Elvina Abdullaeva: Danke deinem Konkurrenten!

Bis zu seiner Entlassung Mitte September hat Felix Magath beim FC Fulham sage und schreibe 47 verschiedene Spieler eingesetzt. Eine Größenordnung, in der der frühere Meistertrainer gern arbeitet, um eine neue Mannschaft zu formen. Beim Premier League-Absteiger verfolgte er in den zurückliegenden sieben Monat seinen Auftrag gewohnt stoisch, allerdings blieben die kurzfristigen Erfolge aus: Ein Punkt aus sieben Spielen und einiges an Unruhe in der aufgeblähten und durcheinander gewirbelten Mannschaft bedeuteten seine Entlassung. Was geht eigentlich vor sich, wenn innerhalb einer Mannschaft das Konkurrenzdenken ungesunde Züge annimmt? Und wie können Trainer, egal ob Profi oder Amateur, darauf reagieren? Und wie sollten Spieler mit neuer Konkurrenz umgehen?

Zum Thema: Schaffung einer förderlichen Konkurrenzsituation

Ist Konkurrenz gut oder schlecht? Ganz klar: Ohne Konkurrenz ist der Leistungsport unvorstellbar. Durch Konkurrenz verbessert jedes Teammitglied seinen Stellenwert und entwickelt sich ständig weiter. Aber was, wenn innerhalb einer Mannschaft eine ungesunde Konkurrenz entsteht? Wenn sich einige Akteure aus dem Training zurückziehen oder sich ein echter Konflikt anbahnt? Dann ist der Trainer gefragt und muss sofort Gegenmaßnahmen einleiten.

Kooperation statt Konkurrenz

Damit die Rivalität zwischen den Mitspielern im gesunden Rahmen bleibt, muss die Konkurrenzsituation transparent und fair sein. Der Schlüssel dazu ist Kooperation, die der Trainer bei seinen Spielern fördern muss. Denn nur, wenn die Konkurrenten beschließen, sich gegenseitig zu unterstützen, werden eine gemeinsame Entwicklung und damit im Ergebnis sportliche Erfolge überhaupt erst möglich. Wie kann der Trainer kooperatives Verhalten gezielt fördern?

I. Trainer- Spieler Gespräch.

Wenn Sie als Trainer auf so einen Konkurrenzkonflikt, beispielsweise zwischen den Stürmern gestoßen sind, ist das Gespräch immer die beste Lösung. Dabei ist es wichtig, aus ihrer Perspektive die Spieler nicht als Konkurrenten, sondern als Mitglieder einer Mannschaft sehen. Überschreiben Sie das Gespräch als eine Besprechung mit dem Ziel, das Spiel im Angriff zu optimieren.

Beim Gespräch ist folgendes zu beachten:

1) Die Verantwortung gegenüber der Mannschaft betonen. Im Kern der Kooperation soll immer ein das gemeinsames Ziel stehen: das Mannschaftsziel. Es muss die miteinander konkurrierenden Spieler sehr deutlich daran erinnern, dass „wir das gleiche Ziel haben und alle gemeinsame Sache machen.“

2) Den individuellen Beitrag hervorheben. Verdeutlichen, welche Erwartungen die Mannschaft an jeden Spieler hat: in Bezug auf die Leistungsbereitschaft, Unterstützung und Hilfe. Die Spieler sollen wissen, was sie gegebenenfalls tun, wie sie sich entwickeln sollen, um der Mannschaft zu helfen, das Ziel zu erreichen.

3) Win-win-Handeln fördern. Damit ist gemeint, dass die konkurrierenden Spieler ihre Zusammenarbeit so gestalten, dass beide einen Nutzen erzielen. Solche Fragen an den Spieler wie z. B.: “Wie werden die Beiden davon profitieren, wenn sie einander helfen?” oder “Wie wird die ganze Mannschaft davon profitieren?” wechseln den Blickwinkel auf die Situation und fördern die Einnahme einer aktiven Position seitens der Spieler.

4) Gruppenregeln erarbeiten. Je kleiner die Gruppe ist, desto größer ist die Hilfsbereitschaft. Daher ist es förderlich, für bestimmte kleine Gruppen z.B. die Stürmergruppe einige kooperative Regeln einzubringen. Als Beispiel: “Wenn ein Stürmer ein Tor erzielt, bekommen alle Stürmer eine Belohnung“. Lassen Sie aber lieber die Spieler selbst überlegen, welche für Maßnahmen bei ihnen eine kooperative Zusammenarbeit stimulieren könnten. Die eigenen Ideen der Spieler sind in der Regel wirksamer.

II. Das Gegnerbild stärken.  

Es gibt noch weitere Möglichkeiten, die Kooperation innerhalb der Mannschaft zu fördern. So steigt der Gruppenzusammenhalt dann, wenn das Bild des äußeren Gegners, der Konkurrenzmannschaften, gestärkt wird. Es liegt am Trainer zu überlegen, wie er das am besten schafft. Dafür sind Massenmedien ein sehr geeignetes Mittel, z. B. Zeitungsartikel über die gegnerische Mannschaft, die in dieser Saison eine große Hoffnung auf den Angriff setzt und viele Tore von den eigenen Stürmen erwartet, können den gewünschten Effekt erzielen.

III. Strafsanktionen gegen Konkurrenzverhalten.

Sie können außerdem ihre Spieler zur Kooperation zwingen. Die wissenschaftlichen Untersuchungen zeigen, dass die Leute sich deutlich kooperativer benehmen, wenn eine Gefahr (Strafe, Sanktionen) besteht, aus der Gruppe ausgeschlossen zu werden. Auch hier ist es empfehlenswert, die Sportler zur Planung von kooperativen Regeln sowie Strafen im Falle des Regelbruchs heranzuziehen.

Message an die Spieler

Und zum Schluss habe ich ein paar Worte für die Spieler, in deren Mannschaft eine Konkurrenzsituation aufgetaucht ist. Sagt euren Konkurrenten „Danke!“. Schließlich sind sie eure Motivation, euch zu entwickeln. Hättet ihr sonst die Zeit und Lust gefunden, euch hinzusetzen und kritisch zu hinterfragen, wo ihr spielerisch momentan seid, was ihr braucht, um besser zu werden, wie ihr das machen könnt? Und das Wichtigste: Habt ihr überhaupt die Motivation und die Kraft, das alles durchzuziehen? Dank eurer „Konkurrenten“ habt ihr die Möglichkeit, den oft fehlenden Anstoß zur Arbeit an euch selbst zu finden. Dafür könnt ihr ihnen auch Danke sagen.

Quellen:

Baumann, S. (2008). Mannschaftspychologie. Methoden und Techniken (2. Aufl.).Aachen: Meyer& Meyer

Tenzer, E. (2014). Kooperation ist ein Erfolgsrezept. Psychologie heute, 41 (7), S. 32- 36

 

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