Lisa König: Im schlimmsten Moment… was tun, wenn von jetzt auf gleich die Saison zu Ende ist?

Anfang Juli 2019 zog sich die mehrfache Weltmeisterin und Skisprung-Olympiasiegerin von 2014, Carina Vogt, einen Kreuzbandriss im Training zu. Dadurch fällt die Sportlerin nun die komplette kommende Saison aus und hat einen langen Weg der Rehabilitation vor sich. Solche Dramen sind im Leistungssport leider keine Seltenheit und es ist wichtig, richtig mit der Situation umzugehen, damit man möglichst zeitnah sein Comeback starten kann. Eine Wintersportlerin, die diesen Prozess bereits hinter sich gebracht hat, ist die Skilangläuferin Victoria Carl, mit der ich ein sehr offenes Gespräch zum Thema Verletzungszeit führen durfte… Was ich Spannendes erfahren habe, lest ihr im Blog.

Zum Thema: Erfahrungsbericht der Ski-Langläuferin Victoria Carl zum Comeback nach einer Verletzung zum “ungünstigen Zeitpunkt” 

Mehr Infos zu Lisa König: https://www.die-sportpsychologen.de/lisa-koenig/

Victoria Carl ist mehrfache Junioren- und U23-Weltmeisterin im Ski-Langlauf und konnte sich zuletzt bei der WM im österreichischen Seefeld mit mehreren Top 10 Platzierungen sehr stark in Szene setzen. 2014 verletzte sie sich am Knie. Das Schlimme daran: Sie fiel zwei Wochen vor der Junioren-Weltmeisterschaft für zwei Monate aus. Medaillenhoffnungen waren vom einen auf den anderen Moment begraben. Noch schlimmer schmerzte es, die Wettkämpfe nur von zu Hause verfolgen zu können. In den ersten Tagen half ihr, einmal Abstand vom Sport zu nehmen und sich auf andere Dinge zu konzentrieren. Sie rät jüngeren Sportlern auch, die Zeit zu nutzen um sich auf die Schule oder die Ausbildung zu konzentrieren, ein Praktikum einzuschieben – und einfach die Geduld nicht zu verlieren.

Während der Reha profitierte sie sehr stark davon, sich Ziele zu setzen! „Man muss von Tag zu Tag, von Woche zu Woche schauen, was möglich ist. Die eine Woche macht man fünf Schritte vorwärts, in der nächsten geht es wieder zwei zurück. Am wichtigsten dabei ist, dich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen.“ Bei der Zielsetzung ist es ratsam, mit den Ärzten, Physiotherapeuten und seinen Trainern eng zusammenzuarbeiten, um die Fortschritte realistisch einschätzen zu können; allerdings steht das `auf-den-eigenen-Körper-hören` an erster Stelle. Außerdem ist es sinnvoll, viele kleine Teilziele zu stecken, an denen man sich, bis hin zum Comeback, entlang hangeln kann. Jeder kleine Reha-Erfolg kann gefeiert werden, das gibt Mut, Motivation und Selbstvertrauen und baut auf, für den weiteren Weg.

Sicherheit von außen und von innen…

Victoria Carl konnte während ihrer Zwangspause immer auf die Unterstützung ihrer Eltern und Trainer bauen: „Ich konnte mit ihnen immer reden, Tag und Nacht, wenn es mir nicht so gut ging… das war sehr wichtig! Wenn man in so einem Loch steckt, kommt man ohne Hilfe nur schwer wieder heraus.“ Sie hörte verstärkt auf ihren Körper und lernte auch die Arbeit der Physiotherapeuten viel mehr zu schätzen. Als einen der wichtigsten Punkte nennt sie einen Arzt, dem man zu 100% vertrauen kann: „Wenn man weiß, mit wem man arbeitet, ist man viel gelöster und kann sich auf die richtigen Sachen konzentrieren.“ Aber nicht nur die Unterstützung von außen ist unabdingbar, sondern auch das Vertrauen in den eigenen Körper. Victoria habe in der Zeit gelernt, Geduld zu haben und ihre körperlichen Grenzen zu akzeptieren.

Vielen Sportlern gibt es Kraft, wenn sie sich ihre Ressourcen vor Augen führen (im wahrsten Sinne des Wortes). Es tut vielen gut, einfach mal aufzuschreiben, wer tagtäglich an ihrer Seite steht. Dazu gehören nicht nur Eltern und Trainer, sondern eben auch die Ärzte, Physios, das gesamte Team, die Freunde, die Großeltern, und, und, und… das Unterstützersystem und Vorbilder können mehr zur schnellen Heilung beitragen, als man manchmal denkt.

“Vici`s Top 3-Tipps” für eine optimale Rehabilitation

Zum Schluss durfte ich noch “Vici´s Top 3 Tipps” erfahren, die sie mitten in die Weltspitze zurück brachten!

  • 1. Das Wichtigste: „Ruhig bleiben, durchatmen und nicht durchdrehen!“ Auch wenn es mal nicht so läuft, sollte man seine Ziele nicht aus den Augen verlieren und Schritt für Schritt weiterdenken.
  • 2. Auf keinen Fall kopflos und uninteressiert am Rehasport teilnehmen! Es ist immer gut, über die Sinnhaftigkeit und die Wirkung der Physiotherapie nachzudenken. So lernt man viel über seinen eigenen Körper.
  • 3. Tipps von außen sind gut… aber man sollte dabei immer auf seinen eigenen Körper hören. Dieser gibt die Pace vor und man ist gut beraten, nicht ständig auf der Überholspur zu fahren.

Nicht jede Verletzung verläuft gleich und nicht jedem stehen dieselben Ressourcen zur Verfügung, um sich wieder zurück zu kämpfen. Dennoch können Athleten die `verlorene Zeit` sinnvoll nutzen, Dinge erledigen, für die sonst kaum Zeit bleibt, Hobbies pflegen und konkrete Schritte zum eigenen Comeback verfolgen. Wer mehr darüber erfahren möchte, meine Kollegen (zu den Profilen) und ich (zum Profil von Lisa König) stehen gern zur Verfügung!

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