Dr. Hanspeter Gubelmann: Swiss Unihockey baut auf die Sportpsychologie!

Hanspeter Gubelmann
Sportarten: Ski nordisch, Ski alpin, Leichtathletik, Bob, Skeleton, Judo, Eiskunstlauf, Tennis, Short Track, Kanu, Eishockey, Mountainbike, Schwimmen, Triathlon, Rhythmische Sportgymnastik u.a.

Unsere Plattform Die Sportpsychologen dient auch der Akquisition neuer Klienten. Mit Hilfe der Beiträge und Profilseiten erhalten interessierte Trainer und Verbandsfunktionäre die Möglichkeit, die Überzeugungen, Arbeitsweisen und Methoden der Profilinhaber kennenzulernen. Genau diesen Weg der Sondierung und Evaluation haben die Verantwortlichen von Swiss Unihockey beschritten. Welche Vorgehensweise dabei gewählt wurde und wie letztlich die Zusammenarbeit von zwei Profilinhabern mit dem Schweizer Nationalteam der Herren zustande gekommen ist, davon handelt der anschliessende Werkstattbericht.

Zum Thema: Von der Idee zur Tat, wie die sportpsychologische Arbeit vorbereitet wird

Ende März 2017 erhielt ich per E-mail folgende Anfrage: „Ich bin Chef Leistungssport und Verantwortlicher Auswahlen bei Swiss Unihockey, und damit u.a. verantwortlich für die Unihockey-Nationalmannschaften der Schweiz. Im Dezember letzten Jahres haben wir die Herren-Weltmeisterschaften bestritten und vor wenigen Wochen die WM-Analyse abgeschlossen. Im Rahmen dieser Analyse haben wir beschlossen, dass wir in der neuen Kampagne verstärkt im Mentalen Bereich arbeiten möchten.“  

Remo Manser, Chef Leistungsport von Swiss Unihockey, beschreibt die Ausgangslage für eine geplante längerfristige sportpsychologische Unterstützung des Herren-Nationalteams aus Verbandssicht folgendermassen: „Im Unihockey-Sport sind die Top-4 Nationen (Schweden, Finnland, die Schweiz und Tschechien) den nachfolgenden Nationen einige Schritte voraus. Die Medaillen werden alle zwei Jahre unter diesen 4 Nationen ausgespielt. Wir bestreiten alle zwei Jahre eine WM. An dieser finden in neun Tagen sechs Spiele statt, die wichtigsten drei davon am letzten Wochenende Freitag bis Sonntag (Finalspiele). Dies allein ist schon eine mentale Herausforderung. Speziell an der Sache ist sicher, dass wir zwei Jahre Arbeit in einem einzigen Spiel (Halbfinale) auf den Punkt bringen müssen. Die Schweiz hat dabei seit 1998 höchstens noch Bronze geholt, und dies weil man im Halbfinale immer auf Finnland oder Schweden trifft, gegen die wir an grossen Turnieren selten (Finnland) bis nie (Schweden) gewinnen. Diese spezielle mentale Anforderung ist unsere ganz grosse Challenge, und die möchten wir neu mit einem Fachmann angehen.“

Assessement potentieller Anbieter

In meiner Antwort-Mail bekräftigte ich zunächst mein Interesse an einer Zusammenarbeit. Ich stellte dabei klar, dass die Betreuung eines derart grossen Teams mit rund 25 Spielern und zahlreichen Staff-Mitgliedern nur in der Besetzung eines „Tandems“ – in meinem Fall in Kooperation mit Cristina Baldasarre – erfolgsversprechend umsetzbar wäre. Anhand der uns zur Verfügung gestellten WM-Analyse entwarfen wir einen kurzen Projektbeschrieb. Insgesamt drei „Bewerber“ wurden anschliessend vom Verband zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Ende April erhielten wir folgende Antwort: „Noch einmal herzlichen Dank für eure Offerte und euer Interesse an einer Zusammenarbeit mit uns. Wir haben in der Zwischenzeit alle Gespräche und Offerten evaluiert und sind zum Schluss gekommen, dass wir uns enorm freuen würden, mit euch zusammen in die neue WM-Kampagne zu steigen!“  Auf meine Frage, welche Aspekte schliesslich für die Wahl ausschlaggebend gewesen seien, meinte Remo Mamser: „Wir haben uns eure Profile auf die-sportpsychologen genau angeschaut und die Hinweise bezüglich eurer Expertise im Spitzensport haben uns überzeugt!“

In den folgenden Wochen ging es darum, die Auftragsklärung zu sichern, eine genauere Analyse aus Sicht der Sportpsychologie voranzutreiben und erste Gespräche mit den Trainern, Betreuern und den drei Team-Captains zu führen. Neben der frühzeitigen Einsatz- und Terminplanung stand die Ausarbeitung eines schriftlich fixierten Pflichtenhefts (Auftrag) im Vordergrund. Die dort skizzierten Arbeitsschwerpunkte lauten u.a.:

  • Beobachtung und Analyse des Verhaltens von Staff und Team im mentalen Bereich
  • Vermittlung von Knowhow aus dem sportpsychologischen Bereich an Staff und Team
  • Ergänzung der Teamtrainings durch mentale Trainingsformen
  • Unterstützung des Teambildungsprozesses im Hinblick auf die Weltmeisterschaften

Schweiz schlägt Schweden 7:5

Der Einstieg in die Betreuungsarbeit erfolgte Anfang September beim „Next-Generation-Camp“, eine Massnahme ausschließlich für U-23 Spieler. Die ersten Einsätze im Rahmen der A-Nationalmannschaft folgten am Vorbereitungscamp für die Euro Floorball Tour und am 4-Nationenturnier vom 2.-5. November in Kirchberg. Dabei konnte das junge CH-Team bereits einen ersten Meilenstein auf dem Weg bis zu den Weltmeisterschaften im Dezember 2018 erreichen: das favorisierte und bisher gegen die Schweiz ungeschlagene Team Schweden kassierte eine 5:7 Niederlage – im 67. Spiel der erste Sieg eines Schweizer Unihockey-Männerteams gegen den mehrfachen Weltmeister Schweden!

Ebenfalls höchst erfreulich ist die offene und transparente Haltung von Swiss Unihockey im Zusammenhang mit unserem Engagement. Cristina und ich wurden gebeten, im Rahmen eines ersten Interviews mit der Presse-Verantwortlichen Petra Kropf unsere Grundhaltungen und Arbeitsweisen zu beschreiben. Auch daran lässt sich die fortschrittliche und selbstbewusste Einstellung eines Verbandes gegenüber der Angewandten Sportpsychologie erkennen!

Hinweis: In Deutschland wurde die Sportart Unihockey 2009 in Floorball umbenannt.

Zum Interview von Swiss Unihockey mit Dr. Hanspeter Gubelmann und Cristina Baldasarre:

http://www.swissunihockey.ch/de/news/der-entwicklungsweg-ist-nie-zu-ende/

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