Miriam Kohlhaas: Mentale Vorbereitung auf ein Finale

Finalspiele sind keine normalen Spiele. Im American Football steht am Samstag, den 9. Juni, wieder eines bevor. Das Endspiel um den Eurobowl XXXII in Frankfurt (ab 20 Uhr live bei Sport1). Für mich ist die Partie allein deshalb schon etwas besonderes, weil sowohl bei den Samsung Frankfurt Universe als auch bei den New Yorker Lions Braunschweig Spieler auflaufen, die ich als sportpsychologische Expertin betreue. Stellt sich die Frage, was gebe ich Ihnen mit auf ihren Weg?

Zum Thema: Enjoy the journey oder die Frage nach der Einstellung…

In Vorbereitung auf das Finale bin ich vor ein paar Tagen zufällig auf eine Spruch gestoßen, der mich zum Nachdenken angeregt hat, mich zuletzt sogar bis zum Hinterfragen meines eigenen Coachings führte…

Enjoy the journey, enjoy every moment and quit worring about winning and losing!

Also dachte ich nach. Und so kam mir etwas in den Sinn: Immer wenn ich ehemalige Sportler danach frage, was sie nach ihrer Karriere am meisten vermissen, so bekomme ich Antworten wie: Die Zeit mit meinen Jungs, den Geruch des Rasens im Stadion, die Fans, den Einlauf, die Competition. Noch niemals hat mir ein Spieler geantwortet, dass er das „Siegen“ vermisst, einen Ring oder eine Medaille.

Aber warum ist das sportpsychologische Coaching dann so oft auf den Sieg gerichtet?

Und ich habe angefangen noch klarer in meinem Kopf zu formulieren, wie genau ich eigentlich meine eigene Arbeit definiere. Schon immer habe ich den Sportlern erklärt, den Studenten, den Schülern, dass ich nicht daran glaube, dass es einen anderen Menschen gibt, der immer die eine so passende und fehlende Antwort auf die gerade offene Frage hat. Keinen Zauberkünstler, keinen ultimativen Motivator.

Ich persönlich glaube daran, dass alles, was ein Mensch braucht, längst in ihm ist und, dass meine einzige Aufgabe darin besteht, eine Reise zu begleiten. Die Hand zu halten, das Licht anzumachen oder kurzzeitig voran zu gehen auf dem Weg meiner Klienten die fehlende Antwort in sich selbst zu finden.

Wieso auch sollte all das, was für mich persönlich richtig ist, auch für alle anderen Menschen gelten!?

Und trotzdem geht es in meiner Arbeit so oft um den nächsten Sieg, wie eben am Samstag, oder die jüngste Niederlage. Um einen Ring, eine Medaille, einen Pokal. Nicht, dass wir uns falsch verstehen – natürlich wünsche ich mir maximale Leistungsfähigkeit der Spieler, daran arbeiten wir hart. Aber vielleicht ist es nicht für die nächste Auszeichnung. Vielleicht ist es dafür, am Ende einer Reise zurück zu blicken und stolz zu erkennen, dass man immer und zu jeder Zeit sein Bestes gegeben hat. Dass man ganz egal, wie viel Spielzeit man bekommen hat oder wie oft man auch verliert, jede Sekunde dieses Weges ausgekostet hat.

Und deshalb habe ich mir fest vorgenommen, meine Spieler ab sofort zu ermutigen auch diese wunderschöne Reise zu genießen. Jeden Augenblick auf dem Feld, jedes noch so harte Training. Dankbar zu sein für diese so besondere Zeit, mit allem, was sie mit sich bringt. Mit jedem Sieg aber auch mit jeder Niederlage. Denn sind wir mal ehrlich, wie lange hat man eigentlich das Privileg seinen Lieblingssport auf hohem Niveau auszuüben!?

Ich bin mir so sicher, dass wenn diese Zeit vorbei ist, es das sein wird, was ihr vermisst:

Das Privileg, welches ihr hattet, diese Reise gehen zu dürfen.

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