Johannes Wunder: Minibasketball gibt Motivationsschub

Das große Vorbild Fußball hat es bereits getan, auch andere Sportarten, wie zum Beispiel Tennis passen ihre Wettkampfregeln entsprechend der Altersklasse an. Nun will auch der Deutsche Basketballbund (DBB) nachziehen und die wenigen bereits bestehenden Regeln vereinfachen und vereinheitlichen. Abseits der vielen technischen und taktischen Neuerungen, die die neuen Regeln mit sich bringen, möchten mein Kollege Markus Gretz (zum Profil) und ich (zum Profil von Johannes Wunder) diese Thematik aus sportpsychologischer Sicht genauer beleuchten.

Zum Thema: Sportpsychologische Veränderungen im Minibasketball durch neue Verbandsvorgaben

Für den Deutschen Basketballbund ist eines klar: mehr Kinder sollen die Liebe zur Sportart Basketball finden. Seitdem nun auch flächendeckend im Schulsportbereich gearbeitet und in vielen Vereinen bereits ab der Altersklasse U8 gespielt wird, hat sich der DBB für umfassende Neuerungen und ein einheitliches Minibasketball-Regelwerk entschieden. Die Regeln werden ab der Saison 2019/2020 verpflichtend und betreffen die Altersklassen U8 bis U12.

Nachfolgend sind die wichtigsten Punkte kurz dargestellt:

  • kleinere/leichtere Bälle
  • niedrige Körbe (2,60m)
  • reduzierte Spieleranzahl (3vs3 bzw. 4vs4)
  • keine Tabelle bzw. ohne angezeigten Punktestand (U8 & U10)
  • jedes Kind muss 2 von 8 Perioden spielen (8-10min)

Mehrwert auch für Motivation und Selbstwert

Der DBB erhofft sich hierdurch natürlich einen Mehrwert in den Kategorien Technik/Bewegungsausführung, technisch-taktische Handlungen/motorisches Lernen sowie Belastung/Beanspruchung. Ein für uns wesentlicher Bestandteil ist zweifelsohne aber die Kategorie Selbstwert/Motivation.

Es lohnt sich, vor allem folgende Punkte sportpsychologisch unter die Lupe zu nehmen:

  • Steigende Motivation – für uns an zentraler Stelle und deshalb auch unsere „Nummer 1“ in diesem Listing. Speziell meinen wir jene Motivation, die durch die Faktoren niedrige Körbe und kleinere/leichtere Bälle ausgelöst wird. Wenn Kinder das erste Mal mit einem Basketball in Berührung kommen und dieser wie in vielen Schulen noch üblich, ein Herrenball ist, mit dem dann auch noch auf einen regulären Korb geworfen werden soll, bleiben Erfolgserlebnisse aus. Das zentralste Ziel im Basketball ist aber der erfolgreiche Korbabschluss. Kein Kind wird es zu Beginn verstehen, dass auch gute Verteidiger wichtig sind – nein, jeder Spieler möchte treffen, so wie im Fußball die meisten Kinder Stürmer sein und Tore schießen wollen. Durch die niedrigeren Körbe und leichteren Bälle gibt es von Beginn an mehr Treffer, mehr Erfolgserlebnisse, mehr Freude und dadurch mehr Motivation.                          
  • Steigende Verantwortung und Umgang mit Fehlern – mit der neuen Regelung, dass die Kinder sowohl in reduzierter Spieleranzahl auf dem Feld stehen, als auch mindestens zwei Perioden spielen müssen, entsteht bei vielen Kindern ein neues Bewusstsein. Ein Bewusstsein, in dem jedes Kind auf dem Platz maßgeblich am Erfolg beteiligt ist, niemand kann sich „verstecken“, wie es des Öfteren vorkommt, wenn der „U10-Starspieler“ den Ball nicht an seine 4 Mitspieler abgeben will oder soll. Zudem weiß jedes Kind, dass es Spielminuten bekommen wird, egal wie gut oder schlecht es am Wettkampftag drauf ist – egal ob es schon zwei Saisons spielt oder erst vor wenigen Wochen begonnen hat. Die Zeiten, wo ein Trainer ein Kind auswechselt, weil es in seinen Augen nicht gut spielt, scheinen hierdurch zumindest eingebremst. Es entsteht so eine Fehlerkultur, die nur zu begrüßen ist. Kinder dürfen und sollen Fehler machen und das ohne Versagensangst und Druck von Trainern, Eltern und Mitspielern. Dies wird zusätzlich dadurch begünstigt, dass der Spielstand und das Spielergebnis in den Hintergrund gerät und nicht mehr angezeigt wird. Ohne Tabelle gibt es kein Verliererteam mehr und keinen Tabellenletzten, für den es in der nächsten Saison schwer wird, eine Mannschaft zu stellen, weil die Kinder nicht mehr Letzter werden wollen.
  • Lernen am Modell durch Vorbilder – Viele Kinder haben Vorbilder aus ihrem Sport. Das können gestandene Bundesligaprofis, aber auch Spieler aus der Herrenmannschaft im eigenen Verein sein. Vielleicht sogar der Euroleague oder NBA-Star. Letztendlich wird es durch die neuen Vorgaben für Kinder viel leichter, den Vorbildern nachzuahmen. Korbwurfbewegungen oder Pässe gelingen einfacher, wenn die Voraussetzungen, mit niedrigeren Körben und weniger Gegenspielern, stimmen. So ist endlich die natürlichste Art des Lernens durch die Kinder möglich. Die Kinder lernen nicht mehr nur weil ihnen ein Trainer vorschreibt, wie sie etwas machen sollen, sondern sie können das ausprobieren, was sie an ihrem Vorbild in der Arena oder auf Youtube sehen. Dieses natürlich kindliche Lernen ermöglicht mehr Kreativität und Eigenverantwortung in der sportlichen Entwicklung.

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Johannes Wunder, ebenfalls hauptamtlicher Trainer und für die Leitung der Schulprojekte beim BBC Coburg zuständig, stellt sich vermehrt die Frage, welche Hilfsmittel die Sportpsychologie bietet, um sowohl Lehrkräften als auch Trainern im Schulsport die tägliche Arbeit zu erleichtern?

Johannes Wunder
Zum Profil von Johannes Wunder: https://www.die-sportpsychologen.de/johanneswunder/

Markus Gretz, hauptberuflicher Jugendtrainer und Nachwuchskoordinator bei den scanplus baskets Elchingen, leitet in seinem Verein ein Schulprojekt, bei dem er über einen Zeitraum von fünf Wochen den Sportunterricht in einer Klasse begleitet und dabei den Schülern und Lehrern die Sportart Basketball näherbringen möchte. Immer wieder wird er von den Lehrern gefragt, wie es ihm gelänge,  die Schüler mit so viel Begeisterung über den gesamten Zeitraum motiviert halten zu können?

Markus Gretz
Zum Profil von Markus Gretz: https://www.die-sportpsychologen.de/markus-gretz/
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