Philippe Müller: Noch kein Weihnachtsgeschenk?

Warum nicht ein Buch über Sportpsychologie? Jede Sportlerin und jeder Sportler weiß, dass mentale Stärke eine wichtige Komponente ist. Doch fehlt vielen eine Vorstellung, was die Sportpsychologie überhaupt ist. Ein guter Einstieg, sozusagen die Erwärmung, bieten Bücher. Diese versuchen die Materie für jeden Einzelnen verständlich und anschaulich darzustellen.

Zum Thema: Worauf sollte beim Kauf eines sportpsychologischen Buches geachtet werden?

Das Angebot an sportpsychologischen Büchern ist groß. Sucht man beispielsweise via «amazon.de» mit dem Suchbegriff «Sportpsychologie» nach Büchern, werden 3311 Treffer verzeichnet (Stand 22.12.14). Bezieht man den englischsprachigen Raum mit ein, ist das Sortiment kaum mehr zu überblicken. Von allgemeinen Ratgebern über sportartspezifische Lektüre bis hin zu Lehrbüchern findet sich auf dem Büchermarkt alles. Doch wie finde ich das Richtige für mich?

Zwei Typen von Büchern

Der Vermerk soll zu Beginn gestattet sein, dass dieser Artikel weder Anspruch auf Vollständigkeit nimmt, noch eine Rezession der ausgewählten Bücher darstellen soll. Das Ziel ist es, etwas Licht ins Dunkel zu bringen sowie die Unterschiede aufzuzeigen, damit jede/r, eine für ihn/sie passende Entscheidung treffen kann.
Im Folgenden werden also zwei Arten von Büchern, Lehrbücher und Ratgeber, miteinander verglichen. Um das Ganze plastischer zu gestalten und mit Beispielen zu untermauern, wird aus jeder Sparte auf ein Buch zurückgegriffen.

Ein Lehrbuch
«Alfermann & Stoll (2010).Sportpsychologie. Ein Lehrbuch in 12 Lektionen. Aachen: Meyer & Meyer Verlag»
Lehrbücher verfolgen das primäre Ziel, Wissen zu vermitteln. Dies klingt sehr banal, ist jedoch einer der wichtigsten Unterschiede. Dieser Tatsache geschuldet, greift das Geschriebene auf wissenschaftlich fundierte Daten zurück. Sowohl Praxisbezug als auch Verständlichkeit bleiben deshalb manchmal auf der Strecke. Die Abbildungen und Tabellen geben Modelle wieder, welche in der Forschung entwickelt und geprüft wurden. Diese sind meist schwer zu verstehen und beinhalten statistische Kennzahlen. Mit genügendem Hintergrundwissen, lassen sich aus den Lehrbüchern aber Nützliches für die Praxis ableiten. Hin und wieder werden auch konkrete Tipps für die Praxis aufgeführt. So zum Beispiel findet der/die Leser/in, im ausgewählten Lehrbuch, nützliche Tricks zur Selbstmotivation oder auch eine Anleitung zum Autogenen Training.

Größter Vorteil der Lehrbücher: Sie beziehen sich auf evidenzbasierte Daten. Die Themen werden ausführlich beschrieben und auch kritisch diskutiert. Wenn man sich mit der Materie intensiv auseinandersetzt, lassen sich wertvolle Informationen für die Praxis generieren. Werden konkrete Durchführungshinweise gegeben, können diese mit gutem Wissen durchgeführt werden.

Größter Nachteil der Lehrbücher: Es sind wenig Übungen vorhanden. Um das meiste umsetzen zu können, müssen aus den Informationen Schlussfolgerungen gezogen werden und diese selbständig, für die Praxis tauglich, umgeformt werden. Durch die vielen Fachausdrücke und statistischen Kennzahlen leidet teilweise die Verständlichkeit.

Ein Ratgeber

«Loehr (2003). Die Neue Mentale Stärke. München: BLV Verlagsgesellschaft»

Auf dem Markt sind unzählige Ratgeber erhältlich. Die erste Schwierigkeit besteht bereits darin, ein seriösen von einem weniger seriösen zu unterscheiden. Die Ratgeber versuchen möglichst viele Techniken, in einer einfachen und verständlichen Sprache, zu vermitteln. Als Hilfe werden Tabellen und Fragen zum Ausfüllen angeboten. Im ausgewählten Buch gibt es zum Beispiel eine Checkliste zum Erstellen eines individuellen Trainingsplans oder auch vier Schritte zur Erweiterung der eigenen Bewusstheit. Für die Erläuterungen wird auf die Alltagssprache zurückgegriffen.

Größter Vorteil der Ratgeber: Durch die interaktive Gestaltung kann das Interesse stets aufrecht gehalten werden. Es bietet zudem die Möglichkeit, direkt etwas auszuprobieren und ein Gefühl für die Sportpsychologie zu bekommen. Die Anwendung wird durch bereitgestellte Tabellen und Arbeitsblätter erleichtert. Die Übungsunterlagen müssen somit meist nicht selber erstellt werden.

Größter Nachteil der Ratgeber: Wissen über spezifische Themen werden nur sehr spärlich vermittelt. Die Themen werden eher oberflächlich abgehandelt. Eine kritische Auseinandersetzung mit der Materie bleibt somit aus. Beim Versuch, die Themen sehr verständlich und vereinfacht zu vermitteln, gehen viele Informationen verloren. Auf welcher Grundlage das Beschriebene und die Übungen basieren, bleibt im Dunkeln. Man weiß somit nie, ob die beschriebenen Techniken, wissenschaftlich fundiert sind.

Wofür soll ich mich nun entscheiden?

Je nach Vorliebe empfiehlt es sich, sich für das Eine oder das Andere zu entscheiden. Für Personen, die etwas Neues durch praktische Anwendung erfahren möchten, sind Ratgeber die bessere Wahl. Jene, die sich von der Theorie überzeugen müssen, greifen bevorzugt auf ein Lehrbuch  zurück.

Wo sind die Grenzen eines Buches?

Bücher sind gut geeignet, um einen Einblick in das Gebiet der Sportpsychologie zu erlangen. Interessierende Themen können selbständig vertieft werden. Doch an einem bestimmten Punkt gelangen auch Bücher an ihre Grenzen. Ohne psychologische Vorkenntnisse sind viele Themen schwer verständlich. Zudem ist die Umsetzung des Geschriebenen in die Praxis nicht ganz einfach. Rückfragen bei Schwierigkeiten sind ebenfalls nicht möglich. Auch die Kontrolle des Geübten und Rückmeldungen des Lernerfolges werden durch Bücher nicht gewährleistet. Es empfiehlt sich somit für Interessierte, für intensivere und zielgerichtete Arbeit, mit einem Sportpsychologen zusammenzuarbeiten.

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