Thorsten Loch: Badminton. Wie Umgehen mit der Regeländerung?

Rund um die Yonex German Open 2018 in Mühlheim an der Ruhr hat nicht zuletzt eine Regeländerung für Aufsehen gesorgt: Der Badminton-Weltverband (BWF) hatte verfügt, dass bei diesem Turnier erstmals die neue Aufschlagregel umgesetzt werden soll. Konkret: In Mühlheim galt eine einheitliche maximale Aufschlaghöhe von 1,15 Meter. Das Ziel dahinter: Es soll mehr Transparenz bei der Aufschlagsituation geschaffen werden. Doch bereits nach den ersten Turniertagen kam Unmut auf und viele Spieler kritisierten, u.a. auch Superstar Chong Wei, die neue Aufschlagregel scharf.  

Zum Thema: Wie kann die Sportpsychologie bei Regeländerung Abhilfe leisten?

„Ich spiele seit über 30 Jahren Badminton, habe in den letzten Jahren an zahlreichen Großevents teilgenommen und hätte nicht gedacht, dass mir die BWF in 2018 noch erklären müsste wie man aufschlägt. Um ehrlich zu sein, das ist lächerlich.“ Chong Wei

Die Spannung bei den Zuschauern und Athleten war groß. Vor allem in Hinblick auf die hochgewachsenen Doppelspieler aus Dänemark. Wer kommt mit der Regeländerung am besten zurecht? Der über zwei Meter große Däne Mads Kolding äußerte gemeinsam mit Viktor Axelson bereits im Vorfeld seinen Unmut via social media (Instagram).  

Große Spieler im Nachteil?

Wegen seiner Größe musste Kolding aufgrund der neuen Regeländerung seine Aufschlagposition fast einen Meter nach hinten verlegen und in einer sehr ungewohnten Position servieren.

Sicherlich ist diese Regeländerung nicht glücklich und wirft Fragen nach Objektivität auf. Jedoch unabhängig davon, stellt sich die Frage, wie können sich Sportler auf solche unvorhersehbaren Dinge vorbereiten? Die BWF hatte die Regeländerung im Vorfeld angekündigt und den Sportlern die Möglichkeit eingeräumt, entsprechend darauf zu reagieren. Genau hier könnte ein Ansatzpunkt für die angewandte Sportpsychologie sein. Im Leistungssport wird das Mentale Training (MT) bekanntlich mit unterschiedlichen Zielsetzungen angewandt. Primäres Ziel ist die Leistungsoptimierung, jedoch macht es in diesem Zusammenhang Sinn, sportpsychologische Methoden hinsichtlich des  Erlernens und Stabilisierens von motorischen Fertigkeiten in Augenschein zu nehmen:

Einsatzmöglichkeiten des Mentalen Trainings

Das Erlernen und Stabilisieren von motorischen Fertigkeiten stellt nur eine Einsatzmöglichkeit des Mentalen Trainings dar (Übersicht über Einsatzmöglichkeiten zu finden bei Mayer/Hermann, 2009). Außerordentlich in den Bereichen Erlernen und Trainieren von motorischen Fertigkeiten wie bei einem Aufschlag, kann das MT in der kognitiven Phase des Lernens und Erwerbens unterstützen. Insbesondere bei komplexen Bewegungsabläufen liefert das Mentale Training bedeutende Vorteile für den Sportler.

Durch die Veränderung von Bewegungsstellungen und deren Training ist es schneller möglich, Fehlerentstehung zu erkennen und die Ursachen für Fehler durch entsprechende Korrekturen zu beseitigen. Zwingende Voraussetzung für eine schnelle Fehlerkorrektur bzw. Modifikation der Aufschlagbewegung ist eine entsprechende Differenzierung und Intensität der Bewegungsvorstellung von Nöten (Mayer/Hermann, 2009). Damit ist es den Sportlern möglich, mittels MT, die für die Automatisierung von Bewegungsabläufen nötigen Umfänge annähernd zu realisieren. Grundlage hierfür sind die äquivalente neuronale Aktivierung der Prozesse mittels Mentalen Trainings, wie bei dem tatsächlichen praktischen Bewegungsvollzug. Es ist zu berücksichtigen, dass direkt nach der praktischen Durchführung eine ausführliche Analyse von Athlet und Trainer vorgenommen wird. Denn erst eine angemessene differenzierte Bewegungsvorstellung ermöglicht es dem Sportler, die Traineranweisungen schnell aufzufassen und umzusetzen.

Fazit

Es ist immer wieder erstaunlich und macht zeitgleich deutlich, dass vermeintliche kleine Änderungen im Bewegungsablauf, sei es durch Regeländerungen, Umweltbedingungen, usw., im Spitzenbereich die Athleten vor massive Probleme stellen. In diesem Leistungsbereich entscheiden Nuancen über Sieg und Niederlage. Die Sportpsychologie gibt den Sportlern jedoch die Möglichkeit, sich adäquate auf solche äußeren Störungen vorzubereiten.

Die eingangs beschriebene Regeländerung bei den German Open soll hier stellvertretend nur eine Einsatzmöglichkeit des Mentalen Trainings darstellen. Darüber hinaus gibt es noch weitere, jedoch muss immer von Individuum ausgegangen werden und ein allgemeingültiges „Kochrezept“ wird es nicht geben. Hieraus wird klar, dass eine Zusammenarbeit mit einem Sportpsychologen durchaus Sinn macht, genauso wie mit einem Physiotherapeut oder einem Athletiktrainer.

Gerne helfen wir vom Netzwerk: http://www.die-sportpsychologen.de/sportpsychologen-nach-sportarten/

Nach Sportarten

Thorsten Loch

Literatur:

Mayer, J./Hermann, H.D. (2009). Mentales Training. Grundlagen und Anwendungen in Sport, Rehabilitation, Arbeit und Wirtschaft. Springer Verlag. Heidelberg.

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