Markus Gretz: Taktisches Visualisieren

Sportarten: Basketball, American Football, Fußball, Handball, Volleyball, Floorball, Eishockey, Snowboarding, Triathlon, Ski Alpin, Ski Nordisch, Biathlon, Klettern, Golf, Fitness, Laufsport

In der Basketball-Bundesliga läuft die Rückrunde: Alle Mannschaften haben nun schon mindestens einmal gegeneinander gespielt. Die Spieler kennen sich und die Trainer haben nun jede Mannschaft gesehen. In der Tabelle hat sich eine Favoritengruppe herausgebildet. Für manche Teams geht es nun um den Abstieg, andere kämpfen um einen Playoffplatz. Wieder andere wollen sich möglichst hoch in der Tabelle platzieren, um in den Playoffs den Heimvorteil zu erhalten. Die Teams bereiten sich jetzt mehr denn je auf den nächsten Gegner vor. Allerdings schöpfen viele Mannschaften noch nicht alle Möglichkeiten aus.

Zum Thema: Wie mentales taktisches Training einen Vorteil generiert

In einer sehr taktischen Sportart wie es das Basketballspiel ist, können Spielzüge und Angriffssysteme ein Spiel entscheiden. Obwohl auch schon in der Vorrunde Videoscouting genutzt wird, um die gegnerischen Stärken und Taktiken zu analysieren, wissen die Trainer erst nach einem direkten Vergleich, welche taktischen Mittel ihr Gegenüber gegen die eigene Mannschaft bevorzugt einsetzt. In der Rückrunde wird also noch mehr darauf geachtet, die gegnerische Taktik zu durchkreuzen und die eigene Verteidigung auf die Stärken der Gegner einzustellen.

Im Videocoaching und im Spielvorbereitungstraining werden nun von den Trainern gegnerische Angriffe gezeigt und Lösungsmöglichkeiten mit den Spielern erarbeitet. Die Athleten verinnerlichen die Abläufe und ihre Aufgabe im Team. An dieser Stelle kann auch die Sportpsychologie einen sehr effektiven Beitrag leisten:

Taktische Visualisierungen haben enormes Potenzial

Mentales Training oder Visualisierung sind im Sport mittlerweile weit verbreitet. Viele Sportler nutzen Visualisierung, also das strukturierte Vorstellen von Bewegungen, besonders um eine neue Technik zu erlernen oder eine bekannte Technik zu verbessern. Deutlich seltener wird von taktischer Visualisierung berichtet. Doch gerade hier bietet die Methode enormes Potenzial. Studien zeigen, dass Visualisierungen bei kognitiven Aufgaben helfen und dies im Ergebnis zu Leistungssteigerungen führen kann. Arbeitet ein Sportpsychologe also mit Athleten und einem Trainerteam eng zusammen, können gerade diese taktischen Inhalte, die auf höchstem Level über Sieg oder Niederlage entscheiden, über Visualisierung mental trainiert werden.

Aber auch jeder einzelne Sportler hat die Möglichkeit, für sich die Taktiken mental zu trainieren. Nachfolgend habe ich eine vereinfachte Anleitung zum mentalen Taktiktraining erarbeitet:

  1. Die Handlungsschritte in Stichworte fassen.
  2. Die Stichworte lesen und einzelne Handlungsschritte bei geschlossenen Augen vorstellen. Evtl. Korrektur der Stichworte.
  3. Mehrmaliges Lesen des Ablaufplans bis er ohne Lesen wiedergegeben werden kann.
  4. Bei geschlossenen Augen wird der Ablaufplan visualisiert.
  5. Einzelne „Schlüsselszenen“ werden mit möglichst vielen Sinneseindrücken verknüpft.

Je lebhafter und anschaulicher, desto besser

Von diesem Ablaufplan können mehrere Versionen entstehen, wenn man die Reaktion auf alle möglichen Handlungen des Gegners üben will. Umso lebhafter und anschaulicher die Spieler visualisieren, desto einfacher wird es, die taktischen Maßnahmen im Spiel auch abzurufen. Wenn sogar die direkten Gegenspieler bekannt sind, kann man sich diese genau vorstellen und die eigene Handlung an ihre Bewegungsmuster anpassen. Ein Spieler erlangt somit den Vorteil, dass er das Spiel quasi schon vorher gesehen hat und früher als sein Gegner im Wettkampf reagieren kann.

Praxistipp: Gerade bei komplexen Spielszenen sollte die Vorstellung im mentalen Training häufiger variiert werden, um auf möglichst viele unterschiedliche Abläufe vorbereitet zu sein.

2 Kommentare

  1. Nach meiner Meinung ein sehr interessanter Artikel der für alle Sportarten zurifft.

    Denn Alle wissen, dass der Sieg im Kopf stattfindet, aber die wenigsten Trainer, Sportler und Coaches setzen die „mentale Waffe“ wirklich professionell ein.

    Mit mentalen Grüßen

    Erwin Häcker
    Ihr Trainingslagercoach

  2. Schön, Herr Gretz dass Sie das noch mal in 5 Schritten konkretisiert haben, das erleichtert die praktische Durchführung.

    Was Sie noch ausprobieren könnten: anschließend mit den Spielern einzeln erarbeiten, welche Potentiale sie bisher in den spezifischen Spielsituationen die im Video gezeigt werden erfolgreich in früheren Spielen anwenden konnten.

    Viele Grüße
    Simone Mones
    Business Psychology

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