Dr. René Paasch: Über die verrückte Idee eines Einheitsgehaltes im Profifußball

Die deutschen Profi-Clubs machen seit jeher ein Geheimnis aus den Gehältern ihrer Stars, wohl auch aus Neidgründen und Empfängerschutz. Dennoch werden immer wieder Zahlen genannt. Trivago-Chef Rolf Schrömgens, Online-Unternehmer und Hauptsponsor des VfL Bochum, hat dazu eine eigene und bislang nur auf sein Unternehmen bezogene Idee: “Wir haben uns ganz von finanziellen Anreizen gelöst. Deutschlands Unternehmen müssen ganz anders mit ihren Mitarbeitern umgehen. Boni gehören gestrichen, Vorgesetzte abgeschafft. (WiWo, 7. Febr. 2018).“ Aus meiner Sicht: Ich finde vor allem den Ansatz spannend, dass die Mitarbeiter quasi das Gleiche verdienen und damit nur auf intrinsische Motivation geachtet wird, um ein optimales Ergebnis für das Unternehmen zu erzielen. Und damit schließt sich die Frage an: Wäre dieses Modell auf den Profi-Fußball übertragbar?

Zum Thema: Intrinsische Motivation und Gehaltsanpassung im Profi-Fußball

Bei den Gehältern in der Bundesliga herrscht eine große Diskrepanz. Während der FC Bayern München sich die Qualität der eigenen Spieler einiges kosten lässt, sind die kleinen Lichter der Liga mit geringeren Gehältern unterwegs. Bei den Durchschnittsgehältern ergeben sich folgerichtig große Unterschiede. So verdient ein Profi beim FC Bayern laut dem Magazin Sportintelligence im Durchschnitt 5,28 Millionen Euro pro Jahr. Damit sind sie absoluter Spitzenreiter. Ingolstadt und Darmstadt (zum Analysezeitpunkt noch Erstligisten) stehen mit einem Durchschnittswert von 0,42 bzw. 0,38 Millionen Euro am Ende des Rankings. Aus diesen Zahlen ergibt sich ein Mittelwert von 1,34 Millionen Euro pro Fußball-Profi in der Bundesliga. Was gleichbedeutend mit einem durchschnittlichen Wochengehalt von etwa 111.000 Euro ist.

Bei dem Durchschnittsgehalt der zweiten Liga gibt es ebenso große Diskrepanzen. Nur eines ist deutlich: Der Etat ist deutlich kleiner, die Einnahmen aus Werbung, Sponsoring oder TV-Verträgen sind nicht annähernd so hoch wie in der Bundesliga. So berichtet beispielsweise die Seite fussballspieler.de von einem Gehaltsgefüge zwischen sieben und etwa 20.000 Euro im Monat (Jahresgehalt: 84.000 bis 240.000 Euro). Die Seite finanzen100.de spricht dagegen von einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 450.000 Euro. Dabei gibt es wie auch im Oberhaus ein deutliches Gefälle. Selbst für die 3. Liga errechnet das Portal ein jährliches Durchschnittsgehalt von 116.000 Euro.

Fußballer sind extreme Gutverdiener

Ganz unabhängig davon, wie belastbar die einzelnen Zahlen im Detail sind, steht eines fest: Ein Profi-Fußballer verdient extrem gut. Und durch ein geschicktes Transferverhalten können viele Spieler und Berater an dieser Schraube, nicht zuletzt aufgrund des international sehr erhitzten Marktes immer weiter drehen.

Die rote Couch – Das Sportpsychologie Barcamp (Thema Fußball) – 02/03.06.2018 in Bochum

Kommen wir auf dieser Grundlage aber zurück auf das Eingangszitat vom Unternehmer Rolf Schrömgens und überlegen einmal, was sich ändern würde, wenn im Profi-Fußball ein Einheitsgehalt gezahlt würde? Wäre dies nicht eine Lösung, die im Ergebnis wieder Spannung in die Liga bringen könnte, weil sie Waffengleichheit herstellt? Und vor allem Vereine in die Lage versetzt, nicht nur primär durch Gehaltszahlen, sondern durch weiche Faktoren wie das Umfeld, die Betreuung oder die interne Atmosphäre zu punkten?

Intrinsische Motivation

Spielten wir das einmal durch, dann stießen wir schnell auf Aspekte wie die intrinsische Motivation, also das vor allem interessengeleitete Handeln im Sport. Intrinsische, was? Die intrinsische Motivation beim Sport ist am besten durch die Person-Gegenstands-Theorie des Interesses (Krapp, 2002a; Schiefele, 2001) erklärbar. Diese ist durch Handlungsmotive wie die wertbezogenen und gefühlsbezogenen Valenzen charakterisiert. Intrinsisch motivierte Tätigkeiten werden um ihrer selbst willen durchgeführt und nicht, um eine Belohnung zu erlangen oder eine Bestrafung zu vermeiden. Dabei schließen sich intrinsische und extrinsische Motive nicht zwangsläufig aus. Ein Sportler kann z.B. seine Profikarriere sowohl aus Spaß als auch dem Wunsch nach angemessener Bezahlung, Erfolg und Macht nachgehen.

Viele Handlungen werden daher durch eine Kombination von intrinsischen und extrinsischen Motiven durchgeführt. Jeder Sportler besitzt subjektive Werte und Ideale, an denen er seine Handlungen ausrichtet. Eine Person versteht sich z.B. selbst als fairen Sportler und handelt entsprechend dieses Selbstbildes. Das interne Selbstverständnis spricht besonders das Grundmotiv der Leistung an. Im Gegensatz zu den extrinsischen Handlungsmotiven liegen die Ursachen für intrinsisch motivierte Handlungen in der positiv empfundenen Erlebnisqualität, die unmittelbar mit dem Handlungsvollzug verbunden ist (Krapp & Weidemann, 2006). Der belohnende Effekt stellt sich daher während der Tätigkeitsausführung ein.

Der Motivation Crowding-Out Effect im Fußball

Vereinfachen wir also: Die intrinsische und extrinsische Motivation überschneiden sich. Eine Überschneidung von Motivationsquellen sieht in der Praxis (in der Theorie zum Beispiel mit dem Crowding-Out Effect erklärt) so aus: ein Fußballer betrachtet seine Sportart als sinnvoll und führt sie mit großer Freude durch (intrinsische Motivation). Gleichzeitig empfindet er das Gehalt für seine Leistungsfähigkeit als angemessen (extrinsische Motivation). An dieser Stelle führt sein Verein oder Verband allerdings ein Bonussystem ein, dass die persönliche Leistung der Sportler und Mannschaft stärker belohnen soll. Der Sportler hat nun die Möglichkeit, durch das Erreichen bestimmter sportlicher Ziele wesentlich mehr Geld zu verdienen als vorher. Was geschieht nun? Er möchte sich diesen Bonus natürlich nicht entgehen lassen und wird nun verstärkt darauf hinarbeiten, die vorgegebenen Ziele und Leistungsfähigkeit zu erreichen. Aufgaben, die aber keinem konkreten Ziel dienen und damit kein Bestandteil des Bonussystems sind, werden stärker als negativ empfunden. Bei selbstmotivierten Tätigkeiten, die man als sinnvoll empfindet und gern erledigt, steigt die Motivation durch Belohnungen nicht mehr weiter an und kann sogar die innere Motivation verdrängen.

Was könnten wir aus den oben genannten Punkten nun mitnehmen?

  • Grundgehälter in den verschiedenen Spielklassen schaffen
  • Belohnungssysteme für Spieler und Mannschaften nach individueller/kollektiver Leistungsfähigkeit
  • Balance zwischen intrinsischer und extrinsischer Motivation ermöglichen
  • Handlungsmotive der Spieler wie die wertbezogenen und gefühlsbezogenen Valenzen erfragen und testen

Fazit

Die Diskussion über Sportlergehälter im Fußball finde ich trotz aller Theorie in der Praxis eher schwierig. Fußballer bekommen das Geld aufgrund ihres Marktwerts, der sich aus ihrem spielerischen Wert sowie ihrem Werbewert zusammensetzt. Und die meisten Vereine, gerade die finanziell potenteren, werden den Teufel tun, auch nur im Ansatz über ein solches Modell nachzudenken.

Dennoch – und ganz unabhängig von unserer Ausgangsfrage – sollte die intrinsische Motivation im Sport gepflegt werden, um nachhaltige und länger andauernde Erfolgsphasen zu ermöglichen. Hierbei ist das interessengeleitete Handeln der Spieler zu berücksichtigen.  

 

Mehr zum Thema:

Mario Schuster: Optimales Motivationsklima. Was Führungskräfte aus der Sportpsychologie lernen können!

Dr. René Paasch: Ziele und Motivation

Literatur

Bandura, A. (1997). Self-efficacy: The exercise of control. New York: Freeman.

Deci, E.L. & Ryan, R.M. (1985). Intrinsic motivation and self-determination in human behavior. New York: Plenum.

Dweck, C.S. & Leggett, F.L. (1988). A social-cognitive approach to motivation and personality. Psychological Review, 95, 256-273.

Heckhausen, H. (1974). Leistung und Chancengleichheit. Göttingen: Hogrefe.

Krapp, A. (1999). Intrinsische Lernmotivation und Interesse. Forschungsansätze und konzeptuelle Überlegungen. Zeitschrift für Pädagogik, 45, 387-406.

Krapp, A. (2002a). An educational-psychological theory of interest and its relation to self- determination theory. In E.L. Deci & R.M. Ryan (Hrsg.), The handbook of self- determination research (S. 405-427). Rochester: University of Rochester Press.

Krapp, A. & Weidemann, B. (2006). Pädagogische Psychologie (5., durchges. Aufl.). Weinheim: PVU.

Rheinberg, F. (1996). Flow-Erleben, Freude an riskantem Sport und andere „unvernünftige“ Motivationen. In J. Kuhl & H. Heckhausen (Hrsg.), Motivation, Volition und Handlung. Enzyklopädie der Psychologie C/IV/4 (S. 101-118). Göttingen: Hogrefe.

Rheinberg, F. (2006). Intrinsische Motivation und Flow-Erleben. In J. Heckhausen & H. Heckhausen (Hrsg.), Motivation und Handeln (3., durchges. Aufl., S. 331–354). Berlin: Springer.

Schiefele, U. & Köller, O. (2001). Intrinsische und extrinsische Motivation. In D.H. Rost (Hrsg.), Handwörterbuch Pädagogische Psychologie (S. 304-310). Weinheim: Psychologie Verlags Union.

 

Internet:

http://www.wiwo.de/erfolg/management-der-zukunft/trivago-chef-schroemgens-wir-haben-uns-ganz-von-finanziellen-anreizen-geloest/20934054.html (Zugriff am 05.04.2018)

https://www.finanzen100.de/finanznachrichten/wirtschaft/116-000-euro-pro-jahr-selbst-drittliga-kicker-verdienen-wie-top-banker-aber-mit-einem-haken_H254104146_288017/ (Zugriff am 05.04.2018)

http://www.fussballspieler.de/gehaelter-der-fussballspieler/ (Zugriff am 05.04.2018)