Lisa König: Feedbackbox – Wie ein einfaches Tool die Kommunikation anregen kann

Gute Kommunikation innerhalb einer Mannschaft ist das A und O, um Missverständnisse zu verhindern, Trainingsinhalte und Ideen gut zu vermitteln oder einfach um Zustimmung oder Kritik fair auszutauschen. Aber ganz so einfach ist es nicht immer, besonders im Nachwuchsbereich. Bei meiner Zusammenarbeit im Rahmen eines Praktikums bei der ALBA Berlin Basketball Jugend hatte ich die Möglichkeit, ein Tool auszuprobieren, welches die Kommunikation ankurbeln sollte – die Feedbackbox. Was dabei herausgekommen ist, lest ihr hier!

Zum Thema: Die Idee hinter der Feedbackbox

Junge Sportlerinnen und Sportler wollen in ihrer Sportart erfolgreich sein, an Aufgaben wachsen  und sich einbringen. Nicht selten sind sie jedoch zu schüchtern, wissen nicht, wie sie sich ausdrücken sollen, haben Angst vor Konsequenzen oder einfach nicht die Zeit, außerhalb des Trainings noch das ausführliche Gespräch mit dem Trainer zu suchen.

Um den jungen Basketballerinnen der ALBA Jugend die Kommunikation und ihr Mitspracherecht zu erleichtern, habe ich einen einfachen Schuhkarton genommen und einen Schlitz in den Deckel geschnitten, in den sie kleine Zettel stecken können. Mehrmals im Monat haben die Sportlerinnen jetzt die Chance, ihre Gedanken aufzuschreiben und in die Box zu werfen, natürlich ganz anonym.

Nimm Kontakt zu Lisa König auf: https://www.die-sportpsychologen.de/lisa-koenig/

Platz für unangenehme Themen

Solche Gedanken beziehen sich beispielsweise auf Übungen oder Routinen, die sie toll finden und gerne öfter im Training üben würden. Sie sprechen den Umgang und den Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft an. Sie beinhalten Ideen zur Trainingsgestaltung oder Änderungsvorschläge. Sie spiegeln aber auch unangenehmere Themen, also Kritik, Ängste oder frustrierende Dinge wieder.

Der Trainer und ich können so nun schnell und gezielt auf kleinere Probleme reagieren und besser die Meinung der Spielerinnen berücksichtigen. Klingt einfach? Ist es auch, aber nur wenn einige wichtige Regeln beachtet werden!

Das Rezept für den erfolgreichen Einsatz der Box

Vor dem ersten „Zetteleinwerfen“ wollten wir sichergehen, dass alle mit den Regeln einverstanden sind. Zum einen haben wir betont, dass niemand persönlich beleidigt, sondern fair behandelt werden sollte. Zum anderen war es wichtig, dass die Basketballerinnen ihre Meinungen auf den Zetteln auch erklären, und sowohl konstruktive Kritik, als auch positive Aspekte des Trainings und der Mannschaft ansprechen durften.

Unsere Voraussetzungen mit dem Umgang mit der Feedbackbox sind außerdem:

  • keine muss ihren Namen nennen und jede hat die Möglichkeit, ihre Meinung anonym zu äußern
  • es darf keine Konsequenzen oder Verurteilungen geben, falls die Verfasserin eines Zettels identifiziert werden kann
  • alle, inklusive des Trainers, müssen bereit sein, sich das Lob und die Kritik zu Herzen zu nehmen und gegebenenfalls etwas zu ändern
  • jede sollte frei ihre Meinung äußern können, dabei aber fair und verständnisvoll gegenüber den Mitspielern und Betreuern sein

GANZ WICHTIG! Die verbale Kommunikation sollte auf keinen Fall vernachlässigt und die Sportler ermutigt werden, ihre Ideen auch persönlich, in Teambesprechungen oder unter vier Augen, vorzubringen.

Feedbackbox 2.0 – Welche Variationen gibt es noch?

Unsere Box bei der ALBA Jugend stand ursprünglich auf einer Bank in der Sporthalle und die Spielerinnen konnten vor oder nach dem Training die Zettel einwerfen. Da nach einigen Wochen nur wenige die Gelegenheit nutzen, entschied ich mich, die Box mit in die Kabine zu geben, um es weniger „öffentlich“ zu machen. Tatsächlich war die Beteiligung danach viel größer und die Mädchen schienen es gut anzunehmen.

Der Trainer hat nun den Wunsch geäußert, die Auswertung der eingeworfenen Zettel auch mal als Team durchzuführen, um darüber zu diskutieren, gemeinsam nach Lösungen zu suchen und andere Meinungen zu hören. Durch diese kleine Änderung ist es letztendlich auch möglich, die Feedbackbox zur Förderung der verbalen Kommunikation zu nutzen und für ältere Jugendliche und Erwachsene sehr gut geeignet.

Fazit

Wer als Trainer ein paar einfache Umgangsformen und Regeln beachtet, hat die Möglichkeit, durch eine Feedbackbox Missverständnisse zu vermeiden, bestimmte Trainingsinhalte zu fördern und die Meinungen und Ideen der Mannschaftsmitglieder besser einzubinden.

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