Marc Hilbrans: Über Nacht zum ersten Job am Teampsychologe

Stadthalle Zwickau, im April 2026. Auf der Tribüne sitzt Marc Hilbrans und verfolgt die Halbfinal-Partien des Floorball Deutschland Pokals. Der Masterabsolvent des Studienganges “Angewandte Sportpsychologie” der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg ist Besucher des Final4, weil sich in der Randsportart Floorball eine Menge tut. Weil hier auch für junge SportpsychologInnen Job-Aussichten bestehen. Insbesondere seitdem Prof. Dr. Oliver Stoll, Erfinder des Master-Studienganges und Mitgründer von Die Sportpsychologen, als Verbandssportpsychologe von Floorball Deutschland aktiv ist, findet die professionelle Arbeit am Mentalen immer mehr Zugang in die Trainingsarbeit bei Vereinen und den Nationalmannschaften. 

Marc Hilbrans hat in Zwickau Glück: Die U15 Landesauswahl von Floorball Sachsen, die zwei internationale Testspiele im Rahmenprogramm des Final4 bestreitet, hat Bedarf. Nach einem kurzen Gespräch zwischen den Trainern der Landesauswahl und ihm, welches über das Netzwerk Die Sportpsychologen zu Stande kam, wird Hilbrans Sportpsychologe der Landesauswahl. “Nur” eine – vorerst – ehrenamtliche Aufgabe, aber der erste Schritt auf seinem Weg, im Floorball als Sportpsychologe auch beruflich Fuß zu fassen.

Marc, du wurdest quasi über Nacht zum Sportpsychologen der U15 Landesauswahl Sachsen. Was hast du seither in dieser Rolle erlebt?

Über Nacht trifft es sogar sehr gut. Was habe ich seither in meiner Rolle als Sportpsychologe erlebt? Eine ganze Menge, würde ich sagen. Angefangen bei den Herausforderungen im Bereich des Teambuildings, da wir zu Beginn eher viele einzelne Gruppen mit Spielern mehrerer Vereine als ein gemeinsamer Landeskader waren. Natürlich gab es auch Schwierigkeiten zwischen Trainern und Athleten, bei denen ich unterstützend tätig sein konnte. Hinzu kamen verletzte Spieler, welche ich im Rahmen ihrer Rehabilitation sportpsychologisch begleiten durfte. Auch die Kommunikation, sowohl innerhalb des Teams als auch nach außen hin, spielte immer wieder eine wichtige Rolle und brachte einige Herausforderungen mit sich.

Neben den Herausforderungen gab es aber auch viele schöne Momente und Erfolge, wie beispielsweise den dritten Platz bei der Trophy, auf den wir gemeinsam sehr stolz sein können. Insgesamt war es eine wundervolle Zeit mit einem wundervollen Team, in der ich nicht nur viele besondere Momente erleben durfte, sondern auch eine riesige Menge an Erfahrungen sammeln konnte, für die ich sehr dankbar bin.

Wie geht der Weg für dich im Floorball weiter? Gibt es schon konkrete Ansätze, was sind deine Ziele als Sportpsychologe im Floorball?

Die erste Kampagne, die ich begleiten durfte, ist ja nun erfolgreich zu Ende gegangen, und wir haben mit dem gesamten Staff ein Meeting gemacht, wo wir die ganze Saison einmal reflektiert haben. Dort ging es natürlich auch um meine Arbeit, welche von den Trainern sowie von den Spielern als sehr positiv wahrgenommen und als sehr hilfreich aufgefasst wurde. Natürlich spricht man dort auch über die kommende Saison, welche ich weiterhin als Sportpsychologe begleiten darf, und das sogar nicht mehr nur als ehrenamtliche Tätigkeit. Diese Entscheidung macht mich sehr glücklich und zeigt mir, dass meine Arbeit sehr wichtig ist und auch gut aufgenommen und anerkannt wird. Ansonsten gibt es gerade Gespräche mit einem Verein sowie mit den Nationalkadern von Floorball Deutschland, die in Zukunft sportpsychologisch betreut werden. Da steckt ja wiederum das Netzwerk „Die Sportpsychologen“ dahinter, welches ich jedem Sportpsychologen* empfehlen würde.

Meine Ziele als Sportpsychologe im Floorball sind es, gerade im Jugendbereich eine optimale sportpsychologische Unterstützung zu schaffen. Ich denke, es macht gerade in den Nachwuchsteams, und da meines Erachtens sogar schon relativ früh Sinn, die Kinder zu unterstützen. Denn in jungen Jahren passiert sportlich sowie Entwicklungstechnisch sehr, sehr viel. Die Kinder können somit sehr viel Profit aus meiner Arbeit ziehen, was ihnen nicht nur sportlich hilft, sondern auch für ihr gesamtes Leben eine Bereicherung ist. Aber selbst wenn sie einfach mal nur jemanden brauchen, mit dem sie quatschen können, bin ich froh, einfach für sie da zu sein.

Welche eigenen sportlichen Erfahrungen bringst du mit? Und wie willst und kannst du diese nutzen, um Sportler, Sportlerinnen, TrainerInnen, Funktionäre sowie Eltern in allen möglichen Sportarten zu begleiten und zu unterstützen?  

Ich habe im Laufe meines Lebens die Möglichkeit gehabt, viele verschiedene Sportarten zu machen. Ich habe diese einmal gezählt und komme auf über 30 Sportarten, die ich über eine gewisse Zeit gemacht oder sogar auf Leitungsebene betrieben habe. Also von Klassikern wie Fußball über Natursportarten wie Windsurfen oder Klettern bis hin zu eher exotischen Sportarten wie Radball oder Voltigieren war alles mit dabei.

Ich finde es generell sehr wichtig, auch mal links und rechts zu schauen und sich nicht auf eine Sache komplett zu versteifen. Vielleicht findet man ja etwas Besseres oder etwas Neues, was einem gut tut, sei es als Ergänzung oder als Alternative.

Ich konnte in all den Sportarten immer etwas mitnehmen, was beispielsweise die verschiedenen Anforderungen angeht oder indem ich mir die jeweiligen Systeme genauer anschauen konnte. Aber auch durch die verschiedenen Sportarten konnte ich einige Überschneidungen erkennen, die sich zwischen den Sportarten ergeben und die man auf den ersten Blick vielleicht gar nicht so wahrnimmt.

Ich denke, gerade weil ich so viele Erfahrungen sammeln durfte und konnte und dadurch auch den Übertrag von der einen Sportart in die andere kenne, kann ich die positiven Dinge und Abläufe mitnehmen und natürlich auch weitergeben, was den Sportler*innen, Trainer*innen, Funktionär*innen sowie den Eltern zugutekommen und wodurch ich Sie optimal unterstützen kann.

Auch weiterhin werde ich versuchen, meine Augen und Ohren offen zu halten, mir möglichst alles anzuschauen und mir von jedem einmal seine Sichtweise anzuhören. Dadurch hoffe ich, weiterhin eine Menge lernen zu können, wovon am Ende wieder alle profitieren können, weil ich dieses Wissen sehr gerne weitergeben möchte.

Zum Profil von Marc Hilbrans:

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Mathias Liebing
Mathias Liebinghttps://www.torial.com/mathias.liebing
Redaktionsleiter bei Die Sportpsychologen und freier Journalist Leipzig Deutschland +49 (0)170 9615287 E-Mail-Anfrage an m.liebing@die-sportpsychologen.de