Prof. Dr. Oliver Stoll: Hohe Hürde Muttersprache

Sportartenübergreifend arbeiten in vielen Profi-Vereinen und sogar in Nationalmannschaften Trainer, die nicht die jeweilige Sprache des Landes sprechen, in dem sie tätig sind. Oftmals ist es die besondere sportspezifische Expertise, die diese Trainer mitbringen. Im Basketball und im Eishockey sind es oftmals Nordamerikaner oder Skandinavier, im Fußball finden wir häufig Italiener und Spanier und in den technisch-kompositorischen Sportarten sind es oftmals Trainer mit einem russischen Hintergrund.

Zum Thema: Wie schwer wiegt die Sprache in der Trainer-Athleten-Interaktion?

So sehr diese sportartspezifische Expertise hilfreich und besonders ist, so sehr kann aber gerade das Problem der „Sprache“ zu einem echten Problem in der Arbeit mit den Athleten werden. Kommunikation erfolgt häufig über Sprache. Wir kommunizieren aber eben auch über andere Kanäle, nämlich z.B. auch über Gestik und unsere Mimik. Hinzu kommt die Tatsache, dass eine funktionale Kommunikation nur dann auch erfolgen kann, wenn die verbale Kommunikation zu der nonverbalen passt. Darüber hinaus kommunizieren wir eben auch auf einer Sachebene, auf der es darum geht, Informationen auszutauschen, aber andererseits eben auch auf einer Beziehungsebene, auf der z.B. Empathie, Sympathie oder auch Antipathie deutlich wird. Und auch hier sollten alle Kanäle „synchronisiert“ sein, damit die Information vom Sender auch korrekt vom Empfänger interpretiert werden kann.

Jetzt wird deutlich, dass die Sprache in diesem Zusammenhang eine zentrale Rolle in der Trainer-Athleten-Interaktion spielt und das ein Trainer, der in seiner Muttersprache kommuniziert, insbesondere im Bereich der Kommunikation auf der Beziehungsebene einen deutlichen Vorteil hat, denn sportspezifische Sachinformationen lassen sich mitunter auch gut über ein Zeichen- und Symbolsystem übermitteln, die es auch in fast jeder Sportart gibt. Es sind manchmal die vielen kleinen Besonderheiten oder Begriffe, die es in der Muttersprache gibt, und die ein Trainer aus dem Ausland so gar nicht kennt und missverstehen kann. Besonders deutlich wird das Problem aber zumeist erst dann, wenn Krisensituationen auftreten, in denen die Kommunikation funktional sein muss. Nicht selten werden in solchen Situationen auch Sportpsychologen hinzugezogen, die um diese Problematik wissen und in solchen Krisensituationen als Moderatoren fungieren können.

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