Christian Hoverath: Ist geteilter Muskelkater halber Muskelkater?

Am 14. Juli findet zum mittlerweile vierten Mal der Paarlauf in Wesel (Link zum Event) statt. Kein ganz gewöhnlicher Laufwettbewerb, denn innerhalb von 30 Minuten geht es darum, als Paar möglichst viele Stadionrunden zu laufen. Gewonnen hat das Team, welches nach dieser Zeit die meisten Meter zurückgelegt hat. Von jedem Team ist jeweils nur ein Läufer auf der Laufstrecke und es muss nach jeder Runde gewechselt werden. Dieses Format treibt allein durch seinen Teamcharakter zu Bestleistungen an. Dazu sind nicht nur viele Athleten auf der Strecke, sondern die Runde ist auch gesäumt von vielen Zuschauern, was eine enorme Wirkung auf die Leistungsfähigkeit der Läufer hat. Da dieses Format eher selten angeboten wird und für die allermeisten Läufer etwas Neues ist, hat es einen ausgesprochenen Fun-Charakter und ist äußerst kurzweilig. Weil die 400 Meter hochintensiv gelaufen werden und darauf eine kurze Pause folgt, ist der Muskelkater  vorprogrammiert! Auch aus sportpsychologischer Sicht ist das Format sehr interessant. Ich lade hier also zum einen dazu ein, bei diesem Event dabei zu sein und sich zum anderen auch sportpsychologisch darauf vorzubereiten.

Zum Thema: Mentale Vorbereitung für Individualsportler in Teamwettbewerben

Auf der physischen Ebene werden 400m gelaufen, danach hat man eine Pause. Diese dauert genau so lang, wie der Partner für seine 400m benötigt. Keine Einheit, wie sie für gewöhnlich im Trainingsplan steht. Dazu kommt, dass ständig Läufer um einen herum sind. Dies ermöglicht schnelle Rundenzeiten, verleitet aber auch zum Überpacen. Wichtig ist es also, sich die Laufstrecke gut einzuteilen. Folgende kritische Fragen solltet Ihr im Hinterkopf haben: 

  • Lasse ich mich am Anfang dazu hinreißen, mit vermeintlich schnelleren Läufern mitzulaufen?
  • Nutze ich konsequent die Möglichkeiten der Temposteuerung, die mir ein Leichtathletikstadion bietet, um mich im Wettkampf bestmöglich zu kontrollieren? 

Sicherlich kann es hilfreich sein, zu Beginn eher konservativ zu laufen und auf der zweiten Hälfte mentale Strategien zu nutzen. Beispiel gefällig? So kann ich mich mit dem imaginären Lasso an den Läufer vor mir heften oder mich sogar Stück für Stück heransaugen. Ich kann mir bewusst machen, dass alle leiden und versuchen, möglichst selbstbewusst und aufrecht zu laufen. 

Weitere strategische Fragen

Es lohnt sich auch, über die Pausengestaltung nachzudenken. Trinke ich in jeder Pause oder nehme ich nur einen kleinen Schluck in den Mund? Wie kühle ich mich in den Pausen effektiv? Greife ich zum Gel? Dann sollte ich vorher aber auch mal probiert haben, wie mein Magen unter Belastung darauf reagiert, um keine böse Überraschung zu erleben. Stehe ich oder gehe ich? Haben mein Partner und ich ein Shirt an, dass ich gut erkenne?

Wo wir gerade räumlich in der Wechselzone sind: es kann durchaus Sinn machen, dass der stärkere Läufer am Ende der Wechselzone an den schwächeren Partner übergibt und dann am Beginn der Wechselzone wartet. So lassen sich durchaus wertvolle Meter „sparen“.

Besonderheiten des Paarlaufes 

Eine weitere Besonderheit ergibt sich durch den Lauf im Paar. In fast jedem Team gibt es einen stärkeren und einen schwächeren Läufer. Durch die unterschiedlichen Lauftempi kommt es durchaus vor, dass ich immer wieder denselben Typen überholen muss, bzw. von derselben Läuferin überholt werde. Überholt mein Partner seinen Kontrahenten eines anderen Teams, der Läufer/die Läuferin dieses Teams ist aber stärker als ich, dann ergibt sich ein Katz-und-Maus-Spiel, das man so in dieser Form nicht kennt und, insbesondere bei zunehmender Ermüdung, sehr zermürbend sein kann. Haben Sie sich allerdings im Vorfeld mit dieser Besonderheit gedanklich beschäftigt, dann überrascht es nicht, wenn die gleiche Person erneut vorbeikommt und es kann in der Tat Spaß machen, daraus ein kleines Duell für sich zu machen.


Mit seinem Partner sollte man sich über die gemeinsamen Ziele Gedanken machen und diese offen besprechen, um keine falschen Erwartungen zu schüren und und Frustrationen vorzubeugen. Ziele können nämlich eine gute Motivationsquelle sein und gerade in den letzten Minuten helfen, das Tempo zu halten. Aber neben der Qual sollte gerade bei dieser Veranstaltung eines im Vordergrund stehen: der Spaß!

Hinweis

Wir von Die Sportpsychologen können unsere Expertise auch dahingehend ins Spiel bringen, Sie und einen Partner auf solche Laufveranstaltungen, die in Duos oder Kleingruppen absolviert werden, vorzubereiten. Nehmen Sie gern zu meinen Kollegen (zur Übersicht) oder zu mir (zur Profilseite) Kontakt auf. Ich selbst bin übrigens auch bei diesem Wettbewerb am Start. Spannend fände ich es auch, wenn ihr mir ein Feedback von euren Erfahrungen hinsichtlich solcher Paar- oder Gruppenläufe geben würdet. Getreu der Eingangsfrage: Ist geteilter Muskelkater halber Muskelkater?

Infos zum Paarlauf Wesel: https://www.paarlauf-wesel.de

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