Reingeschaut… mit Robin Köhler

Robin Köhler hat bei “Die rote Couch – Das Sportpsychologie-Barcamp” im Juni 2018 in Bochum auf sich aufmerksam gemacht. Der Student der Universität Paderborn, der selbst Handball auf Leistungssportniveau gespielt hat, war bei unserem Event trotz seines junges Alters einer der aktivsten Teilnehmer. Entstanden ist damals eine Idee, dass Profilinhaber, Freunde und Gäste des Netzwerks ausgewählte Bücher empfehlen.

Zum Thema: Buchrezensionen von Robin Köhler

Die von mir ausgewählten Bücher verfolgen unterschiedliche Ansätze. Während „Der Pfad des friedvollen Kriegers“ von Dan Millman eine geschichtliche Erzählung ist und den interessierten Leser sicherlich schnell in seinen Bann ziehen wird, kann „The Champions Mind – How Great Athletes Think, Train and Thrive“ von Jim Afremow und „Sportpsychologie im Nachwuchsfußball“ von Jan Mayer und Hans-Dieter Hermann eher fachlich und mit vielen praktischen Beispielen punkten. Dabei strotzt gerade Afremow’s Buch nur so vor Geschichten um beziehungsweise mit Spitzensportlern und seiner sportpsychologischen Arbeit. Wie auch immer – alle Bücher kann ich herzenswarm empfehlen.

Dan Millman: Der Plan des friedvollen Kriegers

Dan Millman’s „Der Pfad des friedvollen Kriegers“ ist ein autobiographisch geschriebenes Buch. Als junger Turner, der an seiner Uni als zukünftige Olympiahoffnung gilt, dreht sich für die Hauptperson alles um Erfolg: Seien es Medaillen, Frauen oder Alkohol. Alles ist ausgerichtet auf Anerkennung. Es ist ein Leben, in dem es an nichts zu fehlen scheint. Eines Nachts macht er die Begegnung mit „Sokrates“. Dieser Mann wird für Millman eine Art Mentor der besonderen Art und er nimmt ihn mit ungewöhnlichen Methoden, die unter anderem an das asiatische Mönchtum erinnern, unter seine Fittiche. Häufig zweifelt Millman an der Wirksamkeit dieser Beziehung, nachdem er sich ausschließlich auf den Sport konzentrieren soll und allen Verlockungen aus dem Weg gehen soll. Seinen Höhepunkt findet die Beziehung beider nach einem tragischen Motorradunfall Millman’s, bei dem er sich schwer verletzt und die Ärzte ihm sagen, dass er nie wieder Gehen – geschweige denn Turnen – können würde.

Dank Sokrates gelingt es Millman, sich zurück zu kämpfen und trotz einiger Widrigkeiten tatsächlich bei Olympia zu starten. Ob Sokrates wirklich existiert oder ob es nur eine Art eigenes mentales Training ist, kann jeder Leser nach der Lektüre des Buches selbst entscheiden. Sicher ist nur, dass Sokrates Weisheiten auch in der modernen Sportpsychologie Anwendung finden können. Sokrates‘ wichtigster Ratschlag „The time is now“ kann dazu verhelfen, sportliche Höchstleistungen auf den Punkt zu bringen und mit den alltäglichen Schwierigkeiten umzugehen. Nichtdestotrotz werden in dieser geschichtlichen Erzählung, die gut zu lesen ist, viele weitere interessante Ansätze zu finden sein, die in der Arbeit gerade mit jungen Sportlern zum Erfolg führen können.

Jim Afremow: The Champions Mind – How Great Athletes Think, Train and Thrive

Das Buch „The Champions Mind – How Great Athletes Think, Train and Thrive“ von Jim Afremow, einem Mentaltrainer und Berater, der eine feste Größe im amerikanischen Profisport ist, handelt darüber, wie Leistungssportler ihr volles Potenzial ausschöpfen können. In seinem Buch werden sehr viele unterschiedliche Themen behandelt, von der Macht der eigenen Gedanken über Ernährung und Regeneration bis zum Schlaf. Das Buch selbst ist bisher nur auf Englisch verfügbar, allerdings ist es gut verständlich geschrieben und immer in kurze Abschnitte mit klaren Überschriften eingeteilt. Diese Abschnitte kombinieren Alfremov’s Überzeugungen und sportpsychologische Techniken, die er selbst mit seinen Klienten angewandt hat. Daher hat dieses Buch auch einen hohen praktischen Stellenwert und die meisten Techniken können vom Lesenden sofort auf eigene Klienten übertragen werden.

Am beeindruckendsten für mich war jedoch das achte Kapitel „Golden Reflections“. In diesem Abschnitt schildern ehemalige Klienten, darunter etliche Goldmedaillengewinner bei Olympia, ihre persönliche Sichtweise auf ihren Erfolg und die Arbeit mit sportpsychologischen Methoden. Gerade angehende, aber mit Sicherheit auch erfahrene Sportpsychologen, können hier aus den sehr praxisnahen Erzählungen einiges für ihre zukünftige Arbeit mit Athleten mitnehmen.

Jan Mayer und Hans-Dieter Hermann: Sportpsychologie im Nachwuchsfußball

Das dritte Buch im Bunde, welches ich zum Beispiels als perfekte Urlaubslektüre empfehlen kann, heißt „Sportpsychologie im Nachwuchsfußball“. Geschrieben wurde es von Jan Mayer und Hans Dieter Hermann. Beide werden den sportpsychologieinteressierten Menschen in Deutschland ein Begriff sein, können sie doch getrost durch ihre Arbeit beim DFB und DOSB als wichtige Wegbereiter der Sportpsychologie in Deutschland bezeichnet werden. Auf knapp 100 Seiten werden die jungen Sportler in den Grundlagen-, Aufbau- und Leistungsbereich unterteilt (von F- bis A-Junioren). Als Einführung jedoch werden Inhalte eines sportpsychologischen Trainings erläutert, um gewisse Grundlagen zu legen. Es werden unter anderem Begriffe wie Kompetenzerwartung sowie Aktivierungs- und Emotionsregulierung erläutert. Im weiteren Aufbau des Buches finden sich jede Menge praktischer Übungen, welche zum Teil auch direkt beim nächsten Training umgesetzt werden können und einen hohen auffordernden Charakter aufweisen. Die Schwierigkeit der Übungen ist an das jeweilige Alter der Fußballer angepasst und wirkt leicht verständlich und gut umsetzbar. Auch ist zu beobachten, dass jeder Bereich andere Kernkompetenzen als Ziel hat. So muss ein Kind, welches gerade mit dem Fußball anfängt, anders an die Sportart herangeführt werden, als ein junger Erwachsener, welcher während der Pubertät in einer Art Selbstfindung steckt und vielen anderen Verlockungen den Rücken zudrehen muss, wenn er das Ziel einer erfolgreichen Fußballkarriere verwirklichen möchte.

Im Allgemeinen kann gesagt werden, dass das Buch einen guten ersten Überblick über das Trainieren mentaler Fertigkeiten gibt und Trainer als auch Spieler einige Ratschläge aus diesem ziehen können. Auch wenn das Buch vom Deutschen-Fußball-Bund herausgegeben wurde, kann es auch für andere Sportarten reichlich Handlungsempfehlungen bieten.

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