Lisa Kaminski und Hannah Pohl: Wir sehen, was die andere denkt

Sportarten: Fußball, Badminton, Leichtathletik, Sportschießen, Karate

Schon nach wenigen Augenblicken, nachdem ich in die Wohnung betrat, war mir klar, dass diese Wohngemeinschaft (WG) nicht denjenigen ähnelte, welche ich aus meiner Studienzeit kannte. Sporttaschen im Flur, ein Wandbild mit Federballapplikation und letztendlich die Bespannungsmachine in der Küche neben der Kaffemaschine ließ spätestens jetzt letzte Zweifel an meinem ersten Eindruck endgültig verfliegen. Ich war in einer „Sport-WG“, welche sich zusammensetzt aus Lisa Kaminiski, Hannah Pohl und noch zwei weiteren Badmintonspielerinnen. Mitten in Bonn-Beuel, unweit entfernt von der Erwin-Kranz-Halle, der Heimstätte des 1.BC Beuels, starten Lisa und Hannah für einer der mitgliedsstärksten Vereine in Deutschland Seite an Seite u.a. mit Birgit Overzier in der Bundesliga, sowie in der Regionalliga. Zusätzlich gehen sie als Damendoppel, neben der regulären Spielzeit, auf nationalen und internationalen Turnieren auf Punktejagd. Deswegen bin ich besonders froh, dass sie trotz des prall gefüllten Terminkalenders Zeit gefunden haben.

Für die-sportpsychologen berichtet

Thorsten Loch (zur Profilseite)

Lisa und Hannah, vielen Dank noch einmal, dass ihr euch Zeit genommen habt, um euch mit mir ein wenig über das Thema Freundschaft zu unterhalten. Seit wann kennt ihr euch und wie habt ihr euch kennen gelernt?

Lisa: Wir kennen uns schon ewig. Quasi von Kindsbein an, was auch nicht wirklich verwunderlich ist. Wir beide kommen aus Oberpleis, einem größeren Dorf oder kleineren Stadt, vor den Toren Bonns.

Hannah: Da hast du Recht. Lisa war damals in der Trainingsgruppe meiner älteren Schwester. Und dabei kam der erste Kontakt zur Stande.

Seit wann wohnt ihr jetzt gemeinsam mit den beiden Anderen zusammen?

Hannah: Ich glaube es sind jetzt ca. zweieinhalb Jahre. Wobei wir schon länger mit dem Gedanken gespielt haben.

Was waren die Beweggründe, euch auf die Suche zu machen?

Lisa: Also zum einen hat es einfach praktikable Gründe. Die Trainingsumfänge mit Athletikttaining, Matchen, Physio usw. sind enorm gestiegen. Rechnet man dann die Anfahrtszeiten zur Halle zusammen, dann war es in der Summe einfach zu viel verlorene Zeit. Zeit, die wir besser nutzen können. Dann arbeite ich auch noch in Bonn, von daher war für mich die Sachlage schnell klar.

Hannah: Genau. Ich studiere noch in Remagen an der FH und brauche jetzt nur wenige Minuten zu Fuß zum Bahnhof und die Verkehrsanbindungen sind hier optimal. Auch die Streck von der WG zur Halle ist schnell mit dem Rad geschafft.

Und warum sind es denn jetzt „erst“ zweieinhalb Jahre, obwohl ihr schon länger mit dem Gedanken gespielt habt? Gab es da bestimmt Gründe für euch?

Lisa:  Wir haben quasi auf den richtigen Moment gewartet. Einmal ist es nicht unbedingt leicht eine WG-taugliche Wohnung zu finden, in guter Lage und dann auch noch bezahlbar ist.

Hannah: Und dann brauchten wir auch noch die „richtigen“ Mitbewohner.

Wie ist das zu verstehen?

Lisa: Klar, muss man sich gut verstehen bzw. sich in irgendeiner Art sympathisch sein. Und dann sind wir auch nicht die typische Studenten-WG, in welcher ohne Klischees bedienen zu wollen, aber das Wochenende mittwochs eingeläutet und wild gefeiert wird. Wenn du Leistung auf hohem Niveau bringen willst, dann gehört Regeneration und Schlaf genauso dazu wie das Training.

Hannah: Und hier könnte es schon Probleme geben, wenn du möglicherweise mit einem „Nicht-Sportler“ zusammen wohnst. Das Verständnis ist einfach da und jeder von uns weiß, worum es geht. Das geht über den Schlaf bis zum Essen usw. Man hat also nicht das Gefühl sich rechtfertigen zu müssen.

Gab es denn im Vorfeld Zweifel, ob es sinnvoll ist, zusammen zu ziehen, obwohl man schon so viel Zeit gemeinsam verbringt? Stichwort Lagerkoller?

Hannah: Natürlich haben wir auch solche Gedanken gehabt, aber bisher haben wir das sehr gut hinbekommen. Unsere Freundschaft hat nicht gelitten, hoffe ich (lacht).

Lisa: Denke ich auch. Aber von Vorteil sind unsere unterschiedlichen Tagesabläufe, außer zu den Trainingszeiten. Wir kommen uns nicht unnötig in die Quere. Ich bin meistens schon sehr früh aus dem Haus, wenn die anderen noch in den Betten liegen. Hannah muss meistens erst später zu den Vorlesungen. Also den „Kriegsschauplatz“ Badezimmer haben wir nicht.

Hannah: Das kann ich nur bestätigen. Zudem sind wir auch zwei Typen, die gut abschalten können und auch einmal gern allein sein können. Wenn ich Lust auf Unterhaltungen habe, egal ob über Badminton oder sonst was, dann brauche ich nur in die Küche zu gehen. Hier trifft man immer jemanden. Wenn das nicht der Fall ist, bleibe ich im meinem Zimmer und schließe die Tür. Lisa händelt das genauso. Und von daher haben wir auch kein schlechtes Gewissen, wenn man mal keine Lust hat, sich zu unterhalten oder sonst etwas, ohne das dann gleich die Freundschaft gefährdet ist.

Georg Potrebitsch: Freundschaftsdienste sind im Triathlon nur Mittel zum Zweck

Glaubt ihr, es ist von Vorteil, gut befreundet zu sein und gemeinsam als Doppelpaarung zu spielen?

Lisa: Also ich für meinen Teil denke es schon. Dadurch, dass man den anderen besser kennt, kann man im Spiel auch besser den anderen verstehen und sehen, was sie vielleicht in dem Moment denkt und braucht.

Hannah: Das kann ich nur bekräftigen. Ich glaube aber nicht, dass es immer von Vorteil ist. Ich kenne zum Beispiel eine Paarung die sich getrennt hat, nachdem sie zusammen gezogen sind.

Lisa: Ich persönlich denke, wir können auch sehr gut trennen. Sport ist Sport und Privat ist Privat. Hier sind wir möglicherweise anderen ein kleines Stück voraus.

Vielen lieben Dank für die Einladung und die Offenheit. Gibt es in nächster Zeit noch sportliche Ziele, die in der Küche ausgetüftelt wurden und auf dem Platz umgesetzt werden sollen?

Hannah: Wir sind immer auf der Suche nach den Prozentpunkten, an denen wir uns verbessern können. Natürlich haben wir auch Ziele, aber die bleiben in der Küche (lacht).

Lisa: Ansonsten stehen dieses Jahr noch ein paar spannende Turniere an, wie beispielsweise die German Open am 23. Februar. Wir wollen noch weitere Ranglistenturniere spielen, um uns diesbezüglich weiter zu verbessern. Hier müssen wir schauen und genau planen, wann und wo wir spielen. Denn teils müssen wir die Turniere auch selbst finanzieren und das ist teilweise ohne Sponsor für uns schwer.

Fazit

Freundschaft und Leitungssport sind gut miteinander zu vereinbaren. Sicherlich kommt es auf die jeweiligen Typen an. Das ein Leistungsgefüge auch sehr gut funktionieren kann, dafür gibt es genügend weitere Beispiel aus der Welt des Sports. Letztendlich muss dies jeder für sich selbst entscheiden und wir können festhalten, dass Freundschaft plus Leistungssport funktionieren kann, jedoch kein Ausschlusskriterium sein muss.

Kleine Randnotiz: Der aufmerksame Leser wird möglicherweise festgestellt haben, das am 23.2. auch Weiberfastnacht ist. Ein für den Rheinländer nicht ganz unwichtiger Termin. Vielleicht lassen sich die Zwei bei einem guten Abschneiden auf den Open zu einer kleinen Küchenparty überreden. Wenn es so gut funktioniert wie bei den Deutschen Meisterschaften, bei denen die beiden Dritte wurden, könnte es lustig werden.

Zurück zum Schwerpunkt:

Freundschaft im Profi-Sport

2 Kommentare

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here