Uwe Knepel: Fokussierung im Spielsport

Diese Niederlage tat weh. Noch bevor der Finaltag der deutschen Meisterschaft im Floorball für U13-Teams so richtig begonnen hatte, war er für das Team des SC DHfK Leipzig gefühlt schon wieder vorbei. Im Halbfinale am frühen Sonntagmorgen endete der Traum vom ersten deutschen Meistertitel nach einer 4:5-Niederlage gegen den Gastgeber und Außenseiter BAT Berlin. In diesem Moment verstanden die Kids, was sie sich am Tag zuvor sportpsychologisch erarbeitet hatten. 

Zum Thema: Konzentration und Aufmerksamkeit

Spieltage bei Turnieren können lang werden. Warum also nicht längere Pausen mit gezieltem Input füllen? So entstand auf Seiten des SC DHfK Leipzig die Idee, in einer fünfstündigen Pause zwischen den beiden letzten Vorrundenspielen 90 Minuten für eine sportpsychologische Intervention freizuschaufeln. So kam ich also über unser Netzwerk Die Sportpsychologen zu meinem ersten Auftrag in der Sportart Floorball. Nach Rücksprache mit den Trainern, die bislang noch keine Erfahrung mit der Sportpsychologie gemacht haben, fiel die Entscheidung, etwas zum Thema Konzentration und Aufmerksamkeit zu machen. 

Nach einer kurzen Vorstellung und Erklärung der Sportpsychologie ging es mir darum, den Jungen und Mädchen bewusst zu machen, was Konzentration und Aufmerksamkeit eigentlich bedeutet. Dann übten wir sehr praxisnah die Möglichkeiten der Fokussierung auf den Ebenen weit-eng und außen-innen.

Floorball Team Sportpsychologie
Die U13 des SC DHfK Leipzig bei der Arbeit (Quelle: SC DHfK Leipzig)

Arbeit in Kleingruppen

In Kleingruppen haben die Spieler diese Unterteilung dann auf ihre Sportart angewandt. Die Offenheit der Floorballer war bemerkenswert. Die Trainer haben die Maßnahme voll unterstützt und so konnten wir beim Zusammentragen der Ergebnisse wirklich gut greifbare Strategien für alle möglichen Problemstellungen erarbeiten. Mein Ziel war es dabei, die Übung so konkret und praxisnah wie möglich zu gestalten, so dass Spieler und Trainer nicht nur kleine Ergebnisse mitnehmen sondern auch Handwerkszeug bekommen, um daran im Alltag weiter zu arbeiten. 

Wie ich später erfuhr, klappte die Anwendung mit einer kleineren Einschränkungen ganz gut. Kapitän Julius erklärte, dass die Spieler vor dem kleinen Finale sich genau auf die Vorgaben konzentrierten, die sie sich am Tag zuvor gegeben hatten. Und das habe sie dann echt stark gemacht. Ich wollte noch in Erfahrung bringen, wie er persönlich das Wissen anwendete: Dazu sagte er, dass er sich als Kapitän vor allem darauf fokussierte, den Mitspielern in seiner Reihe Sicherheit zu geben und voranzugehen. Was im Spiel um Platz drei beim 8:4-Sieg gegen die Red Hocks Kaufering offenbar sehr gut funktionierte, klappte am Sonntagmorgen hingegen mal gar nicht. Etwas kleinlaut war von Julius zu hören, dass jeder in seiner Mannschaft gedacht hatte, dass sie das Spiel ganz sicher gewinnen werden. Aber das kam ja anders. Auch eine Erfahrung, aber das ist ein anderes Thema.

Uwe Knepel
Mehr Infos zu Uwe Knepel auf seiner Profilseite

Zur Profilseite von Uwe Knepel: https://www.die-sportpsychologen.de/uwe-knepel/

Trainerfeedback

Toll fand ich bei meinem ersten Ausflug in die recht neue Sportart Floorball auch das Feedback der Trainer. Sie erzählten mir, dass sie nach dem „verkorksten Halbfinale“ das Wissen von unserer Session dann effektiv für die Vorbereitung auf das Spiel um Platz drei nutzen konnten. So wie es ihr Kapitän bereits ausgeführt hatte. Wir bleiben in Kontakt und wollen besprechen, wie die Sportpsychologie auch im sportlichen Alltag begleitend eingesetzt werden kann. Für mich war es eine echt spannende Erfahrung und es hat Spaß gemacht, mit so offenen Kindern und Trainern in unserem Themenbereich zu arbeiten.

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