Thorsten Loch: Was Trainer vor einem Finale ändern sollten

Während in anderen Ligen wie beispielsweise der Fussball-Bundesliga der Deutsche Meister mit dem FC Bayern München bereits feststeht, läuft derzeit das Finale rund um die Deutsche Meisterschaft im Futsal auf Hochtouren. Anders als in der höchsten deutschen Spielklasse, in welcher der Meister über eine Saison ermittelt wird, spielen im Futsal die jeweiligen Verbände einen Regionalmeister über eine Saison aus. Der Meister und Vizemeister der vier Regionalverbände qualifiziert sich für K.O.-Runde. Das diesjährige Finalspiel findet am Samstag, den 28. April, zwischen dem VfL 05 Hohenstein-Ernstthal und Futsal Panthers e.V. aus Köln in Dresden statt. Der Ausgang scheint völlig offen, schließlich treffen zwei Top-Teams aufeinander. Entsprechend liegt in den Tagen bis zum Finale einiges an Verantwortung und Gestaltungsfreiraum bei den Trainern. Insbesondere dann, wenn bei Spielern klammheimlich die Furcht vor einer Niederlage wächst.

Zum Thema: Keine Angst vor der Niederlage

Ich habe persönlich die Erfahrung gemacht, wozu Angst vor einer Niederlage führen kann. Das vor Jahren erlebte Spiel nagt noch immer an mir. Aber daraus habe ich gelernt und kann dieses Wissen in meine Arbeit als Sportpsychologe einfließen lassen (zum Profil von Thorsten Loch).

Der Einklang von Unbewusstem und Bewusstem ist die Basis für ein selbstvertrauendes Handeln. Insbesondere in Belastungssituationen gründet das stabile Selbstvertrauen auf der Übereinstimmung unbewusster und bewusster Motive (Baumann, 2008). Die Unterstützung des bewussten Handelns durch die Übereinstimmung mit unbewussten Antrieben kann bei labileren Sportlern in Belastungssituationen negativ beeinflusst werden. So kann aus dem Gedanken: „Wir müssen gewinnen!“, gleichzeitig eine unbewusste Gegenreaktion: „Wir dürfen nicht verlieren!“, auslösen. Verlieren bedeutet in diesem Zusammenhang Blamage, Abstieg, Verlust an Anerkennung usw. So kann es sein, dass bei manchen Sportlern die Erwartung an einen erhofften Erfolg, unbewusst Angst auslöst, dass sich der Erfolg möglicherweise doch nicht einstellt. Unbewusste Ängste und unbewusste Trotz- und Gegenreaktionen machen sich als geistige und emotionale Sperren bemerkbar, indem sie Kreativität, Offensivgeist und wahres Selbstvertrauen unterbinden. Unter diesen Voraussetzungen sinkt die Wahrscheinlichkeit drastisch, den Platz als Gewinner zu verlassen. Die Sportler sollten über eine klare Einschätzung seiner Fähigkeiten und der Leistungsmöglichkeiten verfügen. Nur wer die Niederlage als Möglichkeit annimmt, kann in einem Finale mutig aufspielen.

Schlüsselrolle Trainer

Dem Trainer kommt in dieser Situation einen Schlüsselrolle zu. Seine Aufgabe besteht darin, den Spielern zu verdeutlichen, dass die Gedanken: „Was ist, wenn wir verlieren?“, „Was ist, wenn…?“, keinen positiven Beitrag zur Bewältigung der bevorstehenden Aufgabe leistet. Bedenke, wer sich bereits im Vorfeld selbst in Frage stellt oder verurteilt, vergrößert die Diskrepanz zwischen bewussten Wollen und unbewussten Ängsten. Die Folgen können unerklärliche Leistungseinbußen sein.  

Christian Hoverath: Ran an die Quellen des Selbstvertrauens!

Fazit

Ein Finale ist immer etwas Besonderes. Machen sie sich dessen als Trainer bewusst. An diesem Tag kommt es darauf an, jetzt spitzt sich alles zu und jeder der Beteiligten weiß, was die Stunde geschlagen hat. Tragen sie dieser Bedeutung Rechnung und tun sie nicht so, als ob es etwas Normales sei. Sie werden unglaubwürdig auf ihre Sportler wirken. Bekräftigen sie ihre Sportler. Es geht um den Mut im Herzen. Um die innere Bereitschaft, mit aller Kraft und auf die Gefahr des Scheiterns hin etwas zu wagen.  

Halten sie zum Beispiel eine ungewöhnliche Abschlussbesprechung oder ändern sie den Ablauf der Vorbereitung in wenigen Punkten. Jedoch nicht zu viel, denn Routine gibt Sicherheit. Das „Geheimnis“ liegt wohl in der Mischung. Ein kleiner Teil Besonderheit, ein größerer Teil Vertrautheit, das dürfte in den meisten Fällen ein gute Rezept sein.

 

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