Elvina Abdullaeva: Das Versprechen an den liebsten Menschen

Oft wird es von Sportpsychologen erwartet, dass sie in der Lage sind, kurz vor dem Start die Sportler so in Schwung zu bringen, dass sie alles Mögliche und Unmögliche umsetzen, um zu gewinnen. Die folgende Maßnahme, Das Versprechen an den liebsten Menschen, dient genau einem solchen Ziel.

Wieso unbedingt diese Technik?

Vorab: „Vorsätze machen“ ist eine verbreitete Methode, um das erwünschte Verhalten bei einem Menschen zu stimulieren (Margraf, J. & Schneider, S., 2009), um beispielsweise für eine außergewöhnliche Anstrengung zu motivieren. Der Erfolg dieser Methode hängt oft davon ab, für welchen Anlass dieser Vorsatz gemacht und unter welchen Bedingungen (z.B. mit /ohne Absprache mit jemandem) dieser formuliert wird. Für den besten Wirkungseffekt sollen die beiden Aspekte eine besondere emotionale Bedeutung für die Person haben, die diesen Vorsatz fasst. Das ist gerade unser Fall. Erstens spricht die Wichtigkeit des Relegationsspiels für sich selbst – niemand will absteigen. Zweitens werden die Vorsätze im Rahmen dieser Maßnahme gezielt an die wichtigsten und liebsten Menschen gerichtet. Man könnte natürlich nur sich selbst etwas versprechen. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Versprechen tatsächlich eingehalten wird, sinkt aber dabei. Ein Mensch als ein soziales Wesen braucht immer jemanden, für den er etwas tut. Unsere Familie, Lebensgefährten und Lebensgefährtinnen, Kinder, enge Freunde sind ein starker Stimulator. Wir sind oft bereit für andere etwas zu machen, was wir für uns selbst nicht tun würden. Dies wird bei unserer Maßnahme zu Gunsten der ganzen Mannschaft ausgenutzt.

Wie läuft es genau ab?

Das Versprechen an den liebsten Menschen kann unterschiedlich gemacht werden. Wenn es um einen mehrere Tage andauernden Wettkampf geht, beispielsweise eine Weltmeisterschaft, können Sportler beispielsweise einen Brief an ihre Familie mit den Versprechungen schreiben. Es ist wichtig für den Sportler, eine Kopie von diesem Brief zu besitzen, damit er immer sein Versprechen vor Augen hat, um sein bestes Ergebnis zeigen beziehungsweise den Wettbewerb gewinnen zu können. In unserem Fall sollen die HSV-Spieler nur für ein Spiel gegen den Karlsruher SC motiviert werden. Dabei könnte man die Versprechen-Methode über eine SMS einsetzen. Diesen Trick hat übrigens auch Pep Guardiola als Trainer vor einigen wichtigen Spielen erfolgreich angewendet (Balagué G., 2012). Kurz bevor die Spieler sich warm machen, soll der Trainer oder der Sportpsychologe sie darum bitten, der Familie, den Freunden oder anderen liebsten Menschen eine Nachricht zu schicken und ihnen zu versprechen, dass sie alles geben werden, um zu gewinnen. Wie der Inhalt der SMS formuliert wird, kann den Spielern selbst überlassen werden. Sie können versprechen, das Spiel zu gewinnen, auf dem Platz von der ersten bis zur letzten Sekunde zu kämpfen, ihre beste Saisonleistung zu zeigen, 100-prozentig konzentriert zu bleiben und/oder Traineranweisungen zu befolgen. Damit fühlt sich jeder Fußballer den liebsten Menschen gegenüber, denen er diese SMS-Versprechen gemacht hat, verpflichtet, im Spiel alles zu geben.

Diese Methode finde ich persönlich sehr gut, weil sie die ganze Mannschaft umfasst und gleichzeitig für jeden Spieler eine persönliche Bedeutung hat. Eine sehr gute Mischung, mit welcher die Wahrscheinlichkeit erhöht werden kann, dass alle Fußballer einmütig über die ganze Spielzeit hinweg mit voller Hingabe kämpfen werden.

 

Quellen:

Balague G. (2012).Pep Guardiola. Die Biografie. 3 Aufl. C. Bertelsmann Verlag: Munchen

Margraf, J. ,Schneider,S. (2009).Lehrbuch der Verhaltenstherapie: Band 1: Grundlagen – Diagnostik – Verfahren – Rahmenbedingungen (3. Aufl.) Springer: Heidelberg.

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