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Dr. René Paasch: Freie Bahn nur für mental Starke?

Ein aktueller WDR Sport Inside Beitrag “Jungprofis in der Bundesliga: Noch früher ins Rampenlicht” sorgt für Aufsehen. Im Film von Matthias Wolf wird die Regeländerung kritisch beleuchtet, nach der in der Fußball-Bundesliga zukünftig ohne jegliche Einschränkung bereits 16-Jährige Kicker zum Einsatz kommen dürfen. Diese Veränderung hat Borussia Dortmund angestossen. Ein Verein, der zunehmend auf junge internationale Talente setzt. Aber zu welchem Preis? Zu dieser Frage wurde unter anderem Dr. René Paasch von Die Sportpsychologen (zum Profil) befragt. Wir empfehlen an dieser Stelle den Beitrag, der unter anderem auf Sportschau.de oder über die Sportschau-App zur Verfügung steht:

Zum TV-Beitrag: https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/sport-inside/video-jungprofis-in-der-bundesliga-noch-frueher-ins-rampenlicht-100.html

Dr. René Paasch im Interview (Screenshot WDR Sport Inside, Verwendung bewilligt via Medikament-TV)

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Bildquelle: Screenshot WDR Sport Inside, Verwendung bewilligt via Medikament-TV

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“Wir sind nicht da, um etwas besser zu wissen” – Sportpsychologie in Nachwuchsleistungszentren

Die Fußball-Nachwuchsleistungszentren stehen auf dem Prüfstand. Es wird hinterfragt, wie die Talentschmieden in Zukunft inhaltlich ausgebaut werden sollen, nachdem festgestellt wurde, dass das System Schwächen hat. Für die Sportpsychologie eine schwierige Gemengelage, denn schließlich gelten SportpsychologInnen als fester Bestandteil der NLZ`s. Sind also Teil des Systems. Für uns Anlass genug zu fragen, was wir besser machen können. 

Zum Thema: Sportpsychologie in Nachwuchsleistungszentren 

Im Fußball wird viel von Veränderung gesprochen. Wie hat sich aus eurer Erfahrung das Interesse an der Sportpsychologie von Seiten der Nachwuchsspieler und -spielerinnen, TrainerInnnen und Eltern in den vergangenen Jahren verändert?

Antwort von: Kathrin Seufert (zum Profil

Wenn man eine Veränderung bewirken möchte, dann ist es unsere Aufgabe herauszufinden, was die Sportpsychologie noch immer im Hintergrund stehen lässt. Eine große Unwissenheit, die in den Reihen der Verantwortlichen vielerorts immer noch zu finden ist, trägt nicht dazu bei, dass mehr Stellen geschaffen werden und SportpsychogenInnen ihren Platz in den Leistungszentren finden. Der Konflikt zwischen Transparenz und Offenheit sowie der Schweigepflicht lässt diese Unsicherheit aber nun einmal nicht weniger werden. Daher ist es meiner Meinung nach unsere Aufgabe, zu erläutern was Sportpsychologie ist, wie sie unterstützen kann und was unsere Rahmen sind. Das wird von vielen meiner KollegenInnen schon tagtäglich hervorragend gemacht, nur erreicht es noch immer nicht alle Stellen und das muss eruiert werden, was da noch fehlt.

Desweiteren sehe ich es als meine Aufgabe, das Interesse an der Zusammenarbeit zu wecken. Ich bin die Expertin, die mit einer Idee, einem Feedback oder einem Beispiel die Möglichkeiten darlegen kann und dann dem Sportler/der Sportlerin den Raum gebe, für sich zu entscheiden, ob das gewünscht ist oder nicht. Dabei ist es elementar, dies so individuell wie möglich zu gestalten, um die SportlerInnen in der Entscheidung und der Reflexion mit der Veränderungsmotivation zu erreichen.

Aus eurer Erfahrung: Welchen Stellenwert hat oder hatte eure Arbeit im Fußball, speziell an Nachwuchsleistungszentren? 

Antwort von: Janosch Daul (zum Profil):

Dies ist eine Frage, die jede Kollegin und Kollege selbstverständlich nur für sich selbst beantworten kann. Für mich sprechend kann ich sagen, dass meiner Wahrnehmung nach der Stellenwert meiner Arbeit schrittweise steigt. Dies mache ich zum einen daran fest, dass immer mehr Trainer und Spieler eigeninitiativ mit einem zumeist sehr konkreten Anliegen auf mich zukommen, woraus ich interpretiere, dass der Mehrwert in einer Zusammenarbeit immer mehr erkannt wird. Zum anderen mache ich immer mehr die Erfahrung, dass viele Trainer zum einen proaktiv und sehr regelmäßig das Gespräch mit mir suchen und zum anderen auch bereit sind, mir Sportpsychologen zur Umsetzung entsprechender Maßnahmen regelmäßig Trainingszeit zur Verfügung zu stellen.

Außerdem definiere ich mit meinem Vorgesetzten zu Saisonbeginn zwar stets konkrete schwerpunktmäßige Aufgabenbereiche, bin in der inhaltlichen und methodischen Ausgestaltung einzelner sportpsychologischer Dienstleistungen allerdings völlig frei. Dennoch braucht es meiner Meinung nach eine noch größere Eingebundenheit ins große Ganze und vor allem noch mehr Kolleginnen und Kollegen, die mich im Verein dabei unterstützen, den Stellenwert der Sportpsychologie weiter auszubauen. Die Anstellung weiterer Kolleginnen und Kollegen wäre für mich zudem der beste Beweis, dass der Stellenwert der Sportpsychologie tatsächlich bereits gestiegen ist.

Welche Fehler machen wir als SportpsychologInnen im System? 

Antwort von: Anke Precht (zum Profil): 

Wir sollten klarer sagen, was wir alles können. Denn das, was erwartet wird, sowohl von den Vereinen und Verbänden, ist nur ein Teilbereich dessen, was wir anzubieten in der Lage sind: Unterstützung beim Teambuilding und in der Kommunikation im Verein, Unterstützung der SpielerInnen beim Erlernen von Möglichkeiten zur Regeneration, Stressregulation und zum Abrufen von Hochleistungszuständen. Lösen von Blockaden im Kopf und das Verändern von blockierenden Emotionen sowie von mentalen Trainingshemmnissen – darüber hinaus das Verarbeiten von belastenden Erfahrungen (derer gibt es viele im Sport und in den Vereinen, manchmal auch in den Vorgängervereinen), teilweise das Verarbeiten von Traumata, zum Beispiel nach schweren Verletzungen und medizinischen Eingriffen, das Fördern von Motivation und Zielfokussierung, und nicht zuletzt der Blick auf die psychische Gesundheit. Das ist eine Menge, und ich denke, wir müssen noch viel Aufklärungsarbeit machen. 

Zweitens müssen wir uns damit zurückhalten, als Besserwissen in den Verein zu kommen. Wenn wir die “Erklärpsychologen” sind, die allen sagen, warum dieses und jenes nicht klappt oder eben doch und wer was wie machen soll, bekommen wir kein Vertrauen. Wir sind nicht da, um etwas besser zu wissen – sondern, um etwas zu machen, das allen zugute kommt. Gerade wir Sportpsychologen brauchen in den Vereinen also ein hervorragendes Fingerspitzengefühl für das Zwischenmenschliche und müssen dafür sorgen, dass auch unsere Beziehungen zu den anderen Akteuren von Vertrauen und gegenseitiger Unterstützung und Stärkung geprägt sind. 

Genügt die Ausbildung, wie ihr sie erlebt habt oder von Kollegen und Kolleginnen kennt, aus, um eure Aufgaben im Nachwuchs-Profi-Fußball mit einem hohen Qualitäts- und Ethikanspruch zu erfüllen?

Antwort von: Janosch Daul (zum Profil):

Wie zahlreiche meiner geschätzten sportpsychologischen Kolleginnen und Kollegen habe ich den Masterstudiengang Angewandte Sportpsychologie in Halle absolviert. Meiner Meinung nach stellt dieser, wie mit Sicherheit auch das asp-Curriculum, eine sehr gute Grundlage dar, um qualitativ hochwertig im Nachwuchsfußball arbeiten zu können. Eine Grundlage, auf der aber mehrdimensional unbedingt aufgebaut werden muss. 

Inter- und Supervisionen mit geschätzten Kolleginnen und Kollegen unterstützen u.a. dabei, den Horizont zu erweitern und neue, ungewohnte Perspektiven einzunehmen. Fort- und Weiterbildungen sowie ein systematisches Literaturstudium ermöglichen u.a. einen Zugewinn an Methoden und Techniken, die in der Beratungspraxis angewandt werden können und somit das eigene Handlungsrepertoire erweitern. Schlichtweg unentbehrlich sind meiner Meinung nach möglichst zahlreiche und vielfältige – positive wie negative – Erfahrungen in der (Fußball-)Praxis inklusive eines sorgfältigen Reflektierens der eigenen Beratungspraxis. Insbesondere als positiv wahrgenommen Erfahrungen lassen die auch für den Sportpsychologen so wichtige Selbstwirksamkeit steigen, geben Sicherheit und führen zu einer gewissen Gelassenheit.

Inwiefern man einem gewissen ethischen Anspruch, den man meiner Erfahrung nach im System NLZ vor allem an sich selbst stellt und nicht durch System-Interne aufdiktiert bekommt, erfüllt, ist aus meiner Sicht eher eine Frage der eigenen Grundhaltung, des Menschenbilds und tatsächlich gelebter Werte als Sportpsychologe als eine Frage der Ausbildung.

Wenn ihr träumen dürftet, wie würdet ihr das System Nachwuchsfußball verändern, um den Menschen im System, als Spieler- und SpielerInnen, TrainerInnen aber auch den Leuten im Staff besser gerecht zu werden?

Antwort von: Prof. Dr. Oliver Stoll (zum Profil):

Um es ganz kurz zu machen: Eine Zusammenarbeit aller Beteiligten im Staff auf Augenhöhe mit (regelmäßigen) wertschätzenden Diskussionen zu den anstehenden Aufgaben, die über einen ehrlichen Austausch zum Konsens führen. 

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Prof. Dr. Oliver Stoll: Beziehungsaufbau im Erstgespräch

Zurzeit habe ich wieder mehr Zulauf in meiner Praxis in der Leipziger Jahnallee. Also, verglichen mit den vergangenen 15 Monaten, in denen die Beratungs- und Trainingsgespräche mehr oder weniger in digitaler Form liefen. Die Athletinnen und Athleten, mittlerweile auch weitestgehend durch Impfungen immunisiert, trauen sich wieder „unter Menschen“, auch jenseits des Trainings- und Wettkampfgeländes. Diese Tatsache habe ich also zum Anlass genommen, um einen kleinen Blog-Beitrag zum Beziehungsaufbau von Sportpsycholog*in und Athlet*in zu schreiben, auch um hier für mehr Transparenz in der Öffentlichkeit zu sorgen. Nicht wenige SportlerInnen und TrainerInnen wissen manchmal nämlich nicht, was sie in einer solchen Situation erwartet.

Zum Thema: Werkzeuge für den Beziehungsaufbau 

Keine Frage: Eine professionelle Beziehung zwischen Athlet und Sportpsychologe ist immer ein sehr diskretes Verhältnis. In solchen Beratungs- und Betreuungsgesprächen werden oftmals Aspekte thematisiert, die ein Athlet eher selten mit einem Trainer besprechen würde, insbesondere dann, wenn es um eine mutmaßliche „Schwäche“ geht, denn das könnte ja evtl. bedeuten, dass man „nicht aufgestellt wird“ oder „kurzfristig aus der Mannschaft fliegt“. Auch wenn ein solches Denken mittlerweile eigentlich nicht mehr zeitgemäß ist, so ist dies mitunter, meiner Erfahrung nach, doch noch weit verbreitet. 

Ein Erstgespräch in einer sportpsychologischen Praxis dient in erster Linie dem Beziehungsaufbau. Erst nach einem solchen Gespräch wird in der Regel entschieden, ob es zu einer Zusammenarbeit kommt oder nicht. Man schaut, „ob die Chemie stimmt“. Und in diesem Zusammenhang kann man viel richtig, aber eben auch viel falsch machen. Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich meinen Kolleginnen und Kollegen also folgende Hinweise mitgeben, die in der Regel auch zu einem positiven Beziehungsaufbau führen. Zu Beginn stehen immer die Hinweise, die uns Carl Rogers schon in den 1970er Jahren gelehrt hat und die zu den positiven Verhaltensweisen eines Therapeuten, Beraters oder Trainers gehören sollten:  

  1. Akzeptanz! Akzeptieren Sie den Athleten, so wie er ist und so wie er sich Ihnen gegenüber gibt. Vermeiden Sie zu „Urteilen“, lassen Sie den Athleten zunächst frei sprechen; Unterbrechen Sie nicht – nur wenn Sie etwas nicht verstanden haben und vergewissern Sie sich, dass Sie alles richtig verstanden haben. Das führt und zu Punkt zwei.
  2. Kongruenz! Zirkuläres Fragen sowie das konkrete Nachfragen, wenn man zu einem wichtigen Punkt kommt, hilft Vertrauen zu schaffen. Vergewissern Sie sich immer, ob Sie alles richtig verstanden haben. Fragen Sie nach, wenn Ihnen Wissen fehlt, um zum Beispiel eine bestimmte Situation korrekt einschätzen zu können. Fragen stört nicht, sondern zeigt Interesse.
  3. Empathie! Versuchen Sie sich, in den Klienten einzufühlen. Zeigen Sie Verständnis für negative, wie für positive Emotionen. Auch hier hilft immer wieder „im Gespräch zu bleiben“. So werden Sie zu einem Gefährten im Geiste des Klienten. Empathisches Zuhören ist m.E. das mächtigste Werkzeug, das wir für eine positive Beziehungsgestaltung, zur Verfügung haben.    

Verhalten, Technik und Materialien

Neben diesen Grundverhaltensweisen gelten aber auch die ganz „klassischen Verhaltenskriterien“. Dokumentieren Sie, was Sie tun. Und holen Sie sich natürlich dafür vorher die Erlaubnis ein. Gleiches gilt für Audio- und Videoaufnahmen. Für all diese eher formalen Aspekte gibt es gut schon vorbereitete Materialien. Es ist ganz egal, ob Sie dies handschriftlich tun, oder die Sitzung per Audio aufnehmen. Hauptsache ist, dass Sie wissen, was gesagt und getan wurde und was der Plan für die nächste Sitzung ist. Und abschließend: Bleiben Sie authentisch und ehrlich. Verstellen Sie sich nicht. Schauspielerei fällt in aller Regel auf. Und besonders wichtig: Versprechen Sie nie, was Sie nicht halten können („Wenn Du mit zusammenarbeitest, gewinnst Du eine olympische Medaille“) bzw. was ggf. unrealistisch ist („Ich bringe Dir in einer Woche bei, wie man mit Versagensdruck umgeht“).

Ein humanistisches Menschenbild

Das alles sind eigentlich ganz einfache Tipps, die man auch leicht beherzigen kann. Gut – die o.g. drei Grundhaltungen sind eben, dass was der Begriff auch meint: GRUNDHALTUNGEN. Diese hat man oder eben nicht. Man kann so etwas nur mit Mühe „erlernen“, wenn man nicht wirklich davon überzeugt ist. Und es ist ein Zeichen eines humanistischen Menschenbildes. Nichts hat die moderne Sportpsychologie wohl aktuell nötiger als das!      

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Dr. Hanspeter Gubelmann: Wenn der Olympia-Blues zuschlägt – ein Phänomen, das alle Olympia-Teilnehmer*innen betrifft!

Vergangene Woche schockte eine Mitteilung zum aktuellen Gesundheitszustand von Nina Christen die helvetische Sportöffentlichkeit. Die Schweizer Goldmedaillen-Gewinnerin von Tokio leidet an einer «post-olympischen Depression» und bestreitet bis auf Weiteres keine Wettkämpfe mehr. Handelt es sich beim Shooting-Star des Schiesssports um einen Einzelfall? Gestützt auf wissenschaftliche Erkenntnisse zum Verarbeiten von Erfolg und Höchstleistungen lässt sich am Beispiel des Olympia-Blues zeigen, welche Vorkehrungen und Massnahmen einem emotionalen Grounding entgegenwirken helfen.

Zum Thema: Psychische Gesundheit und Gesunderhaltung im Leistungssport 

Es sind Bilder, wie sie wohl nur der Sport produzieren kann: Da die überglückliche, freudenstrahlend jubelnde und gleichzeitig in Tränen aufgelöste Siegerin – dort der bitterlich weinende, zu Tode betrübte und unsäglich mit sich hadernde Verlierer. 

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Olympische Spiele leben von einer unglaublichen Bandbreite emotionaler Eruptionen ihrer Protagonist*innen. Die gewaltige Medialisierung dieses Events führt dazu, dass sich die epischen Höhenflüge und live am TV mitgelittenen Dramen tief in unser Bewusstsein einbrennen. Eine der eindrücklichsten Erfahrungen, die ich hierzu je hautnah miterleben musste, betraf die Tragödie um die Australierin Jane Saville. Die Geherin wurde an ihren Heimspielen in Sydney 2000 im 20km-Rennen nur 200 Meter vor dem Ziel – in Führung liegend – aus dem Rennen genommen. Einige Stunden später war ich im riesigen Mediacenter zugegen, wo die bedauernswerte Athletin von Station zu Station der internationalen Presse gereicht wurde. Immer und immer wieder wurde sie mit der Farce ihrer Disqualifikation konfrontiert, stammelte erst einige Wortbrocken um dann hemmungslos weinend zusammenzubrechen. Dieses Scenario wiederholte sich viele Male, bis zur völligen Erschöpfung der Athletin. In einem ihrer letzten Interviews in Sydney antwortete sie auf die Frage, was sie jetzt brauchen könne, mit: „Eine Waffe, um mich zu erschiessen“. Jahre später meinte sie: „Es war eine schlimme Erfahrung, langfristig gesehen aber eine lehrreiche.“

Es trifft (fast) alle…

Die Olympischen Spiele sind die größte Bühne, auf der sich Athlet*innen messen können. Aber auch die Zeit nach den Olympischen Spielen bedeutet für sie eine besondere Herausforderung, da sie oft vor lebensverändernden Entscheidungen stehen. Athlet*innen, die den Post Olympic Blues (POB) als besonders einschneidend erlebt haben, beschreiben sich als unmotiviert, isoliert und einsam. Aus wissenschaftlicher Sicht drängen sich Fragen nach ursächlichen Gründen und unterschiedlichen Prozessverläufen des POB-Phänomens auf. Howell & Lucassen (2018) untersuchten in ihrer Studie mit britischen Athletinnen, ob es sich bei diesem negativen Affekt um ein „normales“ kurzfristiges Phänomen handle oder es Hinweise auf ernstere und dauerhaftere Auswirkungen gebe. Die Erfahrungen der Athlet*innen in der olympischen und nacholympischen Zeit von Rio 2016 waren durch Hochs rund um die Olympischen Spiele und Tiefs nach ihrer Rückkehr ins Vereinigte Königreich gekennzeichnet. Es gab verschiedene zeitliche Perioden, die für die Betrachtung des “post-olympischen Blues” relevant waren: Die olympische Erfahrung, die Heimkehr und das Vorwärtskommen. Ein viertes Thema, die Berühmtheit (celebrity), umfasste eine ganzheitliche und dynamische Persönlichkeitsentwicklung im Laufe der Zeit. 

Die Studie kommt zum Schluss, dass alle Olympia-Teilnehmer*innen vom „Olympia-Blues“ betroffen seien – wenn auch in sehr unterschiedlicher Art und Weise. Besonders relevant erscheinen dabei zwei Hauptbefunde, wonach alle Befragten ihre Heimkehr von den Spielen (auch) mit negativen Emotionen und Verhaltensweisen beschrieben. Diese negativen Erfahrungen wurden inhaltlich insbesondere mit fehlendem sozialen Support in Verbindung gebracht. Interessant auch: Die Prävalenz von POB war bei Athlet*innen, die mit ihrer Leistung unzufrieden waren, höher als bei jenen, die zufrieden waren. Und: die POB-Prävalenz war bei den Teilnehmer*innen höher, die nach den Olympischen Spielen nicht zurücktraten.

Die Phase nach Olympia will geplant sein!

Auffällig ist, wie wenig Beachtung dem Thema der „post-olympic-phase“ (POP) in der wissenschaftlichen Optik insgesamt geschenkt wird. Bennie et al. (2021) untersuchten in ihrer Studie die Erfahrungen australischer Olympia-Athleten nach Abschluss der Olympischen Spiele 2016 in Rio, einschließlich der Faktoren, die zu ihrem Wohlbefinden während dieser Zeit beigetragen oder dieses beeinträchtigt hatten. Die Autoren streichen die Bedeutsamkeit einer angemessenen Leistungsbeurteilung im Verhältnis zur gesetzten Leistungserwartung heraus. Viele Athleten, die von positiven Erfahrungen während des POP berichteten, hatten zudem im Voraus geplant, was sie während des POP tun wollten. Für diese Athleten schien allein das Vorhandensein eines Plans eine positive Einstellung zu fördern – unabhängig davon, ob sie einen Urlaub planten, in ihr gemütliches Zuhause zurückkehrten und/oder wieder an regulären Sportwettkämpfen teilnahmen. Zentrale Bedeutung in der Gestaltung der nach-olympischen Phase wird schliesslich dem Umfeld und der Verfügbarkeit von psychosozialer und finanzieller Unterstützung (bzw. deren Fehlen) durch Familie, Freunde, Trainer und Sportorganisationen beigemessen. 

Athlet*innen, die sich gestützt auf ein starkes Unterstützungsnetzwerk deutlich besser und stressresistenter bezeichnen, erlebten die POP bedeutend positiver als jene, die durch Umstrukturierungen, Trainerwechsel, Zukunftssorgen oder andere negative Einflüsse im Umfeld handicapiert waren. Aus der in Abbildung 1 dargestellten Übersicht bedeutsamer Themen in der Nach-Olympia-Phase lassen sich folgende anwendungsorientierte Leitideen formulieren: Normalisierung und Anpassung, Stärkung des Wohlbefindens und der psychischen Gesundheit, Umgang mit Enttäuschung und/oder Erfolg, soziale Unterstützung im Umfeld sowie Rückkehr in den vor-olympischen Alltag. 

Abbildung 1: Repräsentation der Themen in der Nach-Olympia-Phase nach Bennie et al. (2021)

Lessons learned in der Funktion eines (Sportpsychologie affinen) Managers

Aus eigener Erfahrung weiss ich, wie schnell sich die Situation und die Perspektive auf die POP an Olympischen Spielen verändern kann. Ende 1998 wurde ich angefragt, als Sportpsychologe im Team der Schweizer Skisprung-Nationalmannschaft mitzuwirken. Im Februar 2002 krönte Simon Ammann seinen mirakulösen Auftritt an den Spielen in Salt Lake City mit seinem ersten Gold-Double. Noch im Olympischen Dorf entschied Simon und das Team, dass zukünftig ich ihn in der Funktion des Managers betreuen sollte. 

Niemand konnte damals ahnen, wie sehr sich sein und mein Leben ab Tag „Salt Lake City +1“ verändern würde. Aus diesen mehrjährigen Erfahrungen und gestützt auf die erörterten sportwissenschaftliche Befunde lassen sich eine Reihe praktischer Anregungen und Hilfestellungen für Personen ableiten, die sich für das Wohl olympischer Athleten in ihrer POP einsetzen möchten. 

  • Stichwort: Langfristige Planung: Tag X+1

Schon in der Vorbereitung auf Olympische Spiele ist darauf zu achten, dass der Planungs-Horizont über das Ende der Olympiade reicht!

  • Stichwort: Debriefing der Olympischen Kampagne

Eine detaillierte und umfassende Auswertung der individuellen „Olympia-Mission“ steigert nicht nur das subjektive Wohlbefinden, sondern vor allem auch das Selbstwertgefühl.

  • Stichwort: Nutzbarmachen der Erfahrung

Es heisst: Sieger wissen, wie man gewinnt. Diese Erkenntnisse nutzen Champions im Verlaufe ihrer Karriere immer wieder erfolgreich!

  • Stichwort: Erdung vs. Grounding

Der Prozess der Normalisierung und Wiederanpassung benötigt Zeit und aktives Engagement/Unterstützung.

  • Stichwort: Reduce to the max!

Im Umgang mit oftmals vielen Verpflichtungen im Umfeld des Spitzensports lohnt sich eine angemessene Zurückhaltung – vor allem auch langfristig!

  • Stichwort: Psychophysische Gesundheit

Die aktuelle Praxis im Höchstleistungsbereich des Olympischen Sports zeigt, dass Spitzensportler*innen zunehmend an ihre Grenzen stossen. Die Wahrung und Stärkung der psychischen Gesundheit aller Protagonisten muss im Vordergrund stehen.

  • Stichwort: Schutz der Intimsphäre und der Integrität

Spitzensportler*innen haben ein Anrecht auf Privatsphäre und respektvollen Umgang. Immer! Das gilt auch im Umgang mit Medien.

  • Stichwort: Selbstbestimmter Freiraum und grüne Inseln

Das höchste Gut im Spitzensport ist Zeit. Diese ist bemessen an der Karrieredauer im Spitzensport besonders wertvoll – insbesondere dort, wo Zeit auch Freiraum für den jungen Menschen bedeutet.

  • Stichwort: Unterstützungs-Netzwerk nutzen und entwickeln

Olympische Spiele bieten im Nachgang – eben auch in der POP – die Chance zur Entwicklung neuer oder alternativer Karriereoptionen für das Leben nach dem Spitzensport. Dazu hilft primär ein funktionales Unterstützungsnetzwerk.

Epilog 1: Apropos Unterstützungsnetzwerk: Sportlifeone – ein Netzwerk aus 8 Partnerorganisationen – bietet im Schweizer Spitzensport erstmalig ein kompetentes Umfeldmanagement an, dass sich auch um Sportler*innen kümmert, wenn der letzte Applaus verhallt ist. Am 16. September 2021 findet in Winterthur ein Community Day statt, an dem Kurzentschlossene herzlich willkommen sind. Hier geht’s zur Anmeldung:

https://sportlifeone.ch/community-day-vom-16-september/

Epilog 2: In der Sendung sportdate (Ausgabe 13.9.2021) spricht Olympiasiegerin Nina Christen davon, sich jetzt genügend Zeit zur Verarbeitung der vergangenen Spiele zu nehmen – auch um 2024 in Paris wieder motiviert an den Start gehen zu können.

https://www.sportdate.tv/sendungen/13-09-2021

Epilog 3: Ihr sucht sportpsychologische Betreuung? Dann schaut euch gern auf unseren Profilseiten um, sich findet sich eine passende Gesprächspartnerin oder Gesprächspartner aus unseren Reihen – vielleicht sogar ganz in der Nähe: Profilinhaber Die Sportpsychologen

Mehr zum Thema:

Quellen:

Bennie, A., Walton, C.C., O’Connor, D., Fitzsimons, L. & Hammond, T. (2021). Exploring the Experiences and Well-Being of Australian Rio Olympians During the Post-Olympic Phase: A Qualitative Study. Front. Psychol. 12:685322. doi: 10.3389/fpsyg.2021.685322

Howells, K. & Lucassen, M. (2019). ‘Post-Olympic blues’ –The diminution of celebrity in Olympic athletes, Psychology of Sport and Exercise, 37,p. 67-78,

https://www.blick.ch/sport/olympia/tokio2020/schlaflosigkeit-massive-erschoepfung-schiess-pause-olympia-depression-trifft-gold-heldin-christen-hart-id16814103.html

https://www.sportdate.tv/sendungen/13-09-2021

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Die Sportpsychologen LeserInnen-Umfrage 2021 – Mitmachen und Abliefern-Lizenz gewinnen

Nicht erst seit den Olympischen Spielen von Tokio stellen wir fest, dass immer mehr hochrangige AthletInnen, aussichtsreiche Talente oder ambitionierte Trainer und Trainerinnen den persönlichen Kontakt über die Expertenliste von Die Sportpsychologen suchen. Profi-Fußballer, Tennistrainer, AusdauersportlerInnen oder Wintersporttalente. Das freut uns natürlich. Wir könnten uns sogar darauf ausruhen und den Dingen ihren Lauf lassen. Machen wir aber nicht! Wir wollen besser werden und unser redaktionelles Angebot und die mittlerweile entwickelten Dienstleistungen, wie unser Abliefern-Programm, auf die aktuellen Ansprüche aus der Sportpraxis ausrichten. Dazu ist eure Mithilfe gefragt!

Zum Thema: Sportpsychologische Betreuung im Fokus 

Wir wollen eure Meinung hören. Um damit spezielle Sportarten oder Themen, die wir vielleicht als längst ausreichend beleuchtet betrachten, besser bespielen zu können. Kurzum: Wir wollen auf Basis eures Feedbacks besser werden. Dazu haben wir einen kleinen und wirklich in wenigen Minuten auszufüllenden Fragenkatalog entwickelt. Nehmt euch jetzt bitte kurz Zeit:

Umfrage: Link

Unter allen Teilnehmern und Teilnehmerinnen der Umfrage, die bis zum Sonntag, den 26. September 2021 unsere Fragen beantwortet haben, verlosen wir drei Einzellizenzen für unser Online-Coachingprogramm “Abliefern, wenn es darauf ankommt” im Wert von jeweils 239 EUR (zum Programm). Selbstverständlich gehen keine Namen und Daten der Gewinner nach draußen oder an Dritte.  

Mehr zum Thema:

Abliefern, wenn es darauf ankommt

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Markus Gretz: Trainer und die Wettkampfvorbereitung

17 Jahre arbeitete Markus Gretz (32) als Trainer, vorrangig im Basketball. Genau diese Erfahrungen kann er seit 6 Jahren als sportpsychologischer Berater in seine Tätigkeit für Vereine, Teams und Einzelsportler einfließen lassen. Aktuell nicht zuletzt als Leiter der Sportpsychologie im Nachwuchsleistungszentrum des SSV Ulm 1846 Fußball e.V.. Genau an diesem Transfer zwischen der Sportpsychologen- und Trainerrolle setzt Ulrich Strauch vom Podcast M.H.P. Mental High Performance an. 

Zum Thema: Vorbildrolle, Motivation und Wettkampfvorbereitung 

Podcasts mit sportpsychologischen Inhalten gibt es mittlerweile einige. Was das Format von Ulrich Strauch besonders macht, ist, dass er die Kerninhalte des sportpsychologischen Wissens vor allem mit Blick auf das Thema Motivation aus den Gesprächen herausfiltert. TrainerInnen, SportlerInnen und Interessierte bekommen die für ihre Praxis relevanten Informationen geliefert, um direkt damit arbeiten zu können.

Begeistert war Strauch, als Gretz (zum Profil) nach gut neun Minuten über seine Erfahrung als Trainer in der direkten Wettkampfvorbereitung sprach. Womit der sportpsychologische Experte den Kollegen und Podcast-Host verzücken konnte und viele spannende und persönliche Aspekte mehr, hört und seht ihr hier: 

YouTube

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Den Podcast M.H.P. Mental High Performance könnt ihr auch über folgende Kanäle finden: 

Spotify: https://spoti.fi/3aEloWA

Apple Podcast : https://apple.co/3xsQMRZ

Mehr zum Thema:

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Kathrin Seufert: Auch der Trainer will immer mehr

Die Trainerentwicklung wird in der jüngeren Vergangenheit immer weiter in den Fokus gerückt. Es geht darum, neben den Spielern, auch diejenigen zu schulen und individuell besser auf ihre Aufgaben vorzubereiten, die sich für die Teams verantwortlichen zeichnen. Sie erlernen neue Techniken, Taktiken und Vermittlungswege. Doch wann beschäftigen Sie sich mit ihrer persönlichen Entwicklung und setzen sich Ziele für ihr eigenes Weiterkommen?

Zum Thema: Wie auch Trainer ihre persönliche Entwicklung angehen können

Der Fokus einiger Trainer ist es, nicht sich selbst zu entwickeln, sondern für die Spieler zu performen. Doch hängt das nicht zwangsläufig auch zusammen?

Worauf es genau ankommt, weiß man häufig gar nicht. Ist es allein der Führungsstil? Ist es das Auftreten? Ist es das Zwischenmenschliche? Ist es einfach der „Typ“ Trainer? Ist es vielleicht sogar einfach die Mannschaft selbst, die sich zum Erfolg oder Misserfolg führt?

Trainerverhalten und Verletzungen?

Es gibt in der Forschung schon einige Ansätze dazu, welchen Einfluss Trainer und ihr Verhalten haben. So ist zum Beispiel herausgefunden worden, dass der Führungsstil von Jugendtrainern im Fußball einen signifikanten Zusammenhang mit der Verletzungsrate der Spieler hat. (Ekstrand et al., 2018)

So konnte die Studie von Ekstrand und Kollegen*innen zeigen, dass ein Transformationaler Führungsstil zu niedrigeren Rate an schweren Verletzungen bei den Spielern geführt hat. Auch wenn die Studienvarianz als schwach zu bewerten ist, so lässt es doch annehmen,  dass Zusammenhänge vorhanden sind.

Erfolgsformel für Trainer

Aus Untersuchungen in der Wirtschaft, in denen Unternehmer und ihr Erfolg Untersuchungsgegenstand waren, konnte schon gezeigt werden, dass Persönlichkeitdispositionen, Handlungs- und Lageorientierungorientierung, eigene Motive und die sogenannte Selbststeuerungsfähigkeit als Faktoren des Erfolges gelten dürfen.

Das hat mich (zum Profil von Kathrin Seufert) veranlasst, wissen zu wollen, inwiefern dies auf Führungskräfte im Sport, also die Trainer, auch zutrifft? Was braucht ein Trainer eigentlich, um erfolgreich zu sein? Da es für einen Trainer aber eher schwierig ist, seinen Erfolg an Zahlen oder Umsätzen wie in der Wirtschaft abzulesen, musste ein anderes Verfahren her, welches die Bewertung der Leistung zulässt.

Promotionsstudie mit Teilnahmemöglichkeit

In der Studie soll untersucht werden, inwieweit die Erkenntnisse aus der Wirtschaft auf den Sport übertragbar sind? Also: Inwieweit Trainer ebenso anhand eines Persönlichkeitsprofils Erfolg haben, die Selbststeuerung dabei eine Rolle spielt oder ihre Handlungs-bzw. Lageorientierung ihren Teil dazu beiträgt?

Dazu wurde mit Unterstützung des IMPART Instituts von Prof. Dr. Julius Kuhl und Herrn Stefan Dörr mit seinem Führungsfeedback eine Testung zusammengestellt, auf deren Basis individuelle Coachings angeboten werden können und die Möglichkeit entsteht, zu untersuchen, welche Faktoren, den Erfolg positiv beeinflussen.

Jetzt mitmachen und profitieren

Das Angebot zur Teilnahme richtet sich an alle aktiven Trainer, die Lust auf eine persönliche Weiterentwicklung haben und ein wenig Zeit für die Arbeit an sich selbst aufbringen können.

Weitere Details zur Studie erhaltet ihr von Kathrin Seufert – meldet euch per Email für die Studie bei ihr an: k.seufert@die-sportpsychologen.de

Mehr zum Thema:

Quellen:

Ekstrand, J., Lundqvist, D., Lagerbäck, L., Vouillamoz, M., Papadimitiou, N., & Karlsson, J. (2018). Is there a correlation between coaches’ leadership styles and injuries in elite football teams? A study of 36 elite teams in 17 countries. British journal of sports medicine52(8), 527-531.

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Johanna Constantini: Instaspiele – Verändert sich die Sportwelt?

Die Olympischen Spiele sind Geschichte, das Olympische Feuer ist erloschen. Was jedoch immer noch flimmert sind die Emoticons, die über jene sportlichen Wochen im World Wide Web verewigt wurden. In Postings von Wettkämpfen, Kommentaren zu Vorbereitung und Likes nach Triumph und Medaillenrang. So zählt der Hashtag #tokio2020 nunmehr rund 280.000 Beiträge auf Instagram und bündelt damit die digitalen Resultate der durch Corona um ein Jahr verschobenen Spiele. Corona sei Dank? Und verändert sich damit die Sportwelt?

Zum Thema: Social Media im Leistungssport

Corona lautet auch das Stichwort, wenn es um unser aller Postingverhalten geht: So hat die Pandemie dazu geführt, dass digitale Medien einen wahrhaften Push erleben durften. Denkt man nur an E-Commerce oder Video Conferencing Lösungen, das länderübergreifende Home Schooling und an die nicht mehr weg zu denkenden Home Office Tage. Auch der Sport wird von digitalen Medien dominiert. Neben Tracking und Messaging Diensten dienen dem modernen Sport vor allem Social Media Kanäle, dank denen sich Athletinnen und Athleten mehr denn je präsentieren können. Doch was bringt jene Präsentation mit sich? Gibt es den authentischen Sport denn noch? Hat es ihn jemals gegeben? Fragen, deren Beantwortung ebenso schwierig scheint, wie den Balanceakt zwischen Chance und Risiko in digitalen Gefilden zu schaffen. 

Spannende Fragen, die Johanna Constantini (zum Profil) von Die Sportpsychologen in einem ORF-Podcast beantworten durfte. Hört rein:

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von www.constantini.at zu laden.

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https://radiothek.orf.at/podcasts/tir/derwoche/derwoche-instaspiele

Mehr zum Thema:

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Maria Senz: Beachvolleyball – alles Kopfsache? Eine Retrospektive nach Tokio 2020

Wenn vier Sportler, aufgestellt als zwei gegen zwei, einen Ball über ein Netz baggern, pritschen, schlagen und dabei jeweils 64 qm feinste Sandfläche verteidigen, dann klingt das sehr verdächtig nach Beachvolleyball. Bei den Olympischen Spielen in Japan bot diese Sportart alles, auch aus mentaler Hinsicht. Denn wenn sich diese Sportler auch noch athletisch, technisch und taktisch auf Augenhöhe begegnen, dann entscheidet meist der Kopf über Gewinn oder Niederlage im Rahmen eines Wettbewerbs.

Zum Thema: Sportpsychologie im Beachvolleyball

Beachvolleyball: ein Frage-Antwort-Duell ohne Quiz, ein Schachspiel mit nur vier Figuren, ein Tanzbattle mit ohne Schuhe. Wer hat die überzeugendere Choreografie und hält sie konstant?

Es war ein Augenschmaus, all die überaus technisch, taktisch und athletisch souveränen Elite-Beacher durch den olympischen Sand in Tokio zu verfolgen. Danke für diese kostbaren Momente!

Anforderungen an Beachvolleyballspieler und -spielerinnen

Beim Verfolgen der Spiele kam ich immer wieder zu der Frage: Welche Atmosphäre brauchst du auf dem Beachfeld, um durch routinierte und intuitive Bewegungsabläufe fokussiert, konzentriert und wachsam Punkt für Punkt einzusammeln?

– Ruhe

– Entspannung

– Vertrauen

– Sicherheit

– Stabilität

– Gelassenheit

– Zielabsicht

– Mut

– Wachsamkeit

– Stolz

Greifen wir ein Beispiel aus dieser individuell unvollständigen Liste heraus – jenes rund um die Wachsamkeit. Wer dies beherrscht, kann ein Spiel Antizipieren und Lesen. Strategie, Lieblingsaktionen, Lieblingsschläge beim Gegner erkennen und mit entsprechenden Handlungen irritieren, stören und wegnehmen. Das steigert das eigene Selbstbewusstsein, Vertrauen und Sicherheit und führt zu Wohlfühlen auf dem Feld – es wird ein Heimspiel. [Kopfsache]

Den Gegner aus dem Konzept bringen

Um dein Ziel zu erreichen, das Spiel zu gewinnen, gilt es die gegnerische Strategie zu zerstören. Unruhe, Verwirrung, Ziellosigkeit führen zu Fehlern in den Aktionen.

Ein Beispiel: Druck im Aufschlag führt zum direkten Punkt oder zu einer unsauberen Annahme, die den Spielaufbau erschwert und den Angriff im schlimmsten Fall zu einer Rettungsaktion macht, so dass das Punkten aus dem eigenen Side out unmöglich wird. Eigenfehler und direkte Punkte durch das andere Team lösen Frust, Hadern und Zweifel aus. Der Kopf fängt an zu denken und die Bewegungsabläufe sind nicht mehr intuitiv. Denken lähmt den Körper: langsamer in Reaktion, Koordination und Bewegung führt zu Ballverlust. Dazu kommt Enttäuschung in den Gedanken und sichtbar in der Körpersprache: Blick in den Sand, gebeugte Haltung, fehlende Körperspannung, kein Abklatschen, keine Kommunikation, kein Lächeln. Im schlimmsten Fall vorwurfsvolle und ratlose Blicke zum Spielpartner. Leere und Talfahrt breiten sich aus und das Abrufen der eigenen Choreografie ist ferner liefen. [Kopfsache]

Ein Wettlauf mit der Zeit und die Herausforderung Selbstbestimmung

Während dein Selbstbewusstsein immer tiefer im Sand versinkt, steigt die Punkteskala beim Gegner. Druck blockiert deine Ideen und Lösungen für kluge Spielzüge. Gleichzeitig hast du Möglichkeiten, dir wertvolle Zeit zum Durchatmen, Sortieren, Taktik anpassen, Fokussieren, Durchstarten zu schaffen: Auszeiten, Challenge, Seitenwechsel, Brille putzen, Sand und Linien richten, uvm. Nutze es! [Kopfsache]

Solange du Regie führst, das Zepter in der Hand hältst und deine maximale Leistung abrufst, läuft dein Spiel. Mach dir bewusst, welche Atmosphäre dazu beiträgt, dass du voll und ganz bei dir bist. Was brauchst du, um diese Atmosphäre zu etablieren? [Kopfsache]

  • Kleidung: Was verbindest du mit deinem Outfit? Wer bist du mit deinem Outfit?
  • Glücksbringer: Kette, Ring, Kappe, Armstulpe, Tuch…
  • Rituale: beim Aufschlag, vor dem Spiel, in die Hände klatschen vorm Angriff, Motivationsrufe vom Mitspieler, Sand die Arme entlang rieseln lassen
  • Atmen: als zentrales Element zum Energie, Kraft und Mut tanken sowie Frust, Zweifel, Fehler loslassen

Teamwork makes the dream work

Ein ausgewogenes Teamwork: ein vertrautes Miteinander im Sand schafft Souveränität und Selbstbewusstsein – Unterstützen, Teilen, Punkt für Punkt feiern, Jubeln, Anpassen, Ausgleichen, Abklatschen, Kommunizieren. Gleichzeitig hat jeder seine Rolle auf dem Feld: die flink-füßige Abwehr und der strapazierfähige Block. Klare Abgrenzung von Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortung bringen Struktur, Ordnung und Fokus. [Kopfsache]

Und wenn es am Ende doch die Niederlage ist, sich gegenseitig aufbauen, frische Energie tanken und weitermachen. Zeit heilt wunden. This is Beachvolleyball… and life!

Kopfsache

Da der Kopf eine entscheidende Rolle spielt, hast du es auch selbst im Griff: Es ist dein Kopf und du selbst hast Einfluss auf deine Gedanken, deine Emotionen, deine Verhaltens- und Bewegungsabläufe. Und: du kannst es trainieren, parallel zu Technik, Taktik und Athletik. Trau dich!

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Dr. René Paasch: Rentabilität und Menschlichkeit im Fußball

Menschlichkeit im Fußball mag für manch hierarchisch organisierten Fußballverein nach einer leeren Worthülse klingen. Nach sicher schönen und guten Werten und netten Gesprächsrunden, für die man im Haifischbecken des Leistungssports aber keine Zeit hat – weil sie sich vermeintlich nicht in Tabellenstände messen lassen und ohnehin nicht rentieren. Aber das Gegenteil ist der Fall, wie ich hier im Text versuche, zu belegen. Kurzum: Dieser Blog soll aufzeigen, dass das klassische Modell des Überwachens, das frühzeitige Selektieren und das Führen mit Angst gegenüber den Trainern und Beschäftigten im Fußball ausgedient hat. Ich verdeutliche anhand konkreter Fallbeispiele, wie eine respektvolle und menschenfreundliche Vereinskultur messbar mit wirtschaftlichem Erfolg zusammenhängt.

Zum Thema: Eine rentable und menschenfreundliche Vereinskultur im Fußball entwickeln

Die angekündigte Trendwende im deutschen Fußball täuscht darüber hinweg, dass die meisten Clubs auch heute noch durch und durch klassisch funktionieren: Es herrschen strenge Rangordnungen, forsche Vorschriften und sichtbare Cliquenwirtschaft. Dabei ist die Zeit längst reif für mehr Menschlichkeit und Verbundenheit. 

Am schlimmsten ist der ewige Fokus auf die Schwächen der Trainer und Spieler. Sie werden in Evaluationsgesprächen und Entwicklungsgesprächen in die Mangel genommen, für ihre fehlende Leistung getadelt und entsprechend kategorisiert. So viel Negativität macht weder glücklich noch erfolgreich. Es ist viel produktiver, sich im Rahmen einer konstruktiven und lebendigen Kommunikation auf die Stärken und das Miteinander zu konzentrieren und diese ganz gezielt zu fördern. 

Mehr dazu: 

Wozu Sanktionieren und Selektieren führt

Denn in jedem Fehltritt oder Fehler stecken große Entwicklungsmöglichkeiten. Vertrauen Sie auf die Wachstumsmöglichkeiten Ihrer Trainer und Spieler und Sie werden sehen, dass sie ohne Angst und Einschüchterung von allein Verantwortung übernehmen und Sie alle davon profitieren.

Im Grunde liegt doch auf der Hand, dass ständiges Sanktionieren und Selektieren nur Misstrauen schürt. Wer sich ständig überwachen lassen und selbst die kleinsten Entscheidungen erklären muss, verliert die Lust an der Eigeninitiative. Übertrieben überwachte Trainer und Spieler stecken ihre Energie nicht mehr in Kreativität und Potentialentfaltung, sondern in den Kampf und Fluchtmodus. Wer soll da noch über sich hinauswachsen? 

Engagierte Trainer und Spieler suchen nach Sinn und Menschlichkeit 

Mit gehaltvollen Aufgaben können Sie viel dafür tun. Wer seine tägliche Arbeit im Sport als sinnvoll wahrnimmt, entwickelt den wohl wertvollsten Antrieb – die intrinsische Motivation, seine Leidenschaft, zu teilen und Dinge gut zu machen. Ganz unabhängig von externen Anreizen wie Geld. Sinnvolles Handeln hilft uns nämlich, unsere höchsten und anspruchsvollsten Bedürfnisse zu befriedigen. Hintergrund dieser Hierarchisierung von menschlichen Ansprüchen ist die berühmte Bedürfnispyramide des US-Psychologen Abraham Maslow aus den 1940er-Jahren. 

Für Sie als Führungskraft bedeutet dies, dass Sie neben den Grundbedürfnissen Ihrer Trainer und Spieler – einer sicheren Anstellung mit fairem Gehalt, einem festen Platz im Verein sowie Wertschätzung und Vertrauen – auch ihre höheren Ansprüche befriedigen müssen. Soll für alle Führungspersonen heißen: Wenn Sie wollen, dass sie ihr Bestes für Sie und Ihren Verein geben, dann sorgen Sie für einen übergeordneten Sinn und Fairness. 

Mehr dazu finden Sie hier: 

https://www.ardmediathek.de/video/sport-im-westen/arme-trainer-lohn-dumping-in-nachwuchs-zentren-der-bundesliga/wdr-fernsehen/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmFnLWU0MjI3YWJkLTk2MDctNDM4NS1hN2UxLWY1YzFhODgwODgzOQ/

Zufriedenheit als Punktegarant

Viele Vereine glauben, die Zahlen unter dem berühmten Strich hätten nichts mit den Befindlichkeiten ihrer Trainer und Spieler zu tun. In Wirklichkeit ist aber gerade die Zufriedenheit eine der wichtigsten Voraussetzungen für den sportlichen und wirtschaftlichen Erfolg eines Vereins. Zufriedene Trainer und Spieler sind erwiesenermaßen motivierter, kreativer, brennen auf und neben dem Platz und sind seltener krank oder verletzt als unglückliche. Machen wir ein Rechenbeispiel: Nehmen wir vorsichtig an, ein unmotivierter festangestellter Trainer verwendet täglich 15 Minuten für private Tätigkeiten auf. Bei einer Arbeitgeberleistung von durchschnittlich 16 Euro pro Stunde werden so pro Jahr und Trainer 920 Euro verschwendet. Klingt verschmerzbar? Wenn von 50 Angestellten nur 15 wirklich erfüllt und engagiert bei der Sache sind, summieren sich die unnötigen Kosten schnell auf stolze 39.100 Euro und 2.443,75 Stunden verlorene Arbeitszeit. 

Diese Kosten-Nutzen-Rechnung lässt sich beliebig für andere Bereiche fortführen. Experten schätzen ferner, dass mittlerweile 10-15% der Arbeitszeit in Vereinen auf die Bewältigung von Konflikten verwendet werden. Das sind horrende Kosten, die sich mit ein bisschen mehr Menschlichkeit vermeiden ließen. Unzufriedene Trainer und Spieler verlassen ihren Verein früher oder später. Ihr Scheiden tut weh: Wer geht, nimmt seine Erfahrungen und Kenntnisse mit. 

Die Menschlichkeitsbilanz im Fußball

Was wie eine klassische Bilanz klingt, ist eigentlich nur der logische nächste Schritt: Der Versuch, all die bisher genannten Werte in Ihrem Verein zu messen. Das Ganze passiert in vier Schritten. Noch vor dem ersten Schritt müssen Sie Ihre Trainer und Spieler allerdings für Ihr Projekt gewinnen. Informieren Sie den gesamten Verein über Ihre Pläne. Kommunizieren Sie klar und deutlich, was Sie vorhaben, damit von vornherein kein Platz für Missverständnisse und Gerüchte bleibt. Nur, wenn sich der größte Teil des Vereins auf den Weg macht, werden sie auch die Veränderung mittragen. Am besten gründen Sie daher ein „Menschlichkeitsteam“, das alle Trainer und Spieler und Hierarchien in Ihrem Verein so repräsentativ wie möglich abbildet. Dieses Team ist die Task Force „Menschlichkeit im Fußball“, die ab sofort die Verantwortung für die Umsetzung der Maßnahmen tragen würde: 

  1. Der erste Schritt besteht in der Entwicklung gemeinsamer Leitwerte für den gesamten Verein. Was ist Ihnen wichtig? Wofür wollen Sie stehen? Hier bietet sich eine Trainer- und Spielerbefragung an, die das Menschlichkeitsteam aufsetzt, sichtet und anonymisiert auswertet. Das Ergebnis wird für alle im Verein sichtbar veröffentlicht und zur Grundlage der neuen Vereinsphilosophie. 
  2. Der zweite Schritt ist die Definition des Soll-Zustands. Hierfür leiten Sie aus den entwickelten Leitlinien Leitwerte für alle Vereins- und Mannschaftsebenen ab, die Sie je nach Aufgaben und Zuständigkeiten mit Inhalten füllen. Das sind die konkreten Ziele für die einzelnen Bereiche des Vereins. Dahin soll die Reise gehen!
  3. Darauf folgt natürlich die Analyse des Ist-Zustands. Was ist Ihre Vereinsgeschichte? Wo kommen Sie her, wo stehen Sie gerade? Die Bestandsaufnahme umfasst alles von der Trainer- und Spielerzufriedenheit über die vereinsinterne Kommunikation bis zur derzeitigen Wahrnehmung der Vereinskultur. 
  4. Der vierte Schritt beantwortet die Frage, mit welchen Maßnahmen Sie Ihren Verein an den Soll-Zustand heranführen wollen. An welchen Stellschrauben wollen und können Sie drehen, um wirklich etwas zu verändern? Wie überprüfen Sie die Wirksamkeit der Maßnahmen? Bestimmen Sie gemeinsam verlässliche und aussagekräftige Indikatoren wie die Fluktuationsrate, Krankheitsausfälle und die Zahl interner Konflikte und Mediationen. 

Ergebnisse

Nach zwölf Monaten der erfolgreichen Umsetzung in die Praxis überprüfen Sie, ob Ihr Verein wirklich ein respektvollerer und freundlicherer Ort geworden ist. Nun geht es darum, die aktuellen Daten tatsächlich zu sammeln und auszuwerten. Dann rekapituliert das Menschlichkeitsteam, was genau umgesetzt wurde und wo es Probleme gab. Was hat sich geändert? Wo steht Ihr Verein jetzt? Waren die Erwartungen realistisch oder überzogen? Hier ist es wichtig, sowohl die positiven als auch die negativen Veränderungen zu erfassen. Nur so können die Maßnahmen angepasst und kontinuierlich verbessert werden. Dabei entsteht ein aussagekräftiges Profil des Vereins, das alle Beschäftigten verstehen und nach außen kommunizieren können. Auch hier gilt: Nichts ist sinnlos in Stein gemeißelt. Es darf und soll hinterfragt werden was an Zweifeln aufkommt, um sich Stück für Stück weiterzuentwickeln. Ein Verein ist ein lebendiger und systemischer Organismus, der sich ständig verändert. Bleiben Sie am Ball! Es rechnet sich!

Fazit 

Traditionell und festgefahrene Vereine messen ihren Erfolg in klassischen Zahlen wie Umsatz und Gewinn sowie an Tabellenständen. Dabei hängt ihr wirtschaftlicher und sportlicher Erfolg auch ganz wesentlich von einem anderen Faktor ab: der Menschlichkeit. Dieser Ansatz setzt auf Respekt, Wertschätzung und Vertrauen. Diese wünschenswerte Wirkung lässt sich sogar auch in ganz konkreten Zahlen nachweisen.

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Miriam Kohlhaas: Sportpsychologie für Handwerker und Handwerkerinnen

Die Sportpsychologie erlebt einen Boom. Immer mehr Sportler und Sportlerinnen lernen die Werkzeuge aus der Sportpsychologie kennen und schätzen. Auch in diversen Wirtschaftsbranchen wird das sportpsychologische Wissen zunehmend angewandt, woran auch wir von Die Sportpsychologen aktiv beteiligt sind. Neu ist, dass auch im Handwerk das Interesse am speziellen Know How aus dem Sport wächst.

Mehr zum Thema: Podcast mit Miriam Kohlhaas

Miriam Kohlhaas (zum Profil) wurde kürzlich zu einem Auftritt im Podcast Lauschwerkstatt eingeladen. Ein Podcast rund um das Tischlerhandwerk. Extrem spannend, mal komplett anders – hört mal rein:

Spotify: https://open.spotify.com/episode/68IQINDBYsgOMH6Oy7u5Cc?si=8ODPj2FeSU26riAcLPiheA&dl_branch=1

Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=weWpQBMEY4c

Homepage: https://www.tischler.nrw/fuer-unternehmen/aktuelles-medien/lauschwerkstatt/

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