Andreas Meyer: Sinnvolle Diagnostik

Um mehr über den Athleten oder sich selbst heraus zu bekommen und daraufhin die richtigen Ziele setzen zu können, eignen sich nicht zuletzt Fragebögen aus dem Bereich der Sportpsychologie. In meinem abschließenden Beitrag zur Serie “Zielsetzung und Motivation” schaue ich zwei ausgewählte Tests genauer an, die jedem Sportler wertvolle Informationen liefern.

Zum Thema: Zielsetzung und Motivation im Sport (Teil 5)

SOQ (Sport Orientation Questionnaire):

Der SOQ erfasst die Orientierung der Bewertung des Befragten. Unterschieden werden Wettkampforientierung, Gewinnorientierung oder Zielorientierung. Betrachtet man diese Eigenschaften, so erkennt man einige Gemeinsamkeiten zu den verschiedenen Zielarten Ergebnisziele, Leistungsziele und Handlungs-bzw. Prozessziele.

Andreas Meyer: Wo führen deine Ziele hin?

Ist ein Sportler sehr wettkampforientiert, so geht es hauptsächlich um den Spaß am gegenseitigen messen mit anderen Sportlern. Es steht bei ihm nicht im Vordergrund, ob er gewinnt oder verliert, sondern er liebt die Wettkampfsituation mit allem was dazugehört.

Atmosphäre oder Erfolge als Motivationsgeber

Dieser Athlet wird wenig Probleme mit der Attribution von Ergebnissen zu tun haben, wird sich aber auch keine großen Ziele setzen, da es ihm kaum um die Leistung geht, sondern er vielmehr die Situation und Atmosphäre des Wettkampfes genießt. Er ist in Wettkampfsituationen immer motiviert, wenn nicht, geht er nicht hin.

Der gewinnorientierte Sportler setzt sich gerne Ergebnisziele. Er will andere Sportler im Wettkampf schlagen und sich hierdurch Anerkennung verschaffen und seinen Selbstwert aufbauen. Erzielt er allerdings ein schlechtes Ergebnis und wird zum Beispiel „nur Vierter“, sieht er keinerlei Erfolg in seinem Auftreten. Auch dann nicht, wenn er für sich selbst eine tolle Leistung erbracht hat und die vorderen drei „unschlagbar“ waren.

Der Weg als Ziel

Im Gegensatz dazu können zielorientierte Athleten auch einen verlorenen Wettkampf als durchaus positiv bewerten, da sie ihren persönlichen Erfolg von ihrer erbrachten Leistung abhängig machen. Haben sie verloren und sind trotzdem eine tolle Zeit gelaufen, zählt das für sie mehr als der verpasste Sieg. Konnten sie das Fussballspiel nicht gewinnen, aber haben eine tolle Zweikampfstatistik erzielt, so verkraften sie auch die Niederlage im Spiel und fokussieren sich auf den persönlichen Fortschritt beim Zweikampf. Zielorientierte Sportler setzen sich als Ziele eher Leistungsziele, oder Prozess- und Handlungsziele und profitieren davon, dass sie das Ergebnis stark mit beeinflussen können (im Gegensatz zum gewinnorientierten Sportler).

Wenn man über das Wissen verfügt, welcher Orientierung man hauptsächlich nachgeht, so kann man bewusst die Art der Ziele anpassen. Einem gewinnorientierten Sportler kann es helfen, Leistungsziele zu setzen und hierdurch auch den ein oder anderen Sieg einzufahren. Bleibt der gewinnorientierte Athlet allerdings bei seinen Ergebniszielen halst er sich selbst sehr starken Druck auf, wenn er seine Ziele nicht erreicht.

AMS (Achievement Motives Scale):

Durch den AMS kann man erheben, welche Motive den Sportler hauptsächlich zu seiner Leistungserbringung antreiben. Der Fragebogen differenziert in zwei Gruppen „Hoffnung auf Erfolg“ und „Furcht vor Misserfolg“.

Der Sportler, der einen Misserfolg fürchtet, wird seine Ziele eher sehr gering setzen, mit einer hohen Wahrscheinlichkeit der Erreichbarkeit. Er wird aus Selbstschutz eher dazu neigen, Misserfolge extern zu attribuieren, da er seinen Selbstwert verteidigen will. Einen Fokus auf Handlungs- und Prozessziele wird ihm die stärkste Möglichkeit geben, einen Erfolg zu erzielen, sodass er wenig gewinnorientiert ist und Ergebnisziele vermeidet, bei denen es um alles oder nichts geht. Der misserfolgsängstliche Sportler hat Angst durch Versagen Scham zu erleben, Anerkennung oder Liebe zu verlieren, oder seinen Selbstwert zu erniedrigen. Bei schwierigen sportlichen Anforderungen wirkt er wie versteinert, wenig flexibel und gedankenverloren. Für ihn kann es sehr hilfreich sein, durch das bewusste Setzen von Leistungszielen den Fokus auf die eigene zu erbringende Leistung zu legen. Außerdem wird es ihm helfen, sich mit der Attribuierung seiner Erfolge und Misserfolge auseinanderzusetzen und diese zu korrigieren.

Mit positivem Blick auf den Wettkampf

Sportler mit dem Motiv „Hoffnung auf Erfolg“ gehen generell positiver in Wettkampfsituationen. Sie sind zuversichtlich und ungehemmt. Ihre Gedanken sind auf das positive im Wettkampf gerichtet, denn sie wissen „heute geht was“. Die sportliche Leistungserbringung wird als Herausforderung gesehen. Bei dieser Motivation ist die Zielsetzungsfrage meist nicht allzu schwer zu formulieren. Die Ziele können relativ hoch angesiedelt werden, denn der Sportler lässt sich hierdurch nicht aus der Ruhe bringen, sondern er liebt die Herausforderung. Auch Ergebnisziele sind für diesen Sportler kein Problem, wenn die Attribuierung stimmt. Meist wird er wahrscheinlich Erfolge intern und Versagen extern attribuieren.

Wie man sehen kann, gibt es viele Zahnräder und Schrauben an denen man arbeiten kann, um gewinnbringende Ziele für den Athleten aufzustellen. Schlecht gesetzte Ziele können den Athleten stark in seiner Leistungsausübung hemmen, gut durchdachte und strategisch gesetzte Ziele jedoch bergen für den Sportler extremes Potential. Gern stehen meine Kollegen von die-sportpsychologen und ich (direkt zum Profil von Andreas Meyer) bei solchen Fragen zur Verfügung.

 

Alle Texte der Blog-Serie von Andreas Meyer zum Thema Ziele:

Teil 1:

Andreas Meyer: Wo führen deine Ziele hin?

Teil 2:

Andreas Meyer: Welches Ziel strebe ich an?

Teil 3:

Andreas Meyer: Ziele vs. Zeit

Teil 4:

Andreas Meyer: Richtig bewerten lernen

Zur Profilseite von Andreas Meyer:

Andreas Meyer

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