einzelner Akteur an sich arbeitet, desto besser spielt die ganze Truppe (Schliermann & Hülß, 2008). Mehr dazu können Sie zum Beispiel im Artikel von meinem Kollegen Dr. René Paasch lesen.

Zum Text von René Paasch

  • Eigenes Können mitnehmen.

Es geht darum, das Selbstvertrauen sowohl der einzelnen Spieler als auch der Mannschaft aufrechtzuerhalten. Mit der Zeit und durch die Alltagsroutine werden oft eigene Stärken vergessen. Und das sind die Aufgaben des Trainers, sich selbst und den Spielern immer wieder bewusst zu machen, was die Mannschaft in der letzten Saison zum Titel geführt hat! Was macht das Team aus? Was kann jeder einzelner gut? (Baumann,2008).

In diesem Sinne, eine gute Saisonvorbereitung!

Und darüber hinaus freue ich mich auf Ihr persönliches Feedback: Zum Profil von Elvina Abdullaeva

Quellen

Baumann, S. (2008). Mannschaftspsychologie. Methoden und Techniken (2. Aufl.).Aachen: Meyer & Meyer
Schliermann, R. & Hülß, H. (2008). Mentaltraining im Fußball. Hamburg: Czwalina

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