Katharina Petereit: Wettkampf vorbei – und nun?

Sowohl die Leichtathletik- als auch die Schwimm-EM sind nun vorbei. Die Leichtathleten konnten insgesamt sieben und die DSV-Athleten 22 Medaillen verzeichnen. In beiden Verbänden sind Sportpsychologen tätig, welche bereits mit einzelnen Athleten arbeiten. Die Sportpsychologie hat sich hier mittlerweile etabliert und wird aktiv in der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung genutzt. Doch vor allem die Nachbereitung von Wettkämpfen ist ein wesentlicher Aspekt in der sportpsychologischen Arbeit. Für viele Leichtathleten, die nicht bei den großen Meetings starten oder gestartet sind, war die Europameisterschaft der Saisonhöhepunkt. Auf diesen wurde lange hintrainiert, doch was folgt nach dem Wettkampf?

Zum Thema: Die Bedeutung der sportpsychologischen Nachbereitung

Die Wettkampfvorbereitung beinhaltet neben dem physischen Training unter anderem das Herausarbeiten von Zielen und Maßnahmen zur Erreichung dieser. Im Wettkampf geht es dann darum, die beste Leistung auf den Punkt abzurufen und das gesetzte Ziel zu erreichen. Einige Athleten sind erfolgreich, einige nicht. Es gibt Gewinner und Verlierer. Die gesetzten Ziele werden eben erreicht oder nicht. In beiden Fällen muss eine sportpsychologische Nachbereitung stattfinden. Hier ist es wichtig, im Anschluss an den Wettkampf nach der Gefühlslage, Schwierigkeiten oder gar Ängsten zu fragen und mit dem Sportler die Gründe für den Erfolg oder Misserfolg herauszustellen, um daraufhin geeignete sportpsychologische Interventionen zu erarbeiten.

Ursachenzuschreibung

Die Gründe für den Erfolg oder Misserfolg sollte der Athlet mit dem Trainer und einem Sportpsychologen besprechen und auswerten. Hier geht es darum, dass die Ursachenzuschreibung funktional erfolgt. Das heißt, dass der Sportler einen Erfolg mit stabilen und internalen Faktoren wie „Fähigkeit“ und „Anstrengung“ begründen sollte. Gründe für einen Misserfolg sollte er instabilen und externalen Ursachen wie „starker Gegner“ oder „Wetterbedingungen“ zuschreiben. Hierbei sollten die Gründe ohne Frage realistisch bleiben. Die Auswirkungen der funktionalen Ursachenzuschreibung äußern sich dadurch, dass die Erfolgserwartung steigt, positive Emotionen überwiegen und negative Gefühle wie Scham sinken. Zudem können Athleten mithilfe einer Wettkampfnachbereitung besser mit ihrem Ergebnis umgehen, es in ihre Karriere einordnen und offiziell mit dem vergangenen Wettkampf abschließen.

Nachbereitung = Vorbereitung

Eine Nachbereitung ist Voraussetzung für die nächste Trainings- und Vorbereitungsphase. Es können Situationen im Wettkampf auftreten, die den Athleten extrem unter Druck setzen, wie beispielsweise der Messfehler bei der Weitspringerin Melanie Bauschke, der Wechselfehler bei der Sprint-Staffel der Frauen über 4×100 m oder auch eine langsame Zeit der Startschwimmerin Jenny Mensing bei der 4×100-m-Lagenstaffel. Solche Ereignisse sollten detailliert besprochen und ausgewertet werden. Mithilfe von Videoanalysen können bestimmte Situationen veranschaulicht und reflektiert werden. Die Erfahrungen und Emotionen fließen zwar automatisch in die nächsten Trainingseinheiten mit ein, sollten aber dennoch gründlich besprochen und funktional genutzt werden.

Eine Auseinandersetzung mit Erfolg und Misserfolg motiviert den Athleten, gibt ihm Selbstvertrauen und führt dazu, dass er lernt, sich auch auf unkontrollierbare Bedingungen einzustellen. Zudem sollten die gesetzten Ziele mit den Ergebnissen abgeglichen werden, so dass diese gegebenenfalls abgehakt, verändert oder neu definiert werden können.

Eine solche Nachbereitung sollten nun auch die Leichtathleten und DSV-Athleten in Angriff nehmen, um auf Basis dieser in eine optimale Vorbereitung zu starten.

 

Weiterführende Literatur:

Loosch, E. (1997). Psychologische Aspekte der Zweikampfsportarten. In: Mosebach, U. (Hrsg.): Judo – Wurf und Fall. Beiträge zur Theorie und Praxis der Kampfsportart Judo. 76-90.

Stoll, O. & Alfermann, D. (2010). Sportpsychologie. Ein Lehrbuch in 12 Lektionen. Aachen: Meyer & Meyer Verlag.

 

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