Lukas Mähr im Interview mit Simon Nussbaumer: “Wir hatten uns schon dort gesehen, wo wir eigentlich erst hin wollten”

Lukas Mähr und Simon Nussbaumer beim Interview. I Bild: privat

Lukas Mähr ist 28 Jahre alt und Vorschoter in der 470er-Segelbootsklasse. Er erobert bei der Junioren-WM 2010 die Silbermedaille. 2017 gelingt seiner Crew endgültig der internationale Durchbruch in der Elite-Klasse und sie holen 2017 Silber beim Weltcupfinale vor Santander sowie Bronze bei der Weltmeisterschaft in Thessaloniki. Der mehrfache und aktuelle Staatsmeister will sich nun gemeinsam mit seinem Partner David Bargehr 2020 den großen Traum von Olympia erfüllen.

Lukas, welche Eigenschaften haben Dir am meisten geholfen, die bis dato erzielten Erfolge feiern zu dürfen?

Für mich ganz entscheidend ist die Hartnäckigkeit und Konsequenz, die ich an den Tag legen muss, um erfolgreich sein zu können. Spitzensportler sein, ist ein „full-time-job“. Das  heißt für mich, dass ich mich 24 Stunden am Tag, siebenmal die Woche, das ganze Jahr für meine Sportart einsetze und alles gebe. Hartnäckigkeit und Konsequenz heißen für mich auch, sich nicht von Niederlagen, mangelnden Ressourcen oder Verletzungen vom Weg abbringen zu lassen.

Für den Erfolg bei der Weltmeisterschaft in Thessaloniki war ein zusätzlicher Faktor ganz entscheidend für uns: Durch eine Verletzung von David (Anmerkung: David Bargehr, Steuermann) waren wir vor der WM sozusagen gezwungen, neue Aspekte mit in unser Training einfließen zu lassen. Die Verletzung war zwar auf der einen Seite ein Rückschlag, da die „Lebenszeit“, die man als Spitzensportler zur Verfügung hat, ja auch sehr begrenzt ist, doch durch den Abstand zum Segeln (und auch zum Segelpartner) konnten wir unseren Fokus auch auf andere wichtige Dinge lenken, so z.B. die Regeneration und das Athletiktraining, was leider oft vernachlässigt wird. Hier hat uns das Olympiazentrum Vorarlberg wertvolle Impulse geliefert, die wir regelrecht „aufgesogen“ haben.

Welches Ereignis würdest du als deinen größten Misserfolg bezeichnen?

Einer der größten Misserfolge von uns war die WM 2014, bei der es für uns auch um eine aktive Olympia-Qualifikation für Rio 2016 ging. Wir haben uns ganz auf diese WM fokussiert und wollten unbedingt „abliefern“, was uns leider überhaupt nicht gelungen ist. Im Nachhinein betrachtet war unsere eigene Erwartungshaltung und jene des Umfeldes zu hoch, wodurch ein unglaublicher Druck entstanden ist. Wir hatten vergessen, wo wir tatsächlich stehen und uns schon dort gesehen, wo wir eigentlich erst hin wollten.

Welchen Stellenwert, welchen Ruf hat die Sportpsychologie bzw. das mentale Training im Segelsport?

Die Sportpsychologie stellt in unserem Sport eine immens wichtige Komponente dar. Die früheren österreichischen Segelerfolge (z.B. Roman & Hanspeter Hagara) können insbesondere auch auf die Integration von sportpsychologischen und mentalen Techniken zurückzuführen.

Lukas Mähr in Action. I Bilder: (c) by David Pichler

Welche mentalen und sportpsychologischen Techniken und Methoden verwendest du?

Ein wesentlicher Faktor ist die Zeit, die einem für sich selbst zur Verfügung steht, ganz bewusst zu nutzen. Es ist wichtig, sich „Ruhe-Inseln“ zu schaffen, diese ganz bewusst und mit allen Sinnen zu genießen. Sich „mentale Auszeiten“ zu nehmen, mal rauszukommen aus dem eigenen „monkey-mind“, ist eine fundamentale Fähigkeit eines Sportlers, die man auch lernen muss.

Auf dem Boot ist die bewusste Fokussierung auf die anstehenden Aufgaben und eine gute Planung derselben immens wichtig. Dabei geht es darum, sich immer nur auf die gerade anstehende Aufgabe zu konzentrieren. Darüber hinaus kann die Fähigkeit des „Fokuswechsels“ entscheidend sein. Wir müssen unsere „Scheinwerfer“ unterschiedlich immer wieder anders einzustellen. Dies ist abhängig von der anstehenden Aufgabe: einmal weit und dann wieder eng, einmal internal, dann wieder auf die Umgebung ausgerichtet.

Auch eine „positive Kommunikation“ – insbesondere, wenn Fehler passieren – spielt eine wichtige Rolle. Das üben wir auch ganz bewusst. Schließlich ist die Fähigkeit zur Emotionsregulation ganz entscheidend, denn bei einem Wettkampftag, der bis zu acht Stunden dauern kann, erlebt man ein „Wellental der Gefühle“. Schließlich ist das Vertrauen ineinander ganz zentral. Das müssen wir immer wieder aufbauen.

Was hat es denn mit euren „tree-house-meetings“ auf sich?

Aha, genau (lacht). Das ist eine ganz spannende Sache. Im Rahmen der „tree-house-meetings“ setze ich mich regelmäßig mit meinem Segel-Partner an einen Tisch und analysiere mit ihm gemeinsam die aktuelle Situation. Wir versuchen dazu ganz bewusst eine Metaebene einzunehmen und konstruktives Feedback zu geben.

Welche Ziele hast du dir für die kommende Saison gesetzt?

Im Fokus steht die WM Ende Juli/Anfang August. Dafür haben wir uns intern gemeinsam mit unserem Trainer auch Parameter gesetzt, an denen wir in den kommenden Monaten arbeiten wollen. „Wie segeln wir schnell?“ und noch nicht „wie segeln wir schnell um den Kurs?“ steht in der nächsten Zeit noch im Vordergrund. Wir schauen dabei ganz bewusst weniger auf Resultate, sondern es geht uns ganz wesentlich um die sukzessive Verbesserung unserer Leistung.

Bilder: (c) by David Pichler

Simon Nussbaumer