Dr. Christian Reinhardt: Wie Vereine im Transferpoker Punkte machen können

Das Theater bei Borussia Dortmund um Pierre-Emerick Aubameyang hat endlich ein Ende. Sein Wechsel zu Arsenal London mit all seinen Begleiterscheidungen zeigt zum wiederholten Male aber auf, dass gerade deutsche Clubs vermehrt Probleme haben, ihre Stars zu halten. Dies liegt zum einen natürlich an den enormen Summen, mit denen Vereine aus England und China aktuell locken können. Zum anderen schaffen es Vereine wie Borussia Dortmund aber auch nicht, nachhaltig zu überzeugen. Die Sportpsychologie kann auch in solchen schwierigen Verhandlungssituationen helfen.

Zum Thema: Kommunikation als Kernaufgabe im Vereinsalltag

Vorweg: Wenn ein Spieler, getrieben aus monetären Gründen, den Verein wechseln will, führen die meisten Argumente ins nichts. Sobald allerdings das Geld aber nur ein Teilaspekt ist, lohnt es sich für den Verein, in den Gesprächen mit dem Akteur und seinen Beratern richtig Gas zu geben. Die Kernfrage, auf die in der Kommunikation hingearbeitet werden soll, lautet: Was hat den Spieler damals dazu bewegt, um zu seinem jetzigen Verein zu wechseln? Mögliche Motive: Qualität der Mannschaft, der Spielstil, der Trainer, die Fans oder die Bedeutung des Vereins.

Es geht also darum, dem Spieler aufzuzeigen, was er in diesem Moment bei seinem jetzigen Verein tatsächlich hat. Im Idealfall lassen sich die Motive von einst mit der Aktualität messen. Wenn das gegeben ist, dann ist der Verein gegenüber dem möglicherweise wechselwilligen Spieler bereits wieder in einer deutlich besseren Position. Und auf diese aufbauend, sollte nun überlegt werden, welche zukünftigen persönlichen Ziele der jeweilige Spieler hat und inwiefern ihm sein jetziger Verein die richtige Bühne dafür bietet. Nicht selten kann die Lösung sein, dass ein fester interner Zeitplan vereinbart wird, bis der Spieler tatsächlich zu einem anderen Verein wechseln kann. Er also sein Umfeld nutzt, für welches er sich einst entschieden hatte, um bestens vorbereitet, in großartiger Form und geliebt von den Fans den nächsten Schritt auf seinem Karriereweg zu gehen. Dass dies nur bedingt mit der schriftlich fixierten Vertragslänge zu tun hat, ist allen Beteiligten dabei natürlich klar.

Motive als Orientierung

Die vom Spieler genannten Motive, die für den aktuellen Verein sprechen bzw. gesprochen hatten, sind auch ein wichtiger Feedbackkanal, um Missstände oder Fehlentwicklungen im Team oder im Verein zu prüfen. Um es Sportdirektoren, Managern oder Trainern zu ermöglichen, solche Sachlagen schnell zu erkennen, sollten regelmäßig solche intensiven und offenen Gespräche mit den Spielern geführt werden. In der Realität von professionellen Fußballvereinen sieht dies aber oft anders aus, da dafür die Zeit fehlt oder sich diese nicht genommen wird. Der Schaden, der darüber entsteht, kann aber weit größer sein: Nicht nur finanziell, vor allem atmosphärisch. Borussia Dortmund in seiner jetzigen Situation ist, aus der Ferne betrachtet, dafür ein ziemlich gutes Beispiel.

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